Die Museen im Aargau sind zu. Aber besuchen kann man sie trotzdem  

«Vorübergehend geschlossen» heisst es bei den Aargauer Museen. Aber sie lassen sich bis zur Wiedereröffnung am 8. Juni einiges einfallen.

Sabine Altorfer
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Das Stadtmuseum Aarau hat seine Internet-Startseite zum «museum@home» gemacht. In der Challenge imitiert das Publikum Bilder aus der Sammlung.

Das Stadtmuseum Aarau hat seine Internet-Startseite zum «museum@home» gemacht. In der Challenge imitiert das Publikum Bilder aus der Sammlung.

Bild: Screenshot

So schnell kam noch selten eine Antwort. «Öffnen Sie am 8. Juni wieder, wie es der Bundesrat erlaubt?», fragten wir Ausstellungshäuser im Aargau. Das «Ja, unbedingt, endlich» von Markus Stegmann aus der Langmatt Baden kam innert Sekunden. Doch nicht nur er wartet mit grosser Sehnsucht!

Ab 9. Juni wieder zugänglich: Ausstellung «Herzkammer – 30 Jahre Museum Langmatt». Bis dann gibt es Bildbetrachtungen und Geschichten online.

Ab 9. Juni wieder zugänglich: Ausstellung «Herzkammer – 30 Jahre Museum Langmatt». Bis dann gibt es Bildbetrachtungen und Geschichten online.

Severin Bigler / ©

Am Dienstag, 9. Juni, gehts also los. Nicht mit Paukenschlag und Festen. «Fein und leise. Mit Hygienemassnahmen und Abstandsregeln – was einfach einzuhalten ist in unserem wunderschönen, grossen Haus...», schreibt Carol Nater Cartier vom Historischen Museum Baden. Kunsthaus-Pressesprecherin Christina Omlin bleibt – wie viele andere auch – vorsichtig optimistisch. Ob und wie man öffne, «hängt aber natürlich auch davon ab, ob die vorangehenden Phasen der Normalisierung so verlaufen, wie vom Bundesrat geplant.»

Die Ausstellung "Badekult" im historischen Museum Baden geht am 9. Juni wieder auf. einen virtuellen Rundgang gibts jederzeit.

Die Ausstellung "Badekult" im historischen Museum Baden geht am 9. Juni wieder auf. einen virtuellen Rundgang gibts jederzeit. 

zvg

Der Shutdown hat die Häuser in einer Besucher-intensiven Zeit getroffen: Das Kunsthaus konnte «Blumen für die Kunst» mit massiven Verlusten gerade noch durchführen. Im Stapferhaus Lenzburg bedauert Sibylle Lichtensteiger, «dass wir den Erfolg von ‹Fake› nicht fortsetzen konnten.» Rund 250 Gruppen habe man absagen müssen. Die Langmatt wollte just Mitte März das 30-Jahr-Jubiläum feiern, und im Forum Schlossplatz sollte das erste Programm «Residenz» der neuen Leiterin Lena Friedli starten.

Mitmachen macht Spass

Jammern war sinnlos, lieber bauten die Häuser für ihr Publikum digitale Angebote: Das Stadtmuseum Aarau hat seine Website zum «museum@home» gemacht. Mit dem Effekt, dass doppelt so viele Leute wie zuvor die Angebote nutzen – und deutlich länger verweilen, wie der Leiter Marc Griesshammer bilanziert. Eine Erfahrung, die andere bestätigen. Gefragt sind Mitmachformate. Das Stadtmuseum ruft zu einer Challenge nach dem Erfolgsmuster des Rijksmuseums Amsterdam auf: Besucherinnen bauen ein Werk der Sammlung nach, fotografieren und posten es. Abenteuerliche Kombinationen sind entstanden. Der (vom Publikum erweiterbare) «Fotowalk» mit Bildern von 16 jungen Fotografinnen über Aarau wird auch im beliebten Portal «we­love­aarau» wie in den sozialen Medien aufgeschaltet.

 Fotowalk des Stadtmuseums Aarau. Bild von Julie Kehl.

 Fotowalk des Stadtmuseums Aarau. Bild von Julie Kehl.  

Julie Kehl/Stadtmuseum 

Im Kunsthaus sind Live-­Workshops auf der Videokonferenzplattform Zoom wie Porträtmalen, Farbexperimente und Drucken sehr gut angelaufen. «Die Nachfrage überstieg unsere Erwartungen und die Workshops waren alle innert kürzester Zeit ausgebucht. Wir haben sie je zweifach durchführen können», erklärt Omlin. 

Ausstellungsrundgänge per Video laufen bestens – im Museum Aargau beim «Blick hinter die Kordel» (eine Führerin zeigt Orte, an welche man sonst nicht gelangt), mit «360°-Rundgängen» (geführte filmische Raumbegehungen) und bei «Szenischen Führungen», ebenso bei «Badekult» in Baden oder beim «Bild des Monats» im Kunsthaus. Bildstrecken auf Insta­gram und Facebook werden fleissig geklickt und gelikt. Lohnend sind die Blogs: Erklärungen zu Sammlungsstücken, Gartentipps von der Wildegg oder historische Rezepte im Museum Aargau. Im Stapferhaus deckt der Chefbeamte im «Amt für die Wahrheit» aus dem Homeoffice Verschwörungstheorien auf.

Alte Rezepte per Video: Angela Dettling ist Leiterin Vermittlung von Museum Aargau. Die Historikerin kocht für ihr Leben gern Gerichte aus 2000 Jahren.

Alte Rezepte per Video: Angela Dettling ist Leiterin Vermittlung von Museum Aargau. Die Historikerin kocht für ihr Leben gern Gerichte aus 2000 Jahren.

zvg

Freude und Unsicherheit

Museumsleiterinnen und Kuratoren haben also alle Hände voll zu tun – meist im Homeoffice. Anders die Leute von Empfang, Bistro und Aufsicht: Aufräumen und reparieren, Kurzarbeit oder gar keine Arbeit heisst es für sie. Die finanziellen Einbussen der Museen sind enorm: alle Einnahmen aus Eintritten, Vermietungen, Führungen, Bistro und Shop fallen weg. Manche stellen Gesuche für Kurzarbeit, bei anderen stehen Kanton oder Stadt zumindest für die Löhne gerade.

Abgerechnet werden kann erst später. Erst wird die Wiedereröffnung geplant. Die meisten verlängern ihre Ausstellungen (Kunsthaus, Langmatt). Die Folgeprogramme werden in den Herbst geschoben (Museum Aargau, Stapferhaus, Kunsthaus) oder gar ins nächste Jahr. Aber, erklärt Marco Castellaneta, Leiter des Museums Aargau: «Es bleibt eine Herausforderung in dieser Ungewissheit, weiter zu planen.»

Finanzhilfe für Kultur

17 Millionen Franken Ausfallentschädigung für Aargauer Kulturbetriebe stellen Bund und Kanton (je hälftig) bereit. Das wurde Ende letzter Woche bekannt. Weiter stellt der Bund 6 Millionen Franken für Soforthilfe (Darlehen) an Kulturunternehmungen im Aargau zur Verfügung. Der Regierungsrat hat zudem 5 Millionen Franken aus dem Swisslos-­Fonds gesprochen – für Organisation, die bei den anderen Programmen durch die Maschen fallen. https://bundeshilfe.swisslos-aargau.ch.