Hohe Gesangskunst zwischen Poulenc und Palestrina

Im Herbst 2020 widmet sich das Schweizer Vokalconsort einer ungewöhnlichen Verbindung zwischen geistlicher und weltlicher Musik.

Gerda Neunhoeffer
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Draussen herrscht lautes Treiben bei der Schweizerhof-Chilbi, drinnen in der Matthäuskirche leises Unterhalten hinter Masken. Fast alle Stühle sind am Sonntagnachmittag – mit Abstand – besetzt, als die acht Sängerinnen und acht Sänger des Vokalconsorts auftreten.

Sie gestalten ein Programm rund um die Messe in G-Dur von Francis Poulenc. Zwischen den Messteilen singen sie Sätze aus «Canticum Cantorum» von Giovanni Palestrina. Diese Verse aus dem Hohen Lied passen in ihrer Harmonik und Intensität hervorragend in die Klangsprache Poulencs. Zumal, wenn sie so rein und klar gesungen werden. Der Cellist Alex Jellici streut kleine Instrumentalinseln von Bach, Telemann und Britten zwischen die Gesänge. Dirigent Marco Amherd hat mit diesem Vokalensemble ein unglaublich wandelbares «Instrument» vor sich, das er offensichtlich nach Belieben registrieren und differenzieren kann. Er formt die Klänge wie aus einem Orchester heraus, die Intonation ist in jeder Dissonanz, jeder sich auflösenden Harmonie, jedem Akkord hinreissend genau. Dabei versteht man die Texte gut, alle Nuancen werden dynamisch bis an die Grenzen des Möglichen ausgestaltet.

Hervorragender Jungprofi-Chor

Anstatt des Credos, das Poulenc nicht vertont hat, singt der Chor «O nata lux de lumine» von Carl Rütti. Der Komponist ist selbst anwesend, nimmt aber den lang anhaltenden Beifall am Ende bescheiden auf. Und dieser Beifall gilt vor allem dem jungen Profichor, der sich zwischen andere hervorragende Schweizer Chöre wie das Ensemble Corund oder die Accademia Barocco Lucernensis bestens einordnet.