Kultur

Hollywoods Mr. Spassvogel: Chris Pratt verbreitet überall gute Laune

Einst lebte Chris Pratt aus einem Zelt, dann fand er sein Glück in Hollywood. Dort gilt er heute als der neue Tom Hanks. Wie es der US-Schauspieler versteht, mit seinem Humor den Menschen Freude zu bereiten.

Marlène von Arx
Drucken
Teilen
Immer für einen Spass zu haben: Chris Pratt (rechts) lässt sich von Regisseur James Gunn bei der Filmpremiere zu Faxen anstiften. Keystone

Immer für einen Spass zu haben: Chris Pratt (rechts) lässt sich von Regisseur James Gunn bei der Filmpremiere zu Faxen anstiften. Keystone

Chris Pratt war mal übergewichtig und völlig untrainiert. Vielleicht macht ihn das als Action-Star so nachhaltig sympathisch. Mit dem Blockbuster «Jurassic World», dessen zweiter Teil gerade gefilmt wird, und der Fortsetzung der Superhelden-Komödie «Guardians of the Galaxy» führt er zwei sehr erfolgreiche Kino-Serien an. Waschbrettbauch und bodenständiger Charme inklusive. «Aber ich habe nicht immer eine Ideal-Linie», versichert der 37-Jährige im Gespräch mit der «Schweiz am Wochenende». «Mein Leben richtet sich danach, wann ich ein Foto-Shooting für ‹Men’s Fitness Magazin› habe. Dann mach ich mich fit. Sonst gehe ich fischen, trinke Wein und esse Burgers. Ich bin dann auch bleich, weil mir niemand falsche Bräune anspritzt, und keiner zupft meine Brauen. So wie jetzt sehe ich nur aus, wenn ein ganzes Team an mir arbeitet.»

Humoristische Einlagen sind das Markenzeichen von Chris Pratt, der von Schauspielkollege Denzel Washington als «neuer Tom Hanks» bezeichnet wurde. Humor hat auch Pratts Marvel-Figur in «Guardians of the Galaxy» zum Hit gemacht: Als tollpatschiger Space-Cowboy Peter Quill schlendert er mit einem Walkman und dem 70er-Jahre-Mix-Tape seiner verstorbenen Mutter durchs Universum, als ihm plötzlich die Aufgabe zufällt, dasselbige zusammen mit einer Truppe von ausserirdischen Aussenseitern zu retten.

Aus Peter Quill wird Star-Lord, der flotte Hüter der Galaxie, der im zweiten Teil nun seinen intergalaktischen Vater trifft. Und aus Pratt wurde einer der grössten aktuellen Filmstars, mit dem nun Hollywood-Legenden arbeiten wollen: «Hätte man mir als Kind gesagt, dass ich einmal mit ‹Tango und Cash› zusammenarbeiten würde, hätte ich den Verstand verloren», so der twitter-freudige Schauspieler über seine Co-Stars Kurt Russell und Sylvester Stallone in «Guardians of the Galaxy Vol. 2». «Ich hatte keine Ahnung, was für ein toller Kerl Kurt Russell ist: Er ist Pilot, Jäger, Rennfahrer, er spielte professionell Baseball – alles Sachen, die ich super cool finde.»

Seine eigene Sport-Karriere begrub der im US-Staat Washington aufgewachsene Amerikaner früh. Ein böser Beinbruch verhinderte eine Laufbahn als Sportler, und so jobbte Chris Pratt nach der High School in einem Restaurant in Hawaii, wo er die Nächte in einem Zelt am Strand verbrachte. Bis er von der Schauspielerin Rae Dawn Chong entdeckt wurde: «Sie inszenierte gerade selber einen Film und lud mich zum Vorsprechen ein.

Ich bekam den Job, realisierte aber erst dann, dass der Film in Los Angeles gedreht würde. Nach L.A. zu fliegen, konnte ich mir gar nicht leisten, aber sie flogen mich hin, und in dem Moment spürte ich, dass sich mein Leben für immer verändern würde.» Und so kam es auch. Pratts Debüt in der Horror-Komödie «Cursed Part 3» kam zwar nie in die Kinos, aber er blieb in L.A., und schliesslich landete er einen Agenten und seine erste TV-Serien-Rolle in «Everwood».

Keine Schauspielausbildung

Die Karriere kam mit Rollen in Filmen wie «Wanted» mit Angelina Jolie und «Bride Wars» mit Anne Hathaway stetig voran. Auch privat lief alles rund: 2009 heiratet Pratt die Komödiantin Anna Faris («Mom», «Scary Movie»). Die beiden Käfersammler haben inzwischen einen vierjährigen Sohn. Die Sitcom «Parks and Recreation» war es schliesslich, die Chris Pratt zum endgültigen Durchbruch verhalf.

In eine Schauspielschule sei er nie gegangen, verrät Pratt: «Das Leben hat mich das Schauspielen gelehrt. Wir hatten nicht viel. Um mich über Wasser zu halten, habe ich den Leuten dieses und jenes vorgegaukelt. Ich bin eigentlich ein Hochstapler-Schauspieler.»

Seine Rolle als Filmstar und Vorbild nimmt er aber sehr ernst. «Chris ist nicht nur lustig, sondern auch ein toller Leader», bestätigt Jennifer Lawrence, Pratts Partnerin im Film «Passengers», auf Anfrage. «Wir hatten einen langen Dreh und die Stimmung der Crew war im Keller. Chris versammelte alle, bedankte sich für ihre harte Arbeit und hielt eine inspirierende Rede, die zweihundert Leute wieder motivierte.»

Schauspieler, findet Pratt, haben eine grosse Verantwortung. Nicht nur, was die Geschichten betrifft, die sie erzählen, sondern auch wie sie sich verhalten: «Wenn ich etwas von grossartigen Schauspielern gelernt habe, dann, dass ihre Einstellung ansteckend ist. Ich will nicht eine miese, sondern eine positive weitergeben.»

Fehler zu machen, sei aber auch okay. Das hat er als Vater des kleinen Jack gelernt: «Für mich ist ein guter Vater, der konsequent und präsent ist. Man muss nicht immer recht haben, aber man muss immer da sein.» Dieses Mantra scheint er auch als Star-Lord zu verfolgen: Dieser baut seine Kino-Präsenz nämlich weiter aus und tritt auch im nächsten «Avengers»-Film (2018) auf.

Guardians of the Galaxy Vol. II (USA 2017)
137 Min. Regie: James Gunn. Ab Donnerstag, 27. April, im Kino.