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Rigi-Musiktage: Höhenflüge mit Temperament und Präzision

Zwei Konzerte brachten vielfältige Kammermusik auf den Berg. «Vom Luzernersee» von Hans Huber bis zum jazzigen Intermezzo von Zoltan Kodaly reichte die Bandbreite. Dabei fehlten auch ganz grosse Komponistennamen nicht.
Gerda Neunhoeffer
Vor dem Konzert auf Rigi Kulm (von links): Ivo Haag, Adrienne Soos, Maria-Elisabeth Lott und Benjamin Gregor-Smith. (Bild: Jakob Ineichen, 14. Juli 2018)

Vor dem Konzert auf Rigi Kulm (von links): Ivo Haag, Adrienne Soos, Maria-Elisabeth Lott und Benjamin Gregor-Smith. (Bild: Jakob Ineichen, 14. Juli 2018)

Ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch auf der Rigi: Scharen von Touristen auf dem Gipfel und über den Berg verstreut wetteifern in bunten Farben mit den blühenden Alpenblumen. Von Ferne ertönt ein Alphorn, und die Glocken der Kühe stimmen mit ein. Welch eine Kulisse für die 5. Rigi-Musiktage, die am Freitagabend eröffnet, am Samstag mit zwei Konzerten an unterschiedlichen Orten fortgeführt wurden und gestern zu Ende gingen.

Dass man sowohl im festlichen Saal des Hotels Rigi Kulm erlesene Kammermusik hören kann, aber auch in der Felsenkapelle und der Bergkirche Rigi Kaltbad, macht den besonderen Reiz dieser Musiktage unter der künstlerischen Leitung von Diemut Poppen und der Intendanz von Roland Meier aus. So ist die «Virtuosität auf dem Gipfel» in der Matinee am Samstagvormittag genau am richtigen Ort: Der Festsaal im Hotel Rigi Kulm mit dem neuen Steinway-Flügel, den das Hotel angeschafft hat, bietet hervorragende Akustik in einem stilvollen Ambiente.

Den «Luzernersee» musikalisch erlebt

Dass die zehn Ländler von Hans Huber (1852-1921) «Vom Luzernersee» den glitzernden See mit auf den Berg brachten, passt gut. Das ungarisch-schweizerische Klavier-Duo Soós-Haag gestaltet diese kleinen Szenen mit Charme und Esprit, mal ruhig besinnlich, mal feurig zupackend. Und die Zuhörer im voll besetzten Saal erleben so den See für einmal musikalisch ausgemalt.

Die Ouvertüre zu Mendelssohns «Sommernachtstraum» in der Fassung für Klavier zu vier Händen des Komponisten wird vom Klavier-Duo feinfühlig interpretiert. Elfenhafte Leichtigkeit in den raschen Sechzehntel-Figuren, die in der Orchesterfassung von den Violinen gespielt werden, erdenhafte, wie Bläserakkorde klingende Einwürfe und ausdrucksvolle Melodiebögen prägen das vierhändige Spiel. Auch, wenn man die Orchesterfarben im Ohr hat, erschliessen sich hier die Einfälle Mendelssohns in ihrer ganzen Fülle. Die berühmten «Zigeunerweisen» für Violine und Klavier von Pablo Sarasate finden in Maria-Elisabeth Lott eine Interpretin, die sich mit blitzsauberer Intonation durch alle Schwierigkeiten dieser Weisen spielt, und dies voller musikalischer Ausdruckskraft. Von Ivo Haag aufmerksam begleitet, verzaubert Lott die Zuhörer mit ihrem selbst im Flageolett warmen Ton.

Die Matinee endet mit der Sinfonie Nr. 1 c-Moll von Mendelssohn, der einst in Briefen von der Rigi schwärmte. Es ist wieder eine Fassung vom Komponisten selbst und mit dem Presto aus dem Streichoktett als drittem Satz – auch von Mendelssohn so eingesetzt. Für Klavier vierhändig, Violine und Cello (souverän Benjamin Gregor-Smith) vereinen sich die Musiker hier zu spannenden Ausflügen in die Gefühlswelt des erst 15-jährigen Mendelssohn. Von melodischer Romantik bis in höchste Dramatik erklingt schon die Meisterschaft des Komponisten, und in der kammermusikalischen Fassung kommt die an Bach angelehnte Fuge im vierten Satz mit eingewobenen Choralzeilen besonders klar heraus.

Wie schön, zwischen den Konzerten die Natur am Berg und die sich immer wieder ändernden Ausblicke zu geniessen, zu wandern oder zu ruhen, um dann am späten Nachmittag in der Felsenkapelle Rigi-Kaltbad das Orion String Trio im Konzert «Carte blanche» zu erleben.

Voller überraschender Klangfarben

So kann das Trio sein Programm frei gestalten, und setzt Beethoven statt Mendelssohn ans Ende. Im Allegro B-Dur D 471 von Schubert verzaubern Soyoung Yoon (Violine), Veit Hertenstein (Viola) und Benjamin Gregor-Smith die Besucher in der schlichten Kapelle mit ihrem perfekt aufeinander abgestimmten Spiel. Mit sichtbarer Freude lassen sie ihre differenzierten Klänge ineinanderfliessen und gaben jeder Nuance Ausdruck.

Adagio und Fuge F-Dur Nr. 3, in der Mozart die Fuge streng nach einer Fuge aus dem Wohltemperierten Klavier von Bach komponierte, und das Trio G-Dur op. 53 Nr. 1 von Haydn spielen sie ausgefeilt und voll überraschender Klangfarben. In Beethovens Trio G-Dur op. 9 Nr. 1 entfalten sie ihre enormen spielerischen und musikalischen Fähigkeiten zu wahren Höhenflügen, die hervorragend auf den Berg passen.

Fantastische Kontraste, orchestrale Fülle und lustvolles Auswendigmusizieren des Orion String Trios machen Beethovens Streich-Trio G-Dur op. 9 Nr. 1 zum krönenden Abschluss. Starkes, aber gezügeltes Temperament, transparente Strukturen auch im Fortissimo und rhythmische Präzision in jeder kleinsten Veränderung begeistern. Nach dem halsbrecherischen Tempo im Presto, wunderbarem Innehalten dazwischen und fulminantem Schluss gibt es Standing Ovations. Und ein Intermezzo von Kodaly in geradezu jazziger Version als mitreissende Zugabe.

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