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Eröffnungsgala des Lucerne Festivals: «Ich lebte in einem Land der Kinder»

Mit dem Thema «Kindheit» hat das Lucerne Festival erneut ein Begriffsdach, unter dem alles Platz hat. Hört man sich an der Eröffnungsfeier vom Freitag jedoch bei den geladenen Gästen um, so erstaunt doch, wie gegensätzlich solch junge Jahre sein können.
Roman Kühne
Gute Laune zur Eröffnung des Festivals : KKL-Mitbegründer Thomas Held, Rosie Bitterli (Kulturchefin der Stadt Luzern) und alt Stadtpräsident Franz Kurzmeyer (von links). (Bild: Jakob Ineichen, (Luzern, 17. August 2018))

Gute Laune zur Eröffnung des Festivals : KKL-Mitbegründer Thomas Held, Rosie Bitterli (Kulturchefin der Stadt Luzern) und alt Stadtpräsident Franz Kurzmeyer (von links). (Bild: Jakob Ineichen, (Luzern, 17. August 2018))

Diesmal beginnt die Gala des Lucerne Festivals schon im Freien. Ein roter Teppich führt die Geladenen unter dem geschwungenen Dach in den Luzernersaal. Kronleuchter erhellen dort das schwarze Eck, ein Garten aus Gerbera und kleinen Bäumen sorgt für Parkgefühl. Kindliches ist – dem Festivalthema zum Trotz – wenig zu entdecken. Das solitäre Schaukelpferd direkt beim Eingang erzeugt auch nicht wirkliche Spielplatzatmosphäre.

Umso mehr können die Gäste von ihrer Kindheit schwärmen. Für die spanische Botschafterin Aurora Díaz-Rato war die Kindheit erfüllt von Musik. «Die Menschen in Spanien kamen zusammen und sangen», erzählt sie begeistert. «In der Schule, aber auch während religiöser Feste und Familienfeiern wurden oft Lieder angestimmt. Man ass und sang. In den Tavernen kamen immer wieder Musiker vorbei, boten ein paar Stücke dar, und die Leute tanzten.»

Selber machte sie auch Musik. «In meinem Haus wurde Gitarre gespielt, Flamenco und anderes.» Im Vergleich zu heute fällt ihr vor allem auf, dass es damals viel mehr Kinder gab. «Ich hatte sechs Geschwister, und dies war völlig normal. Nach dem Krieg, ab Mitte der 1950er-Jahre, gab es einen regelrechten Babyboom. Ich lebte in einem Land der Kinder. Dies ist heute anders, da es – auch in Spanien – immer mehr alte Menschen gibt.»

Die Kleider selber genäht

Im Gegensatz zur Botschafterin, die das sorglose Leben einer Funktionärstochter führte, musste die Familie von Franziska Bitzi, heute passenderweise die Finanzdirektorin der Stadt Luzern, eher aufs Geld achten: «Neue Schuhe gab es zu Weihnachten, und meine Mutter hat die Kleider oft selber genäht, aus dem gleichen Stoff für mich und für meinen Bruder. Der fand das natürlich überhaupt nicht sexy.»

Die Luzerner Stadträtin und Finanzdirektorin Franziska Bitzi erlebte schon in ihrer Kindheit, was Sparen bedeutet. (Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 17.08.2018)).

Die Luzerner Stadträtin und Finanzdirektorin Franziska Bitzi erlebte schon in ihrer Kindheit, was Sparen bedeutet. (Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 17.08.2018)).

Dennoch hat sie gute Erinnerungen an ihre Kindheit. «Wir sind viel gewandert, haben Steinmännchen gebaut oder sind auf die alte Ruine geklettert. Ganz prägend waren für mich die Geburten meiner beiden Geschwister. Schoppen geben, wickeln, zusammen spielen – daran erinnere ich mich mit grosser Freude.» Bis sie 16 Jahre alt war, habe ihre Familie keinen Fernseher gehabt. «Ich habe deshalb sehr viel gelesen, vor allem von Federica de Cesco.» Was die in Luzern lebende Autorin sicher gerne hört. Doch eine Kindheit ohne Fernseher? Wäre dies heute überhaupt noch möglich? «Ich könnte heute nicht mehr darauf verzichten», lacht Franziska Bitzi. «Die Anforderungen an die Kinder von heute sind aber auch riesig. Einerseits ist es materiell wohl einfacher geworden. Andererseits ändert sich momentan alle paar Jahre die Art des Kommunizierens komplett. Zuerst E-Mail, dann Facebook, Whatsapp, Snappchat. Es ist deshalb wichtig, den Kindern einen guten Umgang damit mitzugeben.»

«Fühlte mich in der Familie aufgehoben»

Der Komponist Dieter Ammann sieht dies ähnlich: «Heute sind die Kinder permanenten Zerstreuungen ausgesetzt. Ich habe mich teils noch gerne gelangweilt. Jetzt ist konstant etwas los. Gamen, Computer, Handy. Die Aufmerksamkeitsspanne ist stark gesunken. In der Kunst habe ich zum Glück noch die Freiheit, länger auf etwas zu fokussieren.» Und was schliesst er daraus? «Es tönt konservativ», sinniert er, «aber die Familie als Mikrokosmos ist wohl immer noch absolut entscheidend. Ich habe wenige Erinnerungen an meine Kindheit. Sei es, weil ich sehr bewusst im Moment lebe oder sei es, weil ich da ein Defizit habe. Aber ich weiss noch, dass ich mich in meiner Familie aufgehoben fühlte.»

Komponist Dieter Ammann hat sich als Kind gerne mal gelangweilt. (Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 17.08.2018)).

Komponist Dieter Ammann hat sich als Kind gerne mal gelangweilt. (Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 17.08.2018)).

Und der Grundstein seiner Musikerkarriere, ist der in seiner Jugend zu finden? «Mein Vater war ein hervorragender Steg­reifpianist. Er hatte ein Repertoire von mehreren 100 Stücken, vor allem Tänze. Diese haben wir alle auswendig gelernt, von früh auf mit ihm improvisiert.»

«Es gab eine Phase, da wollte ich kein Kind sein»

Auch Ilona Schmiel, Intendantin der Tonhalle Zürich, kam über ihre Kindheit zur Musik. «Es gab bei mir zwischen vier und fünf Jahren ein Phase, da wollte ich gar nicht Kind sein», lacht sie. «Ich spielte immer die Ernsthafte und fand den Kindergarten total langweilig. Ich hasste Kinderkonzerte und wollte ‹das Richtige› erleben.» Da ihre Schwester Keuchhusten gehabt habe, sei sie oft nach Berlin zu ihren Grosseltern geschickt worden. «Mein Grossvater kannte viele Leute an der Oper, und ich kam Backstage in die Bühne hinein. Teils durfte ich sogar einen Teil aus dem ­Orchestergraben mitverfolgen, unter anderem den Lohengrin.»

So kam es früh zum Wunsch, etwas mit Musik zu machen? «Wer einmal den Bühnenstaub, die Orchesterluft geschnuppert hat, den lässt das nicht mehr los. Ich habe heute noch starke Erinnerungen an diese komplett andere Welt, diesen Traum, der mich total faszinierte.»

Nach dem anregenden Empfang ging es dann weiter zum nächsten Traum, dem Eröffnungskonzert des Lucerne Festival Orchestras mit Lang Lang und unter der Leitung von Riccardo Chailly.

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