Im KKL geht's wieder los und die Zwischensaison setzt starke Signale

Internationalität und lokale Partnerschaften: So beenden die Festivals Strings und das Luzerner Sinfonieorchester den Lockdown im KKL.

Urs Mattenberger
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Konzerte gehörten mit den Grossveranstaltungen zu den frühsten Opfern der Coronakrise. Und sie werden als letzte wieder gänzlich zugelassen, wenn das vielleicht voreilig bis am 30. August erlassene Verbot von Veranstaltungen über 1000 wieder fallen wird. Umso bemerkenswerter ist, dass jetzt Orchester von Genf über Basel bis Zürich wieder ihren Betrieb aufnehmen, bevor die Saison gleich wieder zu Ende ist. Es ist, als wollten sie mit der wohl kürzesten Zwischensaison aller Zeit beweisen, das live erlebte Kultur eben doch systemrelevant ist.

Während die meisten Orchester Programme in reduzierten Kammerorchesterformationen bieten, treten die Orchester in Luzern in ihren Stammformationen auf und setzen unterschiedliche kulturpolitische Signale. Die Festival Strings Lucerne senden am 21. Juni buchstäblich ein Zeichen für einen wieder über die Grenzen hinaus offenen Musikbetrieb. Das Luzerner Sinfonieorchester unterstreicht am 23. Juni mit dem ersten Konzert in sinfonischer Besetzung nach dem Lockdown seine Rolle als Residenzorchester des KKL und als Partner lokaler Institutionen.

Festival Strings mit internationalem Netzwerk

Das Konzert der Strings ist am 21.Juni auf den seit 12 Jahren durchgeführten internationalen «Tag der Musik» angesetzt. Der Deutsche und der Schweizer Musikrat übernehmen die Schirmherrschaft für das Konzert der Strings und schreiben dazu: «Das Virus wird gehen, die Musik bleibt!» Gerade in dieser Krise erlebe «die Gesellschaft im zeit­weisen Verzicht auf kulturelle Erlebnisse deren Wert noch einmal ganz neu».

Schon beim Eingang ins KKL sorgt das Schutzkonzept für die Sicherheit der Besucher.

Schon beim Eingang ins KKL sorgt das Schutzkonzept für die Sicherheit der Besucher.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 18. Juni 2020)

Im ersten Konzert im KKL nach dem Lockdown treten die Festival Strings in ihrer Stammbesetzung mit Streichern auf. Für Internationalität steht die in Deutschland lebende Pianistin Claire Huangci, die mit dem Zug anreist: Die Geza-Anda-Preisträgerin ist Solistin in Chopins zweitem Klavierkonzert in einer Fassung für Streicher. Unter der Leitung von Dan Dodds spielt das Orchester zudem ein Scherzo von Franz Schreker, Robert Schumanns «Bilder aus Osten» sowie Antonín Dvořáks Streicherserenade. «Coronabedingt werden die Streicher recht weit entfernt auf der Bühne verteilt aufgestellt werden», sagt Orchesterdirektor Christoph Mauruschat: «Das kann akustisch durchaus sehr reizvoll sein.»

Kombiniert mit CD-Aufnahme und Livestream

Da die Strings wegen Corona zahlreiche Auftritte vor allem in Deutschland absagen mussten, war Mauruschat wichtig, «auch im Ausland zu zeigen, dass in der Schweiz wieder Konzerte gespielt werden». So wird das Konzert im Deutschlandfunk Kultur live übertragen und später auch von SRF2 Kultur ausgestrahlt. Zusätzliche Internationalität gibt dem Anlass die erste Zusammenarbeit der Strings mit Steinway & Sons in Hamburg im Rahmen des Steinway «Prizewinner Concerts Network», das Huangci fördert. Zudem werden die Orchesterstücke des Konzerts für eine CD-Produktion aufgenommen und Chopins Klavierkonzert in Zusammenarbeit mit dem Concours Géza Anda als Video-Livestream verfügbar gemacht.

Sinfonieorchester mit lokalen Partnern

Im Fall des Luzerner Sinfonieorchesters (LSO) hebt Intendant Numa Bischof «die wichtigen Partnerschaften zwischen dem Orchester, dem KKL und der Musikhochschule Luzern hervor. Für Bischof war klar, dass das Residenzorchester des KKL in der gemäss Schutzkonzept grösstmöglichen Besetzung – bis zu 60 Musiker – auftreten soll. Zum einen, weil in der Zeit der Online- und Kleinformate viele Musikliebhaber «den live erlebbaren sinfonischen Klang» vermissten. Zum andern weil das Programm des Solistenkonzerts mit Solisten der Musikhochschule Luzern sinfonische Besetzungen verlangt. Das gilt vor allem für Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 (Klavier: Shih-Wei Huang) und Prokofjews Violinkonzert Nr. 2 (Violine: Carlos Cámara Reyes). Philipp Emanuel Gietl ist Solist in Poulencs Konzert für Orgel und Streicher, Morgane Grandjean in einem Trompetenkonzert von Christian Lindberg.

Da ist gut zu wissen, dass Blechblasinstrumente – entgegen der zu Beginn von Corona verbreiteten Meinung – keine Virenschleudern sind. Das hatte Sebastian Maiss klargestellt, der von Seiten des LSO das Schutzkonzept für das KKL mitentwickelt hat (wir berichteten). Von daher gibt es auch keinen Grund, das Orchester auf die Orgelempore hinaufzustaffeln, sagt Maiss: «Ein Orchester ist ein Organismus, den man nicht zu weit auseinanderreissen kann, ohne dass der Kontakt unter den Musikern leidet.»

Bis zu drei Viertel der Tickets sind bereits weg

Auch mit Schutzkonzept sollen also im KKL möglichst normale Konzerterlebnisse möglich sein. Einschneidende Massnahmen sind die Schliessung der Konzertbars, der Verzicht auf Pausen und die Beschränkung auf 300Personen. Aber auf Masken und Fiebermessen wird verzichtet: «Das würden wir erst in Erwägung ziehen, wenn wir feststellen, dass die Besucher das wünschen, weil es ihnen mehr Sicherheit gibt», sagt Maiss. Dass das nicht nötig sein dürfte, zeigt der Vorverkauf für beide Konzerte. So sind im Fall der Strings bereits rund drei Viertel und beim Solistenkonzert des LSO gut die Hälfte der Tickets weg.

Hinweis: Konzerte im KKL-Konzertsaal: Festival Strings: Sonntag, 21.Juni, 20.00Uhr, mit Direktübertragung im Deutschlandfunk und Livestream auf der Facebook-Seite des Concours Géza Anda. Solistenkonzert Luzerner Sinfonieorchester: Dienstag, 23.Juni, 19.30Uhr. Kartenverkauf: 041 226 77 77, kartenverkauf@kkl-luzern.ch.