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Hans Erni Museum widmet sich künstlerischen Flügen und Abstürzen

Die Ausstellung «Kunstflüge» im Hans Erni Museum beschäftigt sich mit der künstlerischen Darstellung des menschlichen Traums vom Fliegen. Damit hebt das Museum im Verkehrshaus Luzern auch in eine neue Ära ab.
Kurt Beck
«Der Fall des Ikarus», Kupferstich von Hendrick Goltzius, 1588 (Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Graphische Sammlung).

«Der Fall des Ikarus», Kupferstich von Hendrick Goltzius, 1588 (Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Graphische Sammlung).

Anfang Jahr hat Heinz Stahlhut die Leitung des Hans Erni Museums im Verkehrshaus Luzern übernommen. Sein Auftrag und Versprechen war, das Haus zu öffnen, es attraktiver für Besucher des Verkehrshauses und das Kunstpublikum zu machen. Jetzt präsentiert er seine erste Ausstellung «Kunstflüge».

In der knappen Zeit hat Heinz Stahlhut eine spannende Ausstellung mit über 50 Werken und Werkgruppen geschaffen. Bei den Gemälden, Zeichnungen und Plastiken war er auf Leihgaben aus anderen Sammlungen und Galerien angewiesen.

Uwe Walther: «LuzernRigi», 2019. (Bild: Leihgabe des Künstlers)

Uwe Walther: «LuzernRigi», 2019. (Bild: Leihgabe des Künstlers)

Der ehemalige Sammlungskurator des Kunstmuseums Luzern verfügt über die nötigen Kontakte, um eine solch breit angelegte thematische Ausstellung zu stemmen, die Kunst vom Spätmittelalter bis in die heutige Zeit präsentiert. Die jüngsten Bilder, zwei Landschaftsvisionen aus der Vogel­perspektive, hat der Künstler Uwe Walther erst kurz vor der ­Eröffnung fertiggemalt.

Thematische Anbindung ans Verkehrshaus

Die Wahl des Ausstellungsthemas weist auf die konzeptionelle Neuausrichtung des Museums hin. «Kunstflüge» ist sozusagen die Fortsetzung mit künstlerischen Mitteln der Sonderausstellung «Die Schweiz fliegt!», die das Verkehrshaus momentan zeigt. Die thematische Anbindung ist ein starkes Statement der Zugehörigkeit des Hans Erni Museums zum Verkehrshaus.

«Kunstflüge» macht den Spagat von der Welt der Technik zur Kunst. Die Auseinandersetzungen mit dem Thema Fliegen produzieren Fantasien und Illusionen, führen in die Sphären der Visionen und Träume, bereisen den Kosmos des Surrealen und Metaphysischen, berichten von spirituellen Höhenflügen und Abstürzen in die ewige Verdammnis.

Himmel und Höllenschlund

Fliegen, das macht die Ausstellung in starken Bildern deutlich, war bis in die Neuzeit den Göttern sowie anderen himmlischen Wesen und unirdischen Superhelden vorbehalten. Doch der Traum vom Fliegen begleitet die Menschheit seit Urzeiten.

Luca Giordano: «Der Hl. Erzengel Michael vertreibt die ungehorsamen Engel». (Bild: Sammelleihgabe Attilio Gadola)

Luca Giordano: «Der Hl. Erzengel Michael vertreibt die ungehorsamen Engel». (Bild: Sammelleihgabe Attilio Gadola)

Waren Menschen so vermessen, den Traum wahrzu­machen, so war der Absturz die Strafe. Wie grausam dieses Schicksal war, zeigen auf drastische Art die grafischen Blätter «Die vier Stürzenden», die Hendrick Goltzius 1588 gestochen hat. Ebenso dramatisch sind die Luftkämpfe des Erzengels Michael. Wie er Luzifer und dessen Brut in den Höllenschlund vertreibt, halten die wunderbare Zeichnung von Luca Giordano oder die üppig inszenierten Stiche aus dem Umfeld von Rubens fest.

Meisterliche Zeichnungen

Die Ausstellung ist räumlich zwar überschaubar, doch sie beeindruckt in ihrer künstlerischen Vielseitigkeit und Qualität sowie ihrer kunsthistorischen Spannweite. Ein Highlight sind die meisterlichen Zeichnungen aus der Sammlung Gadola. Darunter Blätter von so berühmten Künstlern wie Luca Giordano, Palma il Giovane oder Domenico Tiepolo.

Zu den auffälligen Werken gehören Tatlins nachgebauter Flugapparat und Tinguelys Maschine «Laika», die an die russische Weltraumhündin erinnert. Mit Werken von Michael Buthe, Dieter Roth, Meret Oppenheim, Panamarenko und Alexander Calder ist die nationale und internationale Gegenwartskunst in der Ausstellung gut vertreten.

Hausherr Hans Erni dominiert nicht

Heinz Stahlhut hatte beim Amtsantritt versprochen, das Haus auch für Zentralschweizer Kunst zu öffnen. Eingelöst hat er das in «Kunstflüge» mit Werken von Claudia Di Gallo und Hans Emmenegger. Der Print der Luzerner Künstlerin zeigt ein technoides menschliches Wesen, das von seinem Phantomschatten begleitet durchs Bild schiesst. Von Emmenegger sind drei Bilder zu sehen, darunter die spektakuläre Flugstudie eines Kanarienvogels, der in die Nacht wegfliegt.

Claudia Di Gallo: «iExit», 2000. (Bild: Leihgabe der Künstlerin)

Claudia Di Gallo: «iExit», 2000. (Bild: Leihgabe der Künstlerin)

Natürlich spielt auch Hans Erni (1909–2015) eine Rolle. Der begeisterte Hobbypilot setzte sich immer wieder mit dem Fliegen auseinander. Ikarus war ein zentrales Motiv von ihm, aber auch Flugpioniere wie Lilienthal oder die Gebrüder Wright beschäftigten den Luzerner Künstler. Die ausgewählten Werke in der Ausstellung zeigen Ernis Position auf, ermöglichen einen direkten Dialog mit den anderen Werken oder machen Einflüsse sichtbar, ohne dass der künstlerische Hausherr dominiert.

Die Ausstellung «Kunstflüge» im Hans Erni Museum im Verkehrshaus Luzern dauert vom bis zum 13. Oktober. Sie ist täglich ab 11 Uhr geöffnet.

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