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Im Bann des Augenblicks

Die Zürcher Photobastei ist nicht nur ein Ausstellungsraum, sondern auch ein Ort, an dem die Fotografie im Zentrum vieler Veranstaltungen steht. Die aktuelle Ausstellung ist Robert Lebeck gewidmet, einem Pionier der Fotoreportage. Berühmt gemacht haben ihn seine Porträts der Schauspielerin Romy Schneider.
Urs Bader
Vertrauensvolles Verhältnis: Die Schauspielerin Romy Schneider, von Robert Lebeck erstmals 1976 fotografiert. (Bild: Archiv Robert Lebeck)

Vertrauensvolles Verhältnis: Die Schauspielerin Romy Schneider, von Robert Lebeck erstmals 1976 fotografiert. (Bild: Archiv Robert Lebeck)

Der Ausstellungsort und die Ausstellungsräume sind nicht gerade piekfein. Aber es finden dort immer wieder sehenswerte Ausstellungen statt. Das ist die Photobastei am Zürcher Sihlquai, mitten in einer Kreativszene der Stadt. Aktuell werden Bilder des renommierten deutschen Fotojournalisten Robert Lebeck (1929–2014) gezeigt. Aber diese kulturelle Institution ist mehr als einfach ein Ausstellungsort.

Die Photobastei setzt sich zum Ziel, wie es auf deren Webseite heisst, «das fotografische Schaffen und dessen riesiges künstlerisches Potenzial zwischen den Off-Spaces auf der ­einen Seite und den etablierten Institutionen wie Galerien und Museen auf der anderen Seite sichtbar zu machen».

In den Räumlichkeiten auf zwei Stockwerken werden kuratierte Verkaufsausstellungen präsentiert, stellen Fotografen in Eigenregie und gegen geringe Gebühr ihre eigenen Bilder aus, finden andere Kunst- sowie Diskussionsveranstaltungen statt. Gemietet werden kann auch eine Dunkelkammer, in der zudem regelmässig Workshops stattfinden. Ein «Bollwerk der Fotografie» nennt sich die Photobastei, «immer aufs Neue erobert von Fotografen, Künstlern, Agenturen, Galeristen, Redaktoren, Kuratoren, Käufern, Verkäufern, Fotografieliebhabern und dem Publikum».

Ein Pionier der Fotoreportage

Von Robert Lebeck werden Porträts gezeigt und Fotos aus Reportagen. Lange Jahre hat er für die Zeitschrift «Stern» gearbeitet. Vielen jüngeren Fotojournalisten ist er mit seiner Reportagefotografie zum Vorbild geworden. Seine ersten Reportagen entstanden in einer Zeit, als sich die Menschen nach Bildern aus aller Welt sehnten.

«Um ein spannendes Foto einzufangen, brauchte ich eigentlich nur vor die Haustüre zu treten. Das habe ich oft und gerne getan.»

Noch war das Fernsehgerät kein Massenartikel, noch gab es keinen Massentourismus. «Dafür sprang der ‹Stern› ein: Er wollte den Deutschen mittels grosser Repor­tagen die Terra incognita, die grosse weite Welt nach Hause bringen», wird Lebeck in der Ausstellung zitiert. Er reiste nach Italien, nach Afrika, wo gerade viele Länder in die Eigenständigkeit entlassen wurden, nach Indien und nach Japan. Überall entstanden Bilder, die uns auch heute noch in ihren Bann ziehen, darunter Strassenszenen, Blicke in Hinterhöfe oder in ein Sterbehaus.

Aber auch den deutschen Alltag hat Lebeck immer wieder dokumentiert, heitere und dramatische Momente. Von den Gesichtern von deutschen Soldaten, die 1955 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft heimkehrten, kann man sich kaum abwenden.

Romy Schneider, Quiberon, Bretagne 1981. (Bild: Archiv Robert Lebeck)
Elvis Presley in Friedberg, Hessen 1958. (Bild: Archiv Robert Lebeck)
Konrad Adenauer an seinem 90. Geburtstag, Bonn 1966. (Bild: Archiv Robert Lebeck)
Ein Kongolese entreisst König Baudouin von Belgien den Degen, Leopoldville 1960. (Bild: Archiv Robert Lebeck)
4 Bilder

Fotografien von Robert Lebeck

Immer wieder Romy Schneider

Lebeck hat sich auch als Porträtist von Künstlern und Politikern profiliert, unter ihnen Michail Gorbatschow, Willi Brandt, Martin Walser, Max Frisch und Frie­drich Dürrenmatt (mit Kakadu). Berühmt sind seine Serien der Schauspielerin Romy Schneider.

Darunter sind auch jene Fotografien, deren Entstehen eben erst im Kino zu sehen war, im Spielfilm «Drei Tage in Quiberon». Lebeck begleitete im März 1981 «Stern»-Reporter Michael Jürgs zum Interview mit der Schauspielerin, die in einer Lebenskrise steckte. Lebecks Bilder zeigen diese schonungslos – und berührend. Romy Schneider starb im Mai 1982.

Zur Porträtfotografie hatte Lebeck eine nüchterne Haltung. «Warum interessiert sich ein Fotograf für einen Künstler?», fragte er und meinte: vor allem «weil prominente Motive den Wert jedes Bildes in die Höhe treiben». Und der Künstler setze darauf, dass ein gutes Foto seine Popularität noch steigere. «So funktioniert die Symbiose von Künstlern und Fotografen.»

Robert Lebeck: Vis-à-vis, bis 15.7., photobastei.ch

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