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HOLLYWOOD: Triumphe und Tränen in der Traumfabrik

Bald heisst es wieder: «And the Oscar goes to...». Stark besetzt ist dieses Jahr die Hauptdarsteller-Kategorie. Auch ein Schweizer Film ist nominiert.
Ellar Coltrane in «Boyhood» (Bild: PD)

Ellar Coltrane in «Boyhood» (Bild: PD)

Der Oscar: Kein Filmpreis ist begehrter, um keinen gibt es mehr Brimborium. So wird es auch an der 87. Ausgabe der Verleihung sein, wenn erneut eine Unzahl geschniegelter Männer und adretter Frauen in Abendgarderobe über den roten Teppich schwebt. Haben die Stars dann mal im Dolby Theatre zu Los Angeles Platz genommen, kommt der grosse Auftritt des Neil Patrick Harris. Der Sprücheklopfer aus «How I Met Your Mother» führt zum ersten Mal durch die Gala, die am Ende strahlende Sieger und enttäuschte Verlierer zeigen wird. Wer wird welche Rolle spielen in dieser abermaligen Selbstzelebrierung Hollywoods, die Jahr für Jahr von neuem fasziniert?

Bester Film

Gewinnen sollte: «Boyhood»
Gewinnen wird wohl: «Birdman»

Spannung pur: Kopf an Kopf gehen die beiden B-Movies ins Oscar-­Rennen. Nach dem Golden-Globe-Gewinn schien Richard Linklaters Langzeit-Experiment «Boyhood» noch in der Favoriten-Position. Daraufhin erhielt jedoch «Birdman» die aussagekräftigen Honorierungen der Produzenten- und Autoren-Gilden. So scheint die schräge Tragikomödie um einen abgehalfterten Schauspieler leicht die Nase vorn zu haben. Eine gute Wahl wären beide Filme in einem Jahrgang, in dem von den acht nominierten Werken gerade einmal Eastwoods «American Sniper» ein grosses Budget aufweist. Quasi als Wiedergutmachung für allzu konventionelle Preisträger früherer Jahre und als Anerkennung von grossem Innovationsgeist sollte «Boyhood» ausgezeichnet werden.

Beste Regie

Gewinnen sollte: Wes Anderson («The Grand Budapest Hotel»)
Gewinnen wird wohl: Richard Linklater (»Boyhood»)

Hier befindet sich Linklater in der Pole-Position, wird «Boyhood» doch durchs Band als ausserordentlicher Regie-Effort angesehen. Erster Verfolger ist wiederum Alejandro González Iñárritu, der Regisseur von «Birdman». Dem genialen Mexikaner blieb bisher ein Oscar verwehrt – gleich wie Linklater und gleich wie dem Dandy des amerikanischen Films, Wes Anderson. Überraschenderweise wurde «The Grand Budapest Hotel» neunmal nominiert, wenngleich fast vornehmlich in den Nebenkategorien. Doch wäre dies der richtige Film dafür, den spleenigen Stilisten endlich mit einem «grossen» Oscar zu würdigen.

Bester Hauptdarsteller

Gewinnen sollte: Steve Carell («Foxcatcher»)
Gewinnen wird wohl: Eddie Redmayne («The Theory Of Every- thing»)

Was ist das bloss für ein Hauptdarsteller-Jahrgang, der es sich erlaubt, Parforceritte wie den von Jake Gyllenhaal («Nightcrawler») oder von David Oyelowo («Selma») zu ignorieren? Tatsächlich ist die Leistungsdichte in dieser Kategorie beispiellos. Tendenziell über die besten Chancen verfügen Michael Keaton («Birdman») und Eddie Redmayne als Stephen Hawking. Oder gewinnt doch Bradley Cooper? Schwer einzuschätzen, weil «American Sniper» so spät ins Oscar-Rennen ging, dass er alle vorgängigen Preisverleihungen versäumte. Von der Eindringlichkeit der dargestellten Figur müsste aber eigentlich Steve Carell gewinnen, der in «Foxcatcher» das Clowngesicht gegen die Fratze eines paranoiden Millionärs eintauschte.

Beste Hauptdarstellerin

Gewinnen sollte: Julianne Moore («Still Alice»)
Gewinnen wird wohl: Julianne Moore («Still Alice»)

Unantastbar räumte Julianne Moore bisher alles ab, was es abzuräumen gab. Das verwundert nicht: Ein Rollenschema wie das der alzheimerkranken Professorin in «Still Alice» kommt bei Jurys immer gut an – wenn man es adäquat umsetzt. Tatsächlich machte Moore aus einem lauen Film einen sehenswerten. Zusammengefasst mit ihrer grossartigen Leistung in «Maps To The Stars» hätte sie den Oscar mehr als verdient. Kommt dazu, dass Moore bereits viermal leer ausging. Wenn sie den Goldmann erhält – was so sicher scheint wie das Amen in der Kirche –, dann werden damit auch gleich 20 Jahre Karriere als verlässliche A-List-Schauspielerin ausgezeichnet.

Bester Nebendarsteller

Gewinnen sollte: Edward Norton («Birdman»)
Gewinnen wird wohl: J. K. Simmons («Whiplash»)

In anderen Jahren würde kein Weg an Edward Nortons impulsiver Darbietung in «Birdman» vorbeiführen. Doch dem aufgeplusterten Ego seiner Figur wird Paroli geboten – in der Person eines Musiklehrers, der seine Schüler durch sadistischen Drill an die Grenzen bringt. J. K. Simmons flucht und drangsaliert als dieser so leidenschaftlich, dass man vor Einschüchterung nicht genug tief in den Kinosessel einsinken kann. Für den famosen Indie-Streifen «Whiplash», in dem sich Simmons austobt, wäre es eine verdiente Anerkennung. Trotzdem: Nortons aussergewöhnliche Leistung zu übergehen, scheint unfair.

Beste Nebendarstellerin

Gewinnen sollte: Emma Stone («Birdman»)
Gewinnen wird wohl: Patricia Arquette («Boyhood»)

Schon seltsam, wie die Academy manchmal entscheidet. Laura Derns Kurzauftritt in «Wild» sieht sie als prämierungswürdig an – dabei wäre Rene Russo als quoten­geile TV-Frau in «Nightcrawler» die bessere Wahl gewesen. Aber was ist schon richtig und was falsch bei den Oscars? Folgerichtig wäre es, Patricia Arquette für ihre Rolle in «Boyhood» auszuzeichnen, dominierte sie doch die vorgängigen Filmpreise in diesem Jahr. Alles andere als falsch wäre aber ein Triumph von Emma Stone. Michael Keatons Leinwandtochter spielt sie äusserst nuanciert: bald brüchig, bald brüsk. Gewinnen wird sie wohl genauso wenig wie Meryl Streep, die für «Into The Woods» bereits zum 19. Mal für einen Oscar nominiert ist (drei hat sie bereits gewonnen).

Schweizer Kurzfilm nominiert

Während die Szene Prognosen abgibt, ob Kameramann Roger Deakins mit seiner 12. Nomination endlich einmal einen Oscar gewinnt, liegen die Schweizer Hoffnungen auf Talkhon Hamzavi. Die im Iran geborene Absolventin der Zürcher Hochschule der Künste geht mit dem Kurzfilm «Parvaneh» ins Rennen um den besten Kurzfilm. In «Parvaneh» trifft ein ­afghanischer Flüchtling auf eine Schweizerin; ihre ganz unterschiedlichen Probleme verbünden sie über die kulturellen Grenzen hinweg.

An den Studenten-Oscars 2013 konnte der Film bereits reüssieren. Durchaus möglich also, dass 24 Jahre nach Xavier Kollers «Reise der Hoffnung» endlich wieder ein Schweizer Werk die begehrte Goldstatue einheimst. Bei den fremdsprachigen Spielfilmen schaffte es «Der Kreis» indes nicht unter die letzten fünf Werke. Ein kleiner Trost bleibt: Selbst Xavier Dolans Meisterwerk «Mommy» wurde nicht berücksichtigt.

Urs Arnold/mm

Die Oscar-Verleihung live:

ORF 1 und Pro Sieben in der Nacht von SO, 22., auf MO, 23. Februar, ab 01.30 Uhr.

Steve Carell in «Foxcatcher» (Bild: PD)

Steve Carell in «Foxcatcher» (Bild: PD)

Wes Anderson, Regisseur von «The Grand Budapest Hotel» (Bild: PD)

Wes Anderson, Regisseur von «The Grand Budapest Hotel» (Bild: PD)

Julianne Moore in «Still Alice» (Bild: PD)

Julianne Moore in «Still Alice» (Bild: PD)

Emma Stone und Edward Norton in «Birdman» (Bild: PD)

Emma Stone und Edward Norton in «Birdman» (Bild: PD)

Parvaneh (Bild: PD)

Parvaneh (Bild: PD)

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