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Oscar-Gewinner Jean Dujardin: «Ich möchte keine Karikatur spielen»

Jean Dujardin ist der einzige französische Schauspieler, der je den Oscar gewonnen hat. Lust auf Hollywood verspürt er deswegen nicht.
Interview: Lory Roebuck
Sein Grinsen ist sein Markenzeichen: Schauspieler Jean Dujardin. (Bild: Alexandra Wey/Keystone)

Sein Grinsen ist sein Markenzeichen: Schauspieler Jean Dujardin. (Bild: Alexandra Wey/Keystone)

Das breite, warme Grinsen, mit dem uns Jean Dujardin begrüsst, kennen wir gut. Mit genau diesem Grinsen im Stummfilm «The Artist» hat der 47-jährige Schauspieler aus Frankreich vor ein paar Jahren die Herzen des Kinopublikums und der Oscarjury erobert. Nun ist Dujardin in die Schweiz gereist, um am Filmfestival NIFFF in Neuenburg seinen neuen Film «Le daim» vorzustellen. In dieser irrwitzigen Horrorkomödie spielt er einen Mann, der sich – kein Tippfehler – in seine Hirschlederjacke verliebt.

Besitzen Sie ein Objekt, in das Sie ebenso vernarrt sind wie Ihre Filmfigur in ihre Hirschlederjacke?

Nein, ich bin kein materieller Mensch.

Auch nicht in Ihre Oscar-Statue?

Ach, die steht in einem Regal und fängt Staub. (lacht)

Sie haben den Oscar 2012 gewonnen, als bislang einziger französischer Hauptdarsteller. Welchen Einfluss hatte das auf Ihre Karriere?

Um ehrlich zu seinen: keinen. Natürlich habe ich die Auszeichnung gefeiert, das war ein fabelhaftes Gefühl. Aber danach verschwendete ich keinen Gedanken daran.

Stimmt es, dass Sie seither nie mehr nach Hollywood zurück gereist sind?

Ja. Mir war immer klar, dass ich meine Karriere in Frankreich fortsetzen werde. Ich war dort bereits vor dem Oscar glücklich und habe nie den internationalen Durchbruch angestrebt. Klar erhielt ich danach zahlreiche Angebote aus Hollywood. Aber die meisten von ihnen reizten mich einfach nicht.

Es gibt ja dieses Klischee: Wenn ein europäischer Schauspieler Erfolg hat, wird er in Hollywood als Bösewicht gecastet. Meinen Sie solche Angebote?

Durchaus, aber nicht nur. Oft wurde ich auch angefragt, einen stereotypen Franzosen zu spielen, der mit einem übertriebenen französischen Akzent spricht und die Ehefrauen der amerikanischen Filmfiguren verführt. Ich möchte keine Karikatur spielen. Und ich habe auch kein Bedürfnis, nach Schauspielern wie Mathieu Amalric und Christoph Waltz einfach der nächste Europäer auf der Liste der Bond-Bösewichte zu sein.

Es gibt ein Internetvideo, in dem Sie solche Klischees auf die Schippe nehmen...

Dieses Video entstand damals im Rahmen der Oscarverleihung für die Satiresendung «Funny or Die». Ich tat darin so, als würde ich für die Rolle als Bond-Bösewicht vorsprechen, und dann als «Mission: Impossible»-Bösewicht, und schliesslich auch als Bösewicht bei den «Muppets». Die Rollen wurden zunehmend absurd. Das machte grossen Spass.

Sie haben einen Auftritt als Bond-Bösewicht gar nicht nötig: In den «OSS 117»-Filmkomödien spielen Sie sozusagen den französischen James Bond...

Eben. Ich bin auch nicht der Typ Schauspieler, der ständig auf der Suche nach der nächsten einflussreichen Rolle ist. Ich habe seit zwanzig Jahren keinen Agenten mehr. Da ist niemand, der mir sagt: Dieser oder jener Film wäre gut für deine Karriere. Ich suche meine Rollen nach einem einzigen Kriterium aus: Sie müssen Spass machen! Im Herzen bin ich wie ein Kind.

Sie verzichten also auf Hollywood, um in aussergewöhnlichen Filmen wie nun in «Le daim» mitzuspielen?

Ganz genau. Ich habe noch nie ein so verrücktes Drehbuch gelesen. Quentin Du-pieux, der Regisseur und Autor, erklärte mir meine Rolle so: Georges ist ein Typ, der von seiner Frau verlassen wurde und dann sein ganzes Geld für eine Hirschlederjacke ausgibt. Er schottet sich in einem Hotelzimmer ab und beginnt, mit der Jacke Gespräche zu führen.

Was hat Sie an dieser Rolle konkret angesprochen?

Sie ist sehr vielschichtig. Was mich faszinierte, war die Flucht dieses Mannes, seine Einsamkeit. Aber auch die Obsession, in die er sich hineinsteigert. Eine solche Rolle habe ich noch nie gespielt.

Ihre Filmfigur Georges möchte der einzige Mensch sein, der eine Jacke tragen darf. Mit fatalen Folgen.

Georges beginnt, völlig abnormale Dinge zu tun, verhält sich dabei allerdings normal. Dieser Gegensatz ist lustig und gleichzeitig sehr angsteinflössend. Eine spannende Mischung.

Ist es bezeichnend, dass die Jacke Georges nicht wirklich passt?

Ja. Die Jacke ist zu kurz, dafür sind die Fransen daran umso länger. Das sieht lächerlich aus und spricht natürlich das schiefe Bild an, das Georges von sich selbst hat. Aber: «Le daim» ist kein Fantasyfilm, die Jacke kann nicht wirklich sprechen. Georges ist ein Mann mit einem psychischen Problem. Das wollten wir unter die Lupe nehmen.

Mit dem Vollbart im Film sehen Sie aus wie Regisseur Quentin Dupieux. Absicht?

Das war ein bewusster Entscheid, ich spreche im Film auch so wie er. Quentins Drehbuch ist so verrückt, dass ich mich im Prinzip nur durch seine Augen in meine Filmfigur hineinversetzen konnte.

Georges verwandelt sich im Film vom armen Schlucker zum Mörder. Wie spielt man das?

Ich konnte mich an Quentins Drehbuch orientieren, es war sehr präzise und liess kaum Platz zum improvisieren. Das gefällt mir. Mit einem Drehbuch gehe ich ähnlich obsessiv um wie Georges mit seiner Jacke. Ich schaue es mir hundert Mal an und merke mir jedes kleinste Detail. Das war schon in meiner Kindheit so: Ich war ein schlechter Schüler und kam nur durch, in dem ich alles auswendig lernte.

Le daim (F 2019) Regie: Quentin Dupieux. Ab 8. August im Kino.

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