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HOCHSCHULE LUZERN: Stefan Wieland: «Diesen Spirit will ich mitnehmen»

Jonas Vischi und Stefan Wieland schliessen ihr Master-Studium in «Solo-Performance» an der Hochschule Luzern – Musik mit einem grossen Konzert ab. Ein Gespräch über Freiheiten, traumhafte Atmosphäre und gute Lehrer.
Katharina Thalmann
Haben bald ihren grossen Auftritt: Jonas Vischi (links) und Stefan Wieland. (Bild: Nadja Schärli (Luzern, 21.6.2017))

Haben bald ihren grossen Auftritt: Jonas Vischi (links) und Stefan Wieland. (Bild: Nadja Schärli (Luzern, 21.6.2017))

Interview: Katharina Thalmann

kultur@luzernerzeitung.ch

Der Cellist Jonas Vischi (28) und der Countertenor Stefan Wieland (29) stehen kurz vor dem Abschluss ihres Solo-Performance- Masters an der Hochschule Luzern – Musik. Zusammen mit dem LSO und dem Dirigenten Karel Deseure werden sie am ­ 28. Juni im KKL auftreten.

Was überwiegt so kurz vor dem Solistenkonzert: Vorfreude oder Nervosität?

Stefan Wieland: Noch denke ich nicht so viel darüber nach. Ich singe gerade eine Partie in «Ariadne – Eine Frau sieht rot» und habe noch mein Rezital vor mir. Unser Abschluss besteht aus drei Prüfungen: einer Repertoire-Prüfung, einem Rezital und eben dem Solistenkonzert.

Jonas Vischi: Bei mir überwiegt die Vorfreude, obwohl auch ich bis dahin noch wahnsinnig viel zu tun habe. Aber das ist gut: Man hat gar nicht die Zeit, zu viel ­Nervosität aufkommen zu lassen. Und weil man vorher so viel spielt, ist man schön im Flow.

Stefan Wieland, Sie sind oft ­ in Opernproduktionen zu erleben. Ist Ihr Ziel ein Platz in einem Opernensemble?

Wieland: Für mein Stimmfach gibt es keine feste Ensemblestellen. Man wird für eine Produktion angefragt. Ich wusste von Anfang an, dass ich werde freischaffend arbeiten müssen. Die freie Szene ist hochspannend, aber unberechenbar.

Jonas Vischi, Sie sind seit diesem Frühjahr festes Mitglied des LSO. Daneben spielen Sie im international konzertierenden Belenus-Quartett. Wollen Sie sich dereinst für das eine oder andere entscheiden?

Vischi: Ich mag den Mix. Ich liebe Kammermusik, ich spiele gern im Orchester und auch gerne solo. Im LSO zu spielen, ist toll! Ich habe eine 50-Prozent-Stelle. Das erlaubt mir die Arbeit im Quartett, die sehr intensiv ist und die mich immer weiterbringt.

Stefan Wieland, Sie stammen aus dem Kanton Obwalden. Wollten Sie nie weiter weg als bis nach Luzern?

Wieland: Ich habe mich sehr kurzfristig für ein Gesangsstudium entschieden. Peter Brechbühler, mein Dozent hier in Luzern, ist für mich hervorragend. Ich fing an als Bariton und wechselte im zweiten Bachelor-Jahr ins Counter-Stimmfach. Damals merkte ich, wie sehr mein Dozent meine Stimme versteht. So ergab es sich, dass ich hierblieb.

Jonas Vischi, Sie haben zuerst in Karlsruhe studiert. Was verschlug Sie nach Luzern?

Vischi: Ich komme aus Süddeutschland und war zwischen ­ 9 und 13 Jahren Jungstudent in Basel, meine Verbindung zur Schweiz besteht schon lange. Nach Karlsruhe war ich auf der Suche nach Inspiration. Als ich den Dozenten Guido Schiefen kennen lernte, war mir klar: Das ist, was ich jetzt brauche. Ich bin also, ähnlich wie Stefan Wieland, wegen des Lehrers in Luzern.

Spielt Luzern als Stadt also gar keine so wesentliche Rolle für Ihren musikalischen Werdegang?

Wieland: Doch. Ich habe hier das Gymnasium besucht und bin gerade in Ob- und Nidwalden nach wie vor sehr verwurzelt durch verschiedenste Projekte beispielsweise an der Märli-Biini Stans. Und Luzern ist einfach eine wunderschöne Stadt.

Vischi: Das stimmt! Inzwischen ist die Schweiz mein musikalischer Lebensmittelpunkt. Luzern ist ideal: Die ganze Deutschschweiz ist einfach zu erreichen. Zudem läuft kulturell unglaublich viel. So herzig es ist, so international ist es eben auch. Ich habe überhaupt nicht das Gefühl, für diesen Aspekt nach Deutschland zurück zu müssen.

Wie muss man sich den Studiengang «Solo-Performance» vorstellen?

Wieland: (lacht) Das würde ich auch gerne wissen!

Vischi: Man hat sehr intensiven Hauptfachunterricht. Mein Lehrer gibt mir so viel Unterricht, wie ich brauche. Das ist eine sehr ­luxuriöse Situation. Zudem bekommt man sehr viel mehr Flexibilität als beispielsweise in einem Pädagogik-Studiengang. Es wird berücksichtigt, dass man bereits berufstätig ist. Anders als in ­ jeder anderen Studienrichtung schliesst man das Musikstudium ja nicht ab und bewirbt sich dann auf eine Stelle. Der Übergang ist für uns im Idealfall fliessend.

Wieland: Auch ich schätzte die Flexibilität. Wenn ich ein Projekt hatte, das den Unterricht tangierte, erlaubte mir der Studiengang individuelle Lösungen. Besonders gefallen hat mir der repertoiregebundene Theorieunterricht. Das hat mich total überrascht! Ich konnte mit meiner Lehrerin Daniella Gerszt Werke erarbeiten, zu denen ich jetzt einen ganz anderen Zugang habe. Das Verhältnis war weniger jenes von Lehrer zu Schüler als vielmehr eine gemeinsame Diskussion darüber, wie man Werke interpretieren kann. Das ist ein Modell, das nicht nur den Solo-Performance-Studierenden vorbehalten sein sollte.

Vischi: Das stimmt, ich konnte mir in meinem Theorieunterricht wahnsinnig viel Streichquartett-Literatur erschliessen. Für einmal spielte ein Lehrplan keine Rolle, das war sehr schön.

Was nehmen Sie von Ihrer Zeit an der HSLU mit in die Zukunft?

Vischi: Die Verbundenheit wird gross bleiben. Dank des LSO-Probehauses werde ich erfreulicherweise in unmittelbarer Nachbarschaft zum Neubau der ­Musikhochschule arbeiten. Das Umfeld in Luzern schafft die Möglichkeit, dass man den ganzen Leistungsdruck und das Konkurrenzdenken mit sehr positiven Gefühlen meistern kann. Und die Atmosphäre auf Dreilinden war einfach traumhaft.

Wieland: Hier an der Schule kennt jeder jeden. Das fand ich immer toll, gerade für Kammermusikprojekte. Auch den Austausch mit den Dozierenden habe ich sehr geschätzt. Diesen Spirit will ich mitnehmen. Aber ich bleibe ja noch: Ab Herbst werde ich einen CAS-Studiengang in Musikforschung an der HSLU machen.

Welche Werke spielen Sie am Solistenkonzert?

Vischi: Ich spiele die «Variations de concert» von Jean Françaix. Zum einen, weil es ein tolles Stück ist, und zum anderen, weil es überhaupt nicht zum Standardrepertoire gehört. Es ist hochinteressante, unvergleichbare Musik. Das Stück ist von 1950, und ich bin gespannt, wie das Orchester und das Publikum darauf reagieren. Dazu spiele ich «Waldesruhe» von Dvorák.

Wieland: Weil ich mich herausfordern wollte, habe ich mich für «Ombra mai fu» entschieden. Das ist die Counter-Hymne schlechthin, aus Händels Oper «Xerxes». Darauf folgt eine Arie aus «Rinaldo» voller Koloraturen. Ich freue mich auf das Solo-Fagott im Orchester, weil wir fast alle diese Girlanden zusammenspielen. Den zweiten Teil eröffne ich mit einer frühen Mozart-Arie, eines meiner liebsten Stücke.

Wie wird es sich anfühlen, ­ als Solist vor dem eigenen Orchester zu sitzen?

Vischi: Ich freue mich sehr darauf! Glücklicherweise habe ich mein Probejahr schon im Frühling bestanden, es hätte eigentlich genau bist zum Solistenkonzert gedauert. So ist es natürlich entspannter. Zudem ist es eine Chance für mich, den Kollegen zu zeigen, was ich kann.

Stefan Wieland, freuen Sie sich auf Ihr Heimspiel?

Wieland: Einige der Spieler im Orchester kenne ich seit meiner Kindheit. Es ist wunderbar, mit ihnen musizieren zu dürfen.

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