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Marius Bear: «Ich habe mich geschämt zu singen»

Der Appenzeller Marius Bear wollte gar nie Musiker werden. Nun ist er es doch. Mit «Sanity» bringt der in London lebende Künstler sein erstes Minialbum auf Englisch heraus. Eigentlich ist es aber bereits sein zweites.
Philipp Bürkler
Marius Bear, gebürtiger Appenzeller, in London: «Irgendwann singe ich sicher wieder in Mundart.» (Bild: Rob Lewis)

Marius Bear, gebürtiger Appenzeller, in London: «Irgendwann singe ich sicher wieder in Mundart.» (Bild: Rob Lewis)

Marius Bear hat eine unverkennbare Stimme: tief, kratzig und rau. Während ältere, gestandene Sänger ein solches Timbre mit jahrelangem Whisky- und Zigarettenkonsum erarbeiten, ist Bear das tiefe Stimmorgan angeboren. Schuld ist also weniger der Whisky, sondern eher ein Kollege im Militär. Der hat ihm in der Rekrutenschule geraten, mit einer solchen Stimme solle er doch singen. «Als Wachtmeister musste ich ständig herumschreien und herumkommandieren, weshalb ihm meine raue Stimme auffiel.» Trotz der Aufforderung zu singen, hat sich Bear zu Beginn schwer damit getan, vor Leute hinzustehen und loszusingen.

Singen vor Publikum braucht Mut und Überwindung, vor allem als Newcomer und unbeschriebenes Blatt. Und, wo soll er überhaupt auftreten? Etwa in Appenzell, seinem Heimatort? Nein, bloss nicht, sagt Bear. «Ich habe mich geschämt, vor Leuten zu singen, die mich kennen.» Wenn man in Appenzell aufwachse und bis 20 noch nie gesungen habe, wirke es komisch, wenn man auf einmal damit beginne.

«Ich dachte, ich muss so weit weg wie möglich, wo mich niemand kennt.»

Fribourg sollte der ideale Ort für den Abbau von Hemmungen sein, obwohl Bear anfänglich nur instrumentelle Stücke mit seiner Gitarre spielte. Für die Überwindung seiner Blockade half ihm dann allerdings doch der Whisky. «In einer Fribourger Bar habe ich nach einer halben Stunde Gitarrenspiel einen doppelten Whisky getrunken und angefangen zu singen.»

Auf das Hoch in New York City folgte das tiefe Loch

Acht Monate war Bear als Strassenmusiker aktiv und veröffentlichte 2016 erste Songs mit berndeutschen Texten, dem Dialekt seines Vaters. Kurze Zeit später begeisterte Bear das Publikum am Festival Zermatt Unplugged mit englischsprachigen Songs. «Dann wollte ich ins Ausland und ging nach New York.» Im Big Apple lernte er den Zürcher Schlagzeuger Jojo Mayer kennen. Dieser ermöglichte Bear, den Soundtrack zum Film «Lunar Tribute» des Berner Regisseurs Rob Lewis aufzunehmen. New York schien Bear der richtige Ort, auch gleich sein erstes Minialbum mit englischen Texten aufzunehmen.

«Ich investierte 12'000 Franken in die Aufnahmen.»

Veröffentlicht hat er sie jedoch bis heute nicht. «Es war zwar alles sauber eingespielt, aber der Musik fehlte die Seele.» Wie kann das sein? Schliesslich waren es ja seine Songs. «Mein Produzent in Brooklyn konnte meine Visionen und Ideen nicht nach meinen Wünschen umsetzen.» Auf diese negative Erfahrung folgte ein tiefes emotionales Loch. Das bedeutete gleichzeitig einen Wendepunkt. Von nun an wollte Bear, der seinen Sound als Raw-Pop beschreibt, alles selber kontrollieren, nicht nur die Musik, auch die Produktion. Im Mai 2017 wechselte der Appenzeller deshalb erneut seinen Standort: London sollte es sein, wo Bear heute lebt und an der BIMM, der British and Irish Modern Music School, Musikproduktion studiert.

«Mein Produzent in Brooklyn konnte meine Visionen und Ideen nicht nach meinen Wünschen umsetzen.» Auf diese negative Erfahrung folgte ein tiefes emotionales Loch. Das bedeutete gleichzeitig einen Wendepunkt. Von nun an wollte Bear, der seinen Sound als Raw-Pop beschreibt, alles selber kontrollieren, nicht nur die Musik, auch die Produktion. Im Mai 2017 wechselte der Appenzeller deshalb erneut seinen Standort: London sollte es sein, wo Bear heute lebt und an der BIMM, der British and Irish Modern Music School, Musikproduktion studiert.

Das Ergebnis ist seit dieser Woche zu hören. «Sanity» heisst sein neues Minialbum, das Bear in Holland mit dem Produzenten Reyn Ouwehan aufgenommen hat. Mit «Sanity», also Vernunft oder Verstand, spricht Bear die Engländer an, die sich jeweils – weil die Pubs früh schliessen – bis Mitternacht bis ans Limit betrinken.

«Schweizer haben hier einen gesünderen Menschenverstand.»

Bears richtiger Name war Marius Hügli, bevor er sich in Marius Bär umbenannte. Aber Bär mit Umlaut verstehen die Engländer nicht. Deshalb nennt er sich Bear, englisch für Bär. «Den Künstlernamen gaben mir andere, aber er passt zu mir, ich bin manchmal ruhig, manchmal laut, ausserdem bin ich so breit gebaut wie ein Bär.»

Marius Bear: Album «Sanity», www.mariusbear.com

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