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Interview

Thurgauer Jazzmusiker Raphael Jost: «Ich war noch nie in New York»

Der preisgekrönte Thurgauer Jazzmusiker Raphael Jost hat sein zweites Album fertig, heute ist Plattentaufe. Er sagt, wie Swing und Pop zusammenpassen, wo er am liebsten spielt und warum der Familienwunsch warten muss.
Interview: Dieter Langhart
Raphael Jost posiert mit Elch für «Moosedays». (Bild: Andrin Winteler)

Raphael Jost posiert mit Elch für «Moosedays». (Bild: Andrin Winteler)

Sie haben gestern Abend mit Ihrer Band Raphael Jost & Lots of Horns für die heutige Plattentaufe geprobt. Nervös?

Nein, es war eine gute Probe. Die Nervosität kommt erst kurz vor dem Konzert.

Wie zeigt sich das?

Früher ist mir manchmal schlecht geworden. Jetzt esse ich einfach wenig und werde ganz ruhig und bin nicht mehr wirklich an­sprechbar.

Woran dachten Sie beim Einschlafen?

Ich fühlte mich hin- und hergeworfen nach einer Woche am Jazzfestival in Tel Aviv. Ich habe viele Musiker kennen gelernt, das muss ich erst verarbeiten.

Sie taufen Ihre zweite Platte im «Moods». Ein guter Ort?

Es ist für mich der coolste Jazzclub der Schweiz.

Wie schwierig ist es, in solchen Lokalen aufzutreten?

Man muss immer anklopfen, wird kaum angefragt, aber der Swiss Jazz Award hilft, den ich 2015 für mein erstes Album erhalten habe. Fast jede Stadt hat gute Clubs, ich mag aber auch intime Auftrittslokale in Dörfern.

Welche Orte fehlen noch?

In Montreux spielten wir auf der Bühne im Park. Also ein Auftritt im Auditorium Stravinski vielleicht oder am Jazznojazz in Zürich, um nur zwei zu nennen.

Sind Sie auch im Ausland zu hören?

Noch kaum, das entwickelt sich erst. Wir spielten schon in der Bretagne, in Paris, danach das erste Festival in England. Und letzte Woche eben Tel Aviv. Ich hoffe, das deutsche Label, bei dem «Moosedays» erscheint, wird uns als Sprungbrett dienen.

Sie haben es in Schweden aufgenommen. Warum heisst es «Moosedays» – Elchtage?

Das Studio nahe Göteborg liegt am Älgvägen. Es war herrlich, da zu arbeiten. Mir passte der Flügel, wir waren zu acht und hatten vier Räume und konnten alles gleichzeitig aufnehmen. Und gemeinsam wegzugehen und uns nur den Aufnahmen zu widmen, tat uns als Band sehr gut.

Einer Zeitung gegenüber haben Sie gesagt, «Moose­days» seien Tage, an denen Sie finden, «jetzt muss ich einen Song schreiben».

Der Begriff entstammt im Grunde nur einer Laune. Aber ein Song auf dem Album heisst «Tuesdays» und bezieht sich darauf.

Sie haben sich dem Swing verschrieben. Sind Sie mit dreissig nicht etwas jung dafür?

Auf diesem Album swingt nur ein Song, der Jazzstandard «The More I See You». Alle übrigen sind Eigenkompositionen, die klingen meistens recht poppig.

Pop?

Ich habe als Bub viel Pop gehört, Elton John oder Michael Jackson. Erst mit siebzehn, achtzehn kam der Jazz. Diese Einflüsse hört man noch. Meine oft poppigen Songs werden aber von einer akustischen Jazzband gespielt.

Sie sind dreissig. Noch keine Familienpläne?

Mittelfristig möchte ich gerne Kinder haben, aber das hat noch ein bisschen Zeit.

Aber Sie wollen sicher kein alter Vater sein.

Ich möchte zuerst musikalisch weiterkommen.

Was ist mit Ihrem anderen Projekt, dem Raphael Jost Standards Trio?

Es ist klassisch besetzt: Piano, Bass, Schlagzeug, dazu meine Stimme. Wir nehmen Standards und arrangieren und interpretieren sie neu. Da ist viel Freiheit drin – jeder Abend klingt anders, weil wir die Standards ja nie einfach nur «nachspielen».

Sie haben Jazzpiano studiert und im Nebenfach Gesang. Weshalb?

Als Kind habe ich sehr gern gesungen, dann hatte ich einen fürchterlichen Stimmbruch. Klavier habe ich seit jeher gespielt, und als ich den Jazz entdeckte, begann ich wieder zu singen. Inzwischen ist für mich der Gesang fast wichtiger geworden.

Was ist der Grund?

Als Zuhörer identifiziert man mich halt mehr über meine ­Stimme.

Sie haben bereits mehrere Preise gewonnen und sind an wichtigen Jazzfestivals ­aufgetreten. Haben Sie Ihre ­Bescheidenheit behalten?

Ich hoffe es. Sie sind mir Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Egal, ob ich in Montreux oder im kleinen Jazzclub Lindau spiele – das Schönste ist, mit der Musik etwas beim Publikum auszulösen. Wichtige Festivals sind aber natürlich auch eine Referenz, um an weiteren Orten aufzutreten.

Sie sind am Rhein aufgewachsen und wohnen jetzt in Winterthur. Vermissen Sie den Fluss nicht?

Ja, schon. Ich war diesen Sommer einige Male in Diessenhofen baden. Überhaupt mag ich Dörfer und das Leben auf dem Land, die Stille tut mir gut. Später würde ich gern wieder aufs Land ziehen.

Ihr grossstädtischer Traum?

London! Vielleicht für ein Jahr da leben und arbeiten …

Und New York?

(lacht)

Da war ich noch nie. Das sollte ich als Jazzmusiker wohl dringend ändern.

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