Reportage aus der Kunstwelt: Holzschnitte für einen Nachmittag

Künstler Joe Koller führte ein paar Stunden lang in die Welt von Holz- und Linoldruck. Eine Pause vom Wintergrau.

Susanne Holz
Hören
Drucken
Teilen
Joe Koller demonstriert an seiner Andruckpresse von 1962, was sich farblich so alles machen lässt.

Joe Koller demonstriert an seiner Andruckpresse von 1962, was sich farblich so alles machen lässt. 

Bilder: Bilder: Pius Amrein (Entlebuch, 4. Januar 2020)

«Ein Holz- oder ein Linoldruck ist ein Bild in Schritten», sagt Joe Koller. «Einen Holzschnitt zu drucken ist etwas ganz anderes, als ein Ölbild zu malen. Denn das Ergebnis kommt mit einem Mal.» Wie schnell das Ergebnis aus der Maschine kommt, das demonstriert einem der Künstler an einem Samstagnachmittag in seiner Druckwerkstatt im «Businesspark Aentlebuch».

Joe Koller druckte in den Achtzigern für Künstler wie Alois Lichtsteiner, Claude Sandoz oder Matthias Spescha, unter anderem in einem Atelier in Luzern. Nach vier Jahrzehnten Erfahrung in diesem Metier, kaufte er sich vor drei Jahren eine alte deutsche Andruckpresse, Baujahr 1962, gebaut von der Max Simmel Maschinenfabrik in Pforzheim. Nun möchte er selber kreativ werden: «Da ist diese Maschine ein grosser Vorteil.» Eigene Linoldrucke fertigt Joe Koller aber schon seit 40 Jahren an, Holzdrucke seit 2017.

Mit der Gummiwalze färbt Joe Koller die Sperrholzplatte ein.

Mit der Gummiwalze färbt Joe Koller die Sperrholzplatte ein.

Im November 2019 hatte Koller eine Ausstellung mit Holzschnitten im Businesspark: «Holzschnitte für ein ganzes Jahr», Thema: die vier Jahreszeiten. Kommenden Mai wird der 67-Jährige mit seiner Kunst im Rahmen des Projekts «Miststock» der «Künstlervereinigung ArtAentlebuch» zu sehen sein. Und was plant der am 30. Mai 1952 in Eschenbach geborene und heute in Malters wohnhafte frühere Kaufmann bis 2022? Eine grossformatige Serie mit Entlebucher Landschaften.

Joe Koller: «Büttenpapier ist ein Muss.»

Das verspricht spannend zu werden, so denkt man, gerade jetzt, während man Koller bei der Arbeit zusieht. Apropos Arbeit: Joe Koller hatte stets auch einen Brotjob. «Anders geht es nicht», sagt der Künstler und Druckgrafiker, der sein Geld nicht nur mit Auftragsgrafik verdiente, sondern auch mit Leitungsjobs im Informatikbereich. Und nun schreitet der Künstler zur Tat: in weissem Hemd, das farbig werden darf, und hoch konzentriert.

Er fixiert die Sperrholzplatte auf dem Druckstock, nimmt in aufeinanderfolgenden Schritten rote, gelbe und blaue Farbe mit dem Roller auf, lässt diesen über den Druckstock rollen, spannt Büttenpapier auf die Walze. «Büttenpapier ist ein Muss», sagt Koller, bevor er an der Kurbel der Maschine dreht und den Holzschnitt druckt.

Mit Transparentweiss wird die rote Farbe durchsichtiger.

Mit Transparentweiss wird die rote Farbe durchsichtiger.

Was wir nicht gesehen haben, ist natürlich, wie Koller zuvor sein Sujet in die mit Lindenholz beschichtete Sperrholzplatte geschnitten hat – mit Hilfe von Rundeisen und Geissfuss. Und ganz zu Beginn war da selbstverständlich eine Idee, die Joe Koller auf Transparentpapier zeichnete und auf die Holzplatte ­kopierte. Holz sei ein bisschen edler als Linol, meint der Künstler. «Holz ist gemasert und hat einen Widerstand – es ist eine neue Herausforderung für mich.» Koller ist zudem fasziniert von Farbkonzepten: detailliert erklärt er, wie er Transparentweiss einsetzt, um ein Rot durchsichtiger zu machen. Das Ergebnis an diesem Samstag ist farbenfroh und wild – aber Joe Koller hat auch alle Farben zur Demonstration eingesetzt. Und es ist ein Vorgeschmack auf das Projekt «Miststock» der Künstlervereinigung ArtAentlebuch, welcher der Künstler angehört.

Hinweis
Nächste Ausstellungen im Businesspark Aentlebuch, Bahnhofstrasse 42, Entlebuch: Galerie artecuba: Einzelausstellung «Sentidos» mit Alfredo Mendoza Bullain, 29.2. bis 21.3. Ausstellungsraum 6. OG: Gruppenausstellung «Miststock», 2. bis 17. 5. 2020.