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Der Gründer von Monty Python brauchte 25 Jahre Drehzeit für einen Film

Terry Gilliam rang über 25 Jahre lang mit seinem neuen Film «The Man Who Killed Don Quixote». Statt aufzugeben, macht er sein Scheitern zu einem Teil des Drehbuchs.
Interview: Lory Roebuck
Der 77-jährige Filmemacher Terry Gilliam. (Bild: AP/Todd Williamson)

Der 77-jährige Filmemacher Terry Gilliam. (Bild: AP/Todd Williamson)

Terry Gilliam lacht viel, obwohl er sichtlich unter starken Schmerzen leidet. Kurz vor unserem Interviewtermin in Cannes lag der 77-jährige Filmemacher noch im Spital, wegen einer blockierten Arterie. Eine weitere Station auf dem langen Leidensweg seines neuen Films. Schon seit über 25 Jahren versucht Gilliam «The Man Who Killed Don Quixote» auf die Leinwand zu bringen. Er scheiterte immer wieder, darüber gibt es sogar einen Dokumentarfilm, «Lost in La Mancha». Doch nun hat es Gilliam geschafft.

Terry Gilliam, der Fluch ist gebrochen. Wie erleichtert sind Sie?

Wissen Sie, ich habe nie an einen Fluch geglaubt – aber die Schlagzeilen waren gute PR! Sie haben immer wieder Filmproduzenten angelockt, die sagten: «Ich werde der Mann sein, der das Projekt rettet und den unproduzierbaren Film produziert!» Doch jeder von ihnen ist gescheitert.

Sie hielten trotzdem am Film fest – fast drei Jahrzehnte lang. Wie schafften Sie das?

Mit Drogen und Alkohol! (lacht) Was mich antrieb, waren alle jene Leute, die mir sagten, ich solle aufgeben.

Sie müssen sich selbst wie die Romanfigur Don Quixote gefühlt haben, die erfolglos gegen Windmühlen kämpft.

Es gab solche Momente, ja. Doch der Roman handelt auch davon, wie man mit Scheitern umgeht – das hat mich inspiriert. Don Quixote richtet sich nach jeder Niederlage wieder auf. Auch dank der Hilfe seines Dieners Sancho Panza.

Wer war denn Ihr Sancho Panza?

Mein Kameramann Nicola Pecorini. Im Abspann des Films steht jetzt sogar: Nicola «Sancho» Pecorini. Es gab weitere Menschen, die mir unter die Arme griffen – allerdings gab es mehr, die mich stoppen wollten.

Wer wollte Sie stoppen?

Meine Frau, zum Beispiel. Sie ist eine sehr vernünftige Person! Sie sagte mir: Wenn du diesen Film sein lässt, könntest du zehn andere machen. Aber ich liess mich nicht abbringen, egal wie frustrierend es wurde.

Die geplagte Entstehungsgeschichte ist Teil des Films.

Das Drehbuch hat sich andauernd verändert. Unsere Hauptfigur, gespielt von Adam Driver, ist jetzt selbst ein Regisseur, der erfolglos versucht, einen «Don Quixote»-Film zu drehen. Diese Idee hat das Drehbuch enorm bereichert.

Wie viel von Ihnen selbst steckt im Filmemacher Toby?

Toby entspricht mir nur zu einem Teil. Er ist im Film eigentlich ein Werberegisseur, und diese Art von Arbeit habe ich mein ganzes Leben lang zu meiden versucht. Die Versuchung ist gross, denn das Geld ist fantastisch. Ich kenne viele talentierte Filmemacher, die Werbeaufträge annahmen und mit dem Verkauf von Hundefutter und Klopapier reich wurden. Aber das ist doch nicht unsere Berufung! Filme sind wichtig, Werbefilme nicht. Die Träume, die sie verkaufen, sind eine Lüge. Ach, was rede ich da – auch Hollywood verkauft nichts als Lügen!

Ihre Dulcinea träumt von einem Leben als Filmstar, verdingt sich aber als Prostituierte.

Mir schwebte eine Dulcinea vor, die beschmutzt ist, die von Hollywood verführt und enttäuscht wurde. Denn so ist es doch in den meisten Fällen: Junge Schauspielerinnen ziehen voller Hoffnung dorthin und scheitern. Zwei meiner Freunde aus dem Filmgeschäft haben Suizid begangen. Sie hatten erfolgreiche Karrieren, aber da war immer jemand, der noch ein bisschen mehr Erfolg hatte. Das machte sie fertig.

Johnny Depps ursprüngliche Rolle spielt nun Adam Driver.

Adam ist der beste Schauspieler seiner Generation. Er verlieh der Figur, wie sie im Drehbuch stand, eine ganz neue Dimension. Er hat die einzigartige Gabe, aus den kleinen Momenten immer etwas Spezielles zu erschaffen. Meine Tochter brachte mich auf ihn, ich hatte seine Fernsehserie «Girls» nie gesehen.

Terry Gilliam, Ihr Opus ist vollbracht. Setzen Sie sich jetzt zur Ruhe?

Ich war so lange auf dieses Projekt fixiert, dass ich tatsächlich noch nicht weiss, ob ich je wieder einen Film mache. Andererseits: Wenn ich nicht am Arbeiten bin, dann hocke ich bloss einsam vor meinem Computer und gucke auf Facebook nach, was draussen läuft. Deprimierende Aussichten, oder?

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