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HÖRSERIEN: Eine neuer Trend für die Ohren und das Gefühl

In den USA boomen Podcasts. Langsam schwappt die Welle auch zu uns. Immer mehr deutschsprachige Podcasts werden hergestellt. Und sie konkurrenzieren Radioproduktionen, denn sie sind emotionaler, spannender und persönlicher.
Apple iPod. (Bild: Nadia Schärli/ Archiv)

Apple iPod. (Bild: Nadia Schärli/ Archiv)

«Der Anfang ist entscheidend», sagt This Wachter. Der frühere Radiomann aus Bern spricht von Podcasts, also abonnierbaren Mediendateien. Und betont: Man widme sich diesen Hörstücken nur, wenn der Einstieg spannend genug sei. Anders als beim Radio, wo das Publikum nach Lust und Laune und auch mitten in einer Sendung einschaltet.

Sie kennen Podcasts nicht? Diese Hörserien lassen einen eintauchen in andere Welten, erzählen Geschichten, Krimis, Menschenschicksale aus persönlicher Sicht, mit Emotionen. Oft werden die Emotionen – ob traurig, fröhlich oder unheimlich – durch passende Musik verstärkt. Etwas, das am Radio kaum zu hören ist. Oder vereinfacht gesagt: Während Radio neutral und objektiv tönt, klingen Podcasts emotional und subjektiv. Während Radio im Hintergrund vor sich hindudelt, fordern Podcasts Aufmerksamkeit. Am besten mit Kopfhörern.

In den USA hören Millionen zu

Und sie bekommen Aufmerksamkeit. In den USA haben sie ein Millionenpublikum. Allen ­voran «Serial» – das ist gewissermassen der Superstar der Podcast und die erfolgreichste Hörserie aller Zeiten. In «Serial» geht es um einen wahren Mordfall. Journalistin Sarah König rollt den Mord an einer Highschoolschülerin auf und nimmt die ­Zuhörerschaft mit. Sie lässt das Aufnahmegerät bei Telefonaten, Interviews und gar bei Gesprächen mit dem als Mörder verurteilten Mitschüler laufen.

Immer wieder teilt sie den Hörern ihre Zweifel über geäusserte Aussagen mit. Man fiebert mit, gibt sich ganz hin, will immer mehr erfahren. Finanziert werden solche Podcast durch Stif­tungen und Werbung – einem Millionenpublikum sei dank. Mittlerweile gibt es eine zweite Staffel von «Serial».

Der deutschsprachige Raum hinkte diesem Phänomen lange hinterher. Podcasts gibt es zwar schon lange, allerdings waren das oft als Podcast verfügbar gemachte Radiosendungen – oder privat und mit wenig Aufwand und Technik produzierte Podcasts für ein Nischenpublikum, bei denen zum Beispiel zu zweit ausufernd über neue Apple-Produkte oder alte Schallplatten gesprochen wurde.

Doch nun werden auch hier immer mehr aufwendige, von der Radioform losgelöste Podcasts produziert (siehe Tipps ). Und mit der Digitalisierung, die es bald erlauben wird, dass Geräte nur aufgrund von Sprachbefehlen den neuesten Podcast abspielen, wird diese Dynamik noch zunehmen.

Noch seltene Schweizer Podcasts

Leider stammen die deutschsprachigen Podcasts fast alle aus Deutschland, Schweizer Produktionen sind selten. Und sogar wenn sie existieren, gibt es immer noch ein Problem: Sie werden nicht gefunden. Oder wie es Hörserienspezialist This Wachter formuliert: «Wie macht man sich bemerkbar in diesem Meer aus längst nicht nur guten Podcasts?»

Vor einem Jahr hat er seinen Job beim Schweizer Radio SRF gekündigt, die erste Hälfte dieses Jahres verbrachte er mit seiner Familie in den USA, um mehr über Podcasts zu lernen. «Ich spürte die biologische Uhr», sagt der 51-Jährige, «andere bauen in einer solchen Situation ein Haus, ich wollte die Podcast-Welt ausprobieren.» Im Sommer kam er zurück nach Bern. Er hat sich in einer Bürogemeinschaft eingemietet und hirnt über Ideen. ­Zurück zum Radio will er nicht: «Jetzt habe ich extrem viele Freiheiten.» Im Radio seien die ­Entscheidungsstrukturen starrer, dadurch werde man gebremst. Es gebe fixe Längen, fixe Einstiege, fixe Formate. Auch Radio SRF pröbelt an neuartigen Podcast-Formaten herum, doch noch ist nichts spruchreif.

This Wachter begeht Neuland. Auch wenn das risikoreicher ist. Er setzt voll auf die Karte Podcast. Und er hat für sich – als ehemaliger Newsradio-Journalist – die lebensnahen und emotionalen Geschichten entdeckt. So arbeitet er zum Beispiel an einer Audiostory über seinen Onkel, der nach 71 Jahren wieder mit seiner Jugendliebe zusammenkam. Ein persönliches und hoch emotionales Thema. Auf Schweizerdeutsch. Die Menschen in ihrer eigenen Sprache reden zu lassen, sei das Wichtigste und ein Grundsatz solcher Storys, sagt Wachter. Auch wenn das in der Schweiz ­bedeutet, dass man auf ein Millionenpublikum verzichten muss.

Marina Bolzli

kultur@luzernerzeitung.ch

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