Hornquartett Classic Four in Luzern: Mit Echo aus den Wänden

Vier hervorragende Hornisten stillten in Luzern das Bedürfnis nach Livemusik an drei Konzerten – temperamentvoll und berührend.

Gerda Neunhoeffer
Drucken
Teilen
Das Hornquartett Classi Four

Das Hornquartett Classi Four

Bild: PD

Es war eine Premiere. Das Hornquartett Classic Four spielt zwar schon seit fünf Jahren zusammen und ist oft aufgetreten. Aber noch nie gab es ein ganzes Konzert. Ein solches fand nun am Samstagabend im Pfarreisaal St. Leodegar statt und wurde gestern zweimal wiederholt.

Erst vor einigen Wochen entstand die Idee, in dieser Zeit der Einschränkungen unter dem Motto «Ein bisschen Kultur muss sein» das Konzert zu geben. Die vier jungen Hornisten haben alle unter anderem bei Lukas Christinat studiert – ideale Bedingung für das Zusammenspiel. Das Konzert kam sehr gut an, und daher wird es in absehbarer Zeit wohl ein neues Programm geben.

Man wartet auf die verspäteten Besucher

Mit den gebotenen Abständen stehen die Stühle im Saal, nacheinander kommen die Besucher. Der Konzertbeginn verzögert sich, weil ein Zug Verspätung hat und Stau auf der Autobahn war. Man wartet auf die verspäteten Besucher. Das unterstreicht den familiären Charakter dieses Konzertes. Die Pausen zwischen den Musikstücken füllt Louis Schibli, Hochschule Luzern, mit persönlichen Worten. Er sagt, für ihn seien die Pausen eigentlich die Konzerte, Pausen, in denen er die Gedanken baumeln lassen kann. Das wünscht er auch den Zuhörern.

Diese kommen in den Genuss exzellent gespielter Musik.«The Battle of Stirling Bridge» von James Horner malt die Schlacht der schottischen Unabhängigkeitskriege ebenso aus wie Gebet und Dank. Die vier Hornisten lassen das Kampfgetümmel schmetternd erklingen; der Choral am Ende ist sanft ergreifend. In «Swedish Folksongs» von Nils M. Fredin wechseln virtuos tänzerische Weisen mit musikalisch weit ausgebreiteter Landschaft. Zwischen zweitem und drittem Satz scheint sich dann noch der Raum einzumischen: Irgendwoher aus den Wänden erklingt es wie ein Echo, die Musiker schauen erstaunt, und dann lachen sie zusammen mit dem Publikum herzhaft. Kleine Panne beim Aufnehmen der Musik?

Sich hineinträumen in «Hänsel und Gretel»

Schnell fangen sich die Hornisten wieder und spielen konzentriert weiter. Immer wieder tauschen Elia Bolliger, Pirmin Müller, Gabriel Sieber und Remo Leitl die Plätze. Sie können alle auf ihrem Horn mit vier Oktaven Umfang in jeder Tonlage spielen. Das zeigt zusätzlich, wie flexibel die vier sind.

Wenn der «Abendsegen» aus Engelbert Humperdincks Oper «Hänsel und Gretel» so weich und innig gespielt wird wie von diesem Hornquartett, kann man sich in das Märchen hineinträumen. Und da die Oper oft vor Weihnachten gespielt wird – sofern Oper möglich ist – passt es gut zum Vorabend des ersten Advents. Welch ein Kontrast dann aber «How To Train Your Dragon» im Arrangement von Pascal Deuber. Rhythmisch präzise, dennoch mit viel Gefühl spüren die vier Hornisten dem Filmgeschehen nach. Abenteuerlust pur ist zu hören.

ach Sätzen aus einer Komposition für Hornquartett von Nikolai Tcherepnin, die mit Temperament, jazzigen Elementen und, wie alles an dem Abend, mit lupenreiner Intonation gespielt werden, kommt nochmals Opernstimmung auf: dank des Gebets und des Jägerchors aus Webers «Freischütz». Bei der Zugabe fühlt man sich wie im Neujahrskonzert: Zum berühmten Radetzki-Marsch klatschen natürlich alle mit.