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Komponist von "Game of Thrones": "Ich kann mich richtig austoben"

Der deutsch-iranische Filmkomponist Ramin Djawadi führt seine Musik zur epischen Fantasyserie «Game Of Thrones» erstmals in der Schweiz als multimediales Spektakel mit Live-Orchester auf.
Interview: Reinhold Hönle
Live-Orchester, Pyrotechnik und spektakuläre Filmszenen aus "Game of Thrones" erwarten das Publikum im Hallenstadion Zürich. (Bild: Juan Carlos Hidalgo/EPA)

Live-Orchester, Pyrotechnik und spektakuläre Filmszenen aus "Game of Thrones" erwarten das Publikum im Hallenstadion Zürich. (Bild: Juan Carlos Hidalgo/EPA)

Ramin Djawadi, was fasziniert Sie an der schon sieben Staffeln langen, enorm erfolgreichen US-Serie «Game Of Thrones»?

Die opulente Ausstattung ist zwar mittelalterlich, aber die Handlung ist zeitlos. Die Gier nach Macht ist heute noch genauso verbreitet wie damals. Bei der Untermalung der Kämpfe und Intrigen kann man sich als Komponist so richtig austoben, ins­besondere, da es sehr viele ver­schiedene Charaktere gibt und die Clans aus unterschiedlichen Regionen stammen.

Wie gingen Sie vor?

Den Schöpfern und Produzenten der Serie war es wichtig, dass ich den Soundtrack nicht mit mittelalterlichen Instrumenten und im damaligen Musikstil komponiere, sondern moderne Instrumente mit ethnischen und orchestralen Klängen kombiniere.

Was macht gute Filmmusik aus?

Sie muss die Dramatik untermalen und sich dem Dialog unterordnen, damit man ihn versteht, aber sie muss auch in der Lage sein, für sich allein zu stehen. Im Idealfall tauchen dann beim Hören der CD die wichtigen Szenen wieder vor dem inneren Auge auf.

Ich komponierte ein Musikthema, das mit Daenerys wachsen und bombastisch werden konnte.

Welche Rolle spielen Inspiration und Handwerk?

Die Inspiration muss immer vorhanden sein. Man kann nie sagen, heute habe ich keinen Bock oder es fällt mir gerade nichts ein. Bis auf die letzte Staffel hatten alle zehn Folgen – da steht man permanent unter hohem Zeitdruck. Wenn man seine Kompositionen mit Hilfe von Computer in gute Demos umsetzen will, die später durch Orchesteraufnahmen ersetzt werden, ist es enorm wichtig, dass man sein Handwerk beherrscht.

Ordnen Sie den Hauptfiguren ein bestimmtes Motiv zu, das Sie dann immer wieder variieren?

Ja, deshalb muss ich wissen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt und welche Figuren in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Nach den ersten Folgen hätte man ja nicht erwartet, dass Daenerys Targaryen einmal so mächtig würde, wie sie heute ist – ausser, man hat George R. R. Martins «A Song Of Ice And Fire» gelesen. Weil ich die Entwicklung kannte, komponierte ich ein Thema, das mit Daenerys wachsen und später bombastisch und stark werden konnte.

Von Duisburg nach Hollywood: der 43-jährige Filmkomponist Ramin Djawadi am Dirigentenpult. (Bild: Bret Hartmann/Evert Collechtion)

Von Duisburg nach Hollywood: der 43-jährige Filmkomponist Ramin Djawadi am Dirigentenpult. (Bild: Bret Hartmann/Evert Collechtion)

Ihnen ist auch ein imposanter Aufstieg gelungen. Wie bringt es ein Deutsch-Iraner aus Duisburg zum Hollywood-Komponisten?

Das war schon immer mein Traum! Ich habe schon als Jugendlicher vornehmlich instrumentale Musik geschrieben. Als ich dann mit 13 Jahren den Film «Die glorreichen Sieben» sah und Elmer Bernsteins Soundtrack dazu hörte, beschloss ich, nach der Schule nach Amerika zu ziehen. Ich habe in Boston Musik studiert und bekam nach dem College dank der Verbindungen eines alten Freundes in Los Angeles einen Job in der Firma von Oscar-Gewinner Hans Zimmer. Da konnte ich mein Handwerk von der Pike auf lernen.

Ich bin nicht der Typ, der im Mittelpunkt stehen muss. Trotzdem vermisse ich die Verbindung mit dem Publikum manchmal.

Wie haben Sie das gemacht?

Ich habe Tag und Nacht gearbeitet – was ich noch heute mache –, und jeder Tag war ein Montag, da es für mich kein Wochenende gab. Ich half, wo ich konnte, und lernte sogar, die technischen Geräte zu reparieren. So durfte ich immer mehr machen und bin ausgestiegen, als die Zeit reif war, mich selbstständig zu machen. Wir sind trotzdem immer noch befreundet. Er war für mich schon seit «Fluch der Karibik» ein grosser Mentor.

Es gibt immer mehr Filmkomponisten, die ihre berühmtesten Soundtracks live auf die Bühne bringen. Was reizt Sie persönlich an den Auftritten mit Orchester?

Ich lebe mit meiner Frau und unseren zwei Kindern eher zurückgezogen und fühle mich in meinen vier Studiowänden ohne Fenster eigentlich sehr wohl! (lacht) Ich bin nicht der Typ, der im Mittelpunkt stehen muss. Da ich früher Gitarrist in verschiedenen Bands war, vermisse ich die Verbindung mit dem Publikum trotzdem manchmal. So freue ich mich, bei «Game Of Thrones» wieder mal ein sehr direktes Feedback zu bekommen.

Was ist von der «Live Concert Experience» im Hallen­stadion zu erwarten?

Ich möchte den «Game Of Thrones»-Fans nicht «nur» ein Orchester bieten, sondern etwas, das mit einem modernen Rockkonzert vergleichbar ist, mit ­Pyrotechnik und einem von zwei steinernen Türmen flankierten LED-Bildschirm, auf dem spektakuläre Filmszenen gezeigt werden.

«Game Of Thrones Live Concert Experience», 5. Juni, Zürich Hallenstadion.

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