Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Kulturpreis für Rochus Lussi: «Ich erzähle in einer Geheimsprache weitere Geschichten»

Der Nidwaldner Künstler und Kulturvermittler Rochus Lussi erhielt an einer Feier in Stans den Innerschweizer Kulturpreis.
Romano Cuonz
Vor seinem hintergründig bedrohliche Werk «Hörner» erhält Rochus Lussi (links) vom Nidwaldner Bildungsdirektor Res Schmid den Innerschweizer Kulturpreis. (Bilder: Romano Cuonz, 14. September 2019)

Vor seinem hintergründig bedrohliche Werk «Hörner» erhält Rochus Lussi (links) vom Nidwaldner Bildungsdirektor Res Schmid den Innerschweizer Kulturpreis. (Bilder: Romano Cuonz, 14. September 2019)

Nach einer eindrücklichen Feier und langen, herzlichen stehenden Ovationen im Nidwaldner Museum richtet am Samstag auch der frischgebackene Innerschweizer Kulturpreisträger 2019, Rochus Lussi, Worte ans Publikum. Für einige Augenblicke lässt der 54-jährige Stanser im Saal aufhorchen, als er betont, was jeweils zahlreiche Besucherinnen und Besucher seiner Ausstellungen zu ihm sagen würden: «Bi diär weiss mä wenigschtens nu, was äs isch!»

Bezeichnend aber ist die Antwort, die Lussi, wie er sagt, darauf zu geben pflegt: «Da habt ihr aber nur knapp die Hälfte der Arbeit gesehen!» Und er weist auf die Wand hinter sich. Daraus ragen Dutzende Hörner hervor. Dazu bemerkt der Künstler: «Gerade diese Installation verdeutlicht, wie ich die Gegenständlichkeit benütze, um in Geheimsprache weitere Geschichten zu erzählen.» Da fällt es einem wie Schuppen von den Augen: Der Bildhauer stellt das Ästhetische in Frage, seine Arbeit wird makaber und bedrohlich, wirft unverhohlen die Frage zu Täter und Opfer auf!

Er führt selber aus, meist mit der Motorsäge

Auch Nidwaldens Kulturdirektor Res Schmid kommt in seiner Rede zur Preisübergabe auf die Bildsprache von Rochus Lussi zu sprechen. «Was mir ganz persönlich besonders an seinen Arbeiten gefällt, ist, dass man nicht Kunstexperte sein muss, um sie anzuschauen, um sich über sie zu freuen oder um sich vielleicht verunsichern zu lassen, kurz um sie zu verstehen.»

Der neue Innersschweizer Kulturpreisträger Rochus Lussi freut sich mit seiner Frau Luzia über die Anerkennung für sein Schaffen.

Der neue Innersschweizer Kulturpreisträger Rochus Lussi freut sich mit seiner Frau Luzia über die Anerkennung für sein Schaffen.

Schmid betont dann auch, was von Beginn an eine Qualität in Rochus Lussis Arbeit war und geblieben ist: «Er ist Künstler, konzeptueller Planer und er führt die meisten Arbeiten auch selber aus – meist mit Motorsäge und Trennscheibe.» In der Urkunde, die Res Schmid übergibt, steht: «Der Innerschweizer Kulturpreis 2019 würdigt einen anerkannten Künstler, der sein bildhauerisches Werk seit Jahren konsequent vorantreibt. Er engagiert sich aber auch verschiedentlich für Kunst und Kultur in der Zentralschweiz.»

Laudatorin Janine Schmutz, aufgewachsen in Nidwalden und heute leitende Kunstvermittlerin bei der Fondation Beyeler, zeigt den Gästen eines jener mehr als 100 hölzernen Kokons, die Rochus Lussi 2012 für die Ausstellung «Dünne Haut» im Winkelriedhaus geschaffen hat: «Die Szene war durchaus ambivalent, und schnell wurde offensichtlich, wie schmal doch der Grat zwischen ästhetischem Empfinden und Schaudern in Rochus Lussis künstlerischen Arbeiten ist.» Über das Motiv Haut in verschiedensten Facetten, so Janine Schmutz, rege Lussi Fragen zum Körper, aber auch zu unserer Existenz an. Als ein Beispiel nennt sie wiederum den Kokon: Darin würde die Raupe umschlossen und geschützt von einer Art Schale, die nach der Entpuppung ihre Funktion verliere und nutzlos zurückbleibe.

«Er formt mit Holz, was ihn innerlich bewegt»

Einzigartig sei bei Rochus Lussi die Umsetzung, sagt Schmutz: «Holz ist sein Material, seit er 16 Jahre alt ist, daraus formt er sich alles, was ihn innerlich bewegt.» Für das Ausformen in Holz habe Lussi nicht nur unendliche Leidenschaft und den nötigen Biss, sondern als gelernter Schreiner mit Bildhauerausbildung in Brienz auch das Können. Dabei sei sich der Künstler einer gewissen Absurdität auch der erzeugten Illusion durchaus bewusst: Wenn er zum Beispiel weiche Objekte wie ein Kopfkissen oder einen Abfallsack in Holz forme.

Schmutz spricht auch über Lussis Erfolge bei «Kunst am Bau»-Wettbewerbe», etwa in der Höheren Fachschule Gesundheit Zentralschweiz in Luzern. Auch seine Arbeit als Kurator und Vermittler – so zum 90. Geburtstag seiner langjährigen Künstlerfreundin Gertrud Guyer Wyrsch – findet Anerkennung.

Rochus Lussi mit der Performance "Tomorrow"auf dem Dach des Nidwaldner Museums.

Rochus Lussi mit der Performance "Tomorrow"auf dem Dach des Nidwaldner Museums.

Dass sich Lussi beim Publikum hoch auf dem Dach des Pavillons mit seiner Performance «Tomorrow» bedankte, ist bezeichnend für sein neues Engagement für Performance-Künstler. Wie richtig der Entscheid, den Preis gerade diesem Künstler zu geben, ist, brachte Janine Schmutz so auf den Punkt: «Rochus Lussi ist ein Positivdenker mit Durchblick, positiver Herangehensweise, Ausdauer sowie einer bewundernswerten Hilfsbereitschaft, die immer und überall dafür sorgt, dass er sofort gerne mit einbezogen wird.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.