Neues Album von Glauco Cataldo:
«Ich musste mich mal austoben»

Ein ungewöhnliches Singer-Songwriter-Album legt der Luzerner Gitarrist Glauco Cataldo vor: «Watolosita» ist stark geprägt von seiner Liebe zur westafrikanischen Musik.

Pirmin Bossart
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Glauco Cataldo macht spannenden Afro-Trance-Folk. (Bild: PD)

Glauco Cataldo macht spannenden Afro-Trance-Folk. (Bild: PD)

Wer Glauco Cataldo von der Band Siselabonga kennt, hat zumindest einen Geschmack von seiner gitarristischen Rock-Wucht, die er in die fein verwobenen Linien aus traditionellen afrikanischen Klängen und westlichen Singer-Songwriter-Pop-Melodien einbringen kann. Jetzt hat der gebürtige Süditaliener, der in Luzern lebt und an der Jazzhochschule studierte, sein eigenes Ding produziert. Und siehe da: Die Rock-Roots haben einer akustisch-atmosphärischen Musik Platz gemacht, die mit ihrem repetitiven Puls, ihren melodischen Schnörkeln und ihrer Gelassenheit unüberhörbar «afrikanisch» klingt.

Mit seinem Solo-Album fokussiert sich Cataldo auf (Western-)Gitarre und Stimme. Seine Tracks verlaufen nicht in den herkömmlichen Song-Mustern, sondern sind rhythmisch akzentuierte Melodiefolgen oder Texturen, die einen dunklen Sog entfalten, repetitiv schillern oder auch mal emotional erzählen können. Über die Fingerpicking-Patterns, Akkorde und Melodiefetzen der Gitarre legt sich das dunkle Timbre seiner Stimme, die in Bass- und Baritonlagen mäandert und auf «Insomnia» auch mal mit Kehlkopfgesang vibriert.

«Stundenlang auf dem Dach gespielt»

Mit seinem «Afro-Trance-Folk» schlägt Cataldo eine neue Saite von Singer-Songwriter-Musik an, die spezifisch mit seiner musikalischen Sozialisation zu tun hat. «Ich bin mit Blues und Rock aufgewachsen, mit Neil Young, Jimi Hendrix und Tom Waits», sagt Cataldo. Auch den englischen Singer Songwriter John Martyn, einer dieser «unsung heroes» der avant­gardistischen Folk-Rockmusik, hat er rauf- und runtergehört. Er hat die alten Blueser «gecheckt» und auch die psychedelischen Prog-Bands der 1970er-Jahre.

Die musikalische Welt öffnete sich, als Cataldo den gebürtigen Luzerner Produzenten, Musikenthusiasten und High-End-Spezialisten Robert Trunz traf, der seit ein paar Jahren wieder in Südafrika lebt. «Ich war bei den ersten zwei Forest Jam Programmen dabei, die Trunz zusammen mit Pro Helvetia lancierte.» Dieser musikalische Austausch mit afrikanischen Musikern brachte Cataldo 2015 nach Madagaskar. «Dort habe ich auch die Leute kennen gelernt, mit denen wir ­Siselabonga gründeten.»

Heute könne er aus einem «musikalischen Pot» schöpfen, den er ohne Trunz wohl nicht kennen gelernt hätte – auch nicht an der Jazzschule, sagt Cataldo. Seitdem ist der Gitarrist mehrmals in Madagaskar und Senegal gewesen. Erst kürzlich kehrte er von zwei Monaten Senegal zurück. «Diese Ortswechsel aktivieren meine Kreativität. In Senegal habe ich manchmal stundenlang auf einem Dach gespielt.» Heute zählt Cataldo Ali Farka Touré, Salif Keita oder Baaba Maal zu seinen «heroes». «Ali Farka Touré ist einer meiner Götter!»

Auf «Watolosita» (Mix Timo Keller) treten die westlichen Singer-Songwriter-Wurzeln in Kontakt mit dem herben Charme und dem Trance-Faktor der westafrikanischen Musik. Auf dem letzten Stück «Hold The Knight» entfacht er mit seiner elektrischen Gitarre ein multi-instrumentales und rockendes Inferno. Der Gitarrist grinst. «Ich konnte es mir nicht verkneifen. Ich musste mich mal austoben.»

Auch ein Schokolade-Album

Das Album, dessen buntes Cover vom Luzerner Solomon Leander Wicki gemalt wurde, erscheint auf Vinyl und als Schokolade. Die Schokolade stammt vom Luzerner Start-up-Unternehmen Schöki, das mit afrikanischen Kakao-Lieferanten zusammenarbeitet und Wert auf höchste Nachhaltigkeit legt. Die Schoggi-Verpackung ist das Bild des Album­covers. Zusätzlich ist ein Download-Code gedruckt. Man kann das Album also essen und hören.

Glauco Cataldo: Watolosita, Plattentaufe: 7. März, 21 Uhr, Neubad, Luzern