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Die Thunerseespiele zeigen ABBA auf Berndeutsch

Das Kultmusical «Mama Mia» überzeugt bei den Thunerseespielen auch auf Schweizerdeutsch. Ganz jeden Begriff konnte und wollte der Ostschweizer Roman Riklin aber nicht in Mundart übertragen.
Maria Keller
Disco-Feeling aus den 1970er-Jahren auf dem Thunersee. (Bilder: PD)

Disco-Feeling aus den 1970er-Jahren auf dem Thunersee. (Bilder: PD)

«I ha ne Troum. E Troum us Tön.» Auf einer der drei nachgebauten Inseln auf dem Thunersee steht die 20-jährige Sophie. Ihre grosse Liebe ist Sky. Sophies Traum: endlich ihren Vater kennen zu lernen und von ihm an ihrer Hochzeit zum Altar geführt zu werden. Der weitere Verlauf der Geschichte des Kultmusicals «Mamma Mia» ist uns allen bekannt. Am Ende steht Sophie erneut auf dem Balkon ihres Hauses und singt «I ha ne Troum». Ihr Traum ist ein anderer geworden.

Die Handlung mag uns bekannt sein, doch «Mamma Mia» auf Berndeutsch haben wir noch nie zu Ohren bekommen.

An der Premiere der Thunerseespiele am Mittwochabend wurden die ABBA-Hits zum ersten Mal in ihrer Geschichte auf Mundart gesungen. Das Publikum muss sich erst daran gewöhnen, anstatt «Thank You For The Music» nun «Danke für die Lieder» zu hören. Doch spätestens als der erste Gag fällt und die Energie der Darsteller überschwappt, ist klar: ABBA auf Schweizerdeutsch, das funktioniert!

Mamma Mia wird nicht zu Myni Mueter

Übersetzt wurden die Liedtexte vom St. Galler Roman Riklin. Für die Übersetzung der Dialoge ins Berndeutsche war der Zürcher Theatermacher Dominik Flaschka verantwortlich. «Die Charaktere und ihre Geschichten sind uns viel näher, wenn sie unsere Sprache sprechen», sagt Flaschka. Die Übersetzung der Lieder sei eine Herausforderung gewesen.

Laut Produzent Markus Dinhobl seien manche Textstellen bis zu vier Mal zwischen Thun und London hin und her geschickt worden, bis sie in der englischen Hauptstadt akzeptiert wurden.

Für Riklin als Ostschweizer sei das korrekte Berndeutsch besonders schwierig gewesen. Dafür holte er sich die Hilfe von Ben Vatter. Das Ergebnis spricht für sich: Fast denkt man, es müsse so sein. Das Berndeutsch scheint perfekt mit den Liedern zu harmonieren, der trockene Humor des Schweizer Dialekts passt zum Stück. Weltbekannte Schlüsselbegriffe wie «Dancing Queen» oder «Mamma Mia» wurden nicht übersetzt. «Das mittlerweile viel zitierte «Myni Mueter» will und soll nun wirklich niemand gesungen hören müssen», sagt Vatter.

Prominente Gäste in den Festzelten

Bereits zwei Stunden vor der Aufführung herrscht hinter der Bühne der Ausnahmezustand. Die Nerven sind angespannt. Hier rennt ein Schauspieler um die Ecke, dort werden die letzten Requisiten an ihren rechtsmässigen Platz getragen. Auf einer Kommode im Gang sammeln sich die Glücksbringer von Verwandten und Bekannten. «Toi, toi, toi vom Tokyo Ballett» steht da auf einer Packung Schokolade.

5 Bilder

Bildergalerie: Die Thunerseespiele zeigen ABBA auf Berndeutsch

Im Zuschauerbereich vertreiben sich die Gäste die Zeit in den Dutzenden Festzelten. Sie essen griechische Hackfleischbällchen, ­hören griechische Musik und beobachten die Prominenz, die über den roten Teppich spaziert. Alt Bundesrat Adolf Ogi ist da, Schauspielerin Heidi Maria Glössner, Musiker Pepe Lienhard. Auch die griechische Botschafterin will nicht auf das Spektakel verzichten. Schliesslich spielt das Musical in Griechenland. Das Fernsehteam ist bereits zur Stelle und hält den Ankömmlingen das Mikrofon vors Gesicht.

Sprung ins kalte Wasser – aber mit Neoprenanzügen

2800 Plätze bietet die riesige Tribüne, leere Stühle sind auf den ersten Blick nicht sichtbar. Über zwei Stunden dauert das Spektakel, und diese vergehen wie im Flug. Man weiss nicht wo hinschauen, wenn auf der einen Bühne die Junggesellen in Neoprenanzügen ins eiskalte Wasser springen, auf der anderen «Donna And The Dynamos» mit ihrem jugendlichen Elan überzeugen. Die Hauptbühne dreht sich, die Kostüme ändern sich, die Lieder wechseln von schnell zu langsam, von euphorisch zu melancholisch.

Die mitreissenden Hits von ABBA wecken auch auf Berndeutsch bei vielen Jugenderinnerungen.

Ohne Durststrecke geht es von «Gimer, Gimer, Gimer» über «Weis dy Muetter das?» zu «I wott, i wott, i wott». Der Gesang ist makellos, die Akustik perfekt, die Kulisse mit Eiger, Mönch und Jungfrau im Hintergrund atemberaubend. Die Begeisterung des Publikums zeigt sich in dem enthusiastischen Beifall am Ende der Darbietung. Die Rührung und Erleichterung ist in den Augen der Darsteller sichtbar.

Thunerseespiele vom 11. Juli bis 25. August

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