HOMMAGE: Kirk Douglas – der unermüdliche Kämpfer wird 100

Er ist einer der letzten lebenden Hollywoodstars der Fünfzigerjahre. Kirk Douglas, der heute seinen 100. Geburtstag feiert, ist in jeder Rolle unverkennbar. Verwechseln kann man die Filme dennoch nicht.

Andreas Stock
Drucken
Teilen
Die Rolle als Gladiator Spartacus (1960) ist eine typische Rolle für Kirk Douglas. (Bild: Getty)

Die Rolle als Gladiator Spartacus (1960) ist eine typische Rolle für Kirk Douglas. (Bild: Getty)

Er ist ein Überlebenskünstler. In vielen seiner legendären Filmrollen, aber auch als Privatmensch. «Ich habe den Zweiten Weltkrieg und einen Helikopterabsturz überlebt und zwei neue Kniegelenke», hat Kirk Douglas einmal gesagt. Zudem überstand er 1996 einen Schlaganfall; mit einer Therapeutin musste er das Sprechen wieder lernen, was ihm immer noch etwas schwer fällt. Heute feiert der Schauspieler seinen 100. Geburtstag, er gehört neben Sophia Loren und Sidney Poitier zu den letzten lebenden Leinwandstars aus der goldenen Ära von Hollywood.

Nicht aufzugeben, immer weiter zu kämpfen, seine Ziele unerschütterlich zu verfolgen – das ist ein Charakterzug, den Kirk Douglas in über 80 Filmen wohl ebenso sehr von seinen Figuren mitgenommen hat, wie er ihnen diese Eigenschaft einverleibte. Denn schon früh musste das vierte von sieben Kindern einer Familie jüdisch-russischer Einwanderer lernen, sich zu behaupten. Drei Autobiografien (neben vier Romanen) hat Douglas über seine Karriere geschrieben; sie erzählen seinen Weg aus bitterster Armut zum Weltruhm, von der entbehrungsreichen Kindheit und Jugend als Issur Danielovich Demsky bis zum Kinostar Kirk Douglas. Es ist eine klassische Aufsteigergeschichte und ein Paradebeispiel für jenen «American Dream», der mit Selbstbewusstsein, harter Arbeit und etwas Glück den Weg aus der Gosse zu grossem Ruhm zu ermöglichen scheint.

Energischer Blick aus leuchtend blauen Augen

Douglas wusste schon früh, dass er Schauspieler werden wollte – Theaterschauspieler. Doch dann kamen kleine Filmauftritte und bald die Rolle als rücksichtslos-ehrgeiziger Boxer in «Champion» (1949). Eine Figur, die ihm nicht nur die erste von drei Oscar-Nominierungen einbrachte, sondern wegweisend für seine Karriere wurde. Hier definierte Kirk Douglas einen Charaktertyp, den er von nun an in vielen seiner Filme variierte. Einen Mann, der Anerkennung und Ruhm sucht, der sehr genau weiss, was er will, und alles dafür zu tun bereit ist. Kirk Douglas verkörperte diese Figuren mit einer Energie, Unerbittlichkeit und physischen Härte, die unvergleichlich war.

Wer Filmfotos betrachtet, sieht oft einen Mann, dessen leuchtend blaue Augen mit festem, energischem Blick eine Situation oder einen Menschen vor sich fixiert. Die Gesichtszüge sind angespannt, und natürlich ist da dieses markante Kinn mit dem Grübchen; vorgereckt lässt es keinen Zweifel daran, dass hier einer steht, der weiss, was er will. Ob nun als Odysseus, Wikinger, Detektiv oder Cowboy.

Eine Art Geheimnis verbirgt sich darin, dass Kirk Douglas in all den unterschiedlichen Filmrollen zwar stets unverkennbar Kirk Douglas bleibt – ganz egal, ob er in einem Western oder in einer der späteren Komödien mitspielt. Selbst als Maler Vincent Van Gogh in «Lust For Life», wofür er sich die Haare rot färben liess, ist das charakteristische, sehr körperliche Spiel von Douglas unübersehbar.

Der zärtliche Liebhaber ist nicht sein Genre

Dennoch, und darin liegt vielleicht das Geheimnis, wird man viele seiner Filmrollen kaum miteinander verwechseln. Zu eindrücklich verleiht er jeder Figur eine eigene individuelle Präsenz. Sei es als zynischer Journalist in «Reporter des Satans», wie der deutsche Verleihtitel des Dramas «Ace In The Hole» (1951) von Billy Wilder heisst, sei es als skrupelloser Hollywood-Produzent in «The Bad And The Beautiful» («Stadt der Illusionen», 1952) von Vincente Minelli oder als französischer Offizier, der sich für seine traumatisierten Soldaten engagiert, im Antikriegsfilm «Paths Of Glory» («Wege zum Ruhm», 1957) von Stanley Kubrick.

Mit Kubrick realisierte der damals zum Produzenten avancierte Schauspieler jenes Historienepos, für dessen Hauptrolle er am bekanntesten ist: «Spartacus». Die Figur des rebellischen Sklaven und Gladiators, der einen Aufstand anführt, ist eine prototypische Rolle und betonte die sehnige, zähe Körperlichkeit des Stars wie kaum eine seiner anderen Leinwandfiguren.

Der zärtliche, verständnisvolle Liebhaber oder nette Nachbar, das war nie das Genre von Kirk Douglas. Und wenn er doch mal seine weichen Seiten unter der rohen Schale zeigen sollte, wirkte das oft etwas ungelenk. In Interviews äusserte sich der Star öfters dazu, dass er sich eher von dunklen Charakteren und Bösewichten angezogen fühlte: «Tugend ist nicht fotogen. Was ist man als netter Kerl? Ein Nichts.»

«Spartacus» steht freilich für einen Star, der sich politisch interessiert und Stellung bezieht. Für «Spartacus» verpflichtete er Dalton Trumbo als Drehbuchautor, der in den 1950er-Jahren während der McCarthy-Ära auf der «Schwarzen Liste» stand und faktisch ein Berufsverbot hatte.

Zwei Filmstars organisieren die Party

Zwar übernahm er Rollen aus kommerziellen Gründen, er wirkte aber häufig auch aus Interesse an zeitkritischen Themen mit. Beispiele sind der Western «Posse», seine Regiearbeit über einen Marshall, der als US-Präsident kandidiert, oder das Holocaust-Drama «The Juggler» – der erste Hollywood-Film, der im Staat Israel gedreht wurde. Zuletzt äusserte er sich auf seinem Blog bei der «Huffington Post» vor den US-Präsidentschaftswahlen und bezog Position gegen Donald Trump. Kirk Douglas und seine Frau Anne engagierten sich für gemeinnützige Organisationen; sie sollen über die Jahre einen Grossteil ihres Vermögens für Spenden ausgegeben haben.

In der Öffentlichkeit zeigt sich Kirk Douglas kaum noch. Den Preis für sein Engagement für die jüdische Kultur hat Mitte November sein ältester Sohn Michael entgegengenommen. Doch der Schauspieler schreibe an einem neuen Buch. Laut Medienberichten feiert der für sein Alter immer noch recht vitale Kirk Douglas seinen Hundertsten heute mit gut 200 Freunden und Bekannten. Die Party haben zwei andere Filmstars organisiert: Sohn Michael Douglas (auch schon 72 Jahre alt) und dessen Frau Catherine Zeta-Jones.

Andreas Stock
kultur@luzernerzeitung.ch