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Projektchor Willisau:
Im «Lacrimosa» brach das Mozart-Requiem ab

Aus Anlass seines 20-jährigen Bestehens wartete der Projektchor Willisau mit einer aussergewöhnlichen «Inszenierung» des Mozart-Requiems auf: Er verband die Töne mit Briefen Mozarts und dessen Umfeld.
Fritz Schaub
Dirigentin Moana N. Labbate. (Bild: PD, 8. Mai 2018)

Dirigentin Moana N. Labbate. (Bild: PD, 8. Mai 2018)

Nach den ersten acht Takten des «Lacrimosa» bricht das Mozart-Requiem am Samstagabend in der Pfarrkirche Ettiswil plötzlich ab. Weshalb hören der Projektchor Willisau und das Orchester Camerata Cantabile mitten im Satz einfach auf? Ist etwas Unvorhergesehenes passiert?

Nein, an dieser Stelle nahm der Tod Wolfgang Amadeus Mozart, der erst 32 war, die Feder aus der Hand, und sein Schüler Franz Xaver Süssmayr vollendete später den Satz und stellte – zum Teil nach Mozarts Skizzen – auch die restlichen Sätze Offertorium, Hostias, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei her.

Dirigentin und Chorleiterin Moana N. Labbate hat mit dem Schauspieler und Rezitator Walter Sigi Arnold ein überzeugendes dramaturgisches Konzept entwickelt, in dem das Requiem mit Mozart-Briefen ergänzt wird. Was den wichtigen Nebeneffekt ergibt, dass ein nicht abendfüllendes, als Torso hinterlassenes Werk abendfüllend wird.

Nach dem Unterbruch liest der bekannte Urner Rezitator Walter Sigi Arnold aus dem Brief vom 4. April 1787 aus Wien, in dem Mozart an seinen todkranken Vater schrieb, «der Tod sei der wahre Endzweck des Lebens und der Schlüssel zur wahren Glückseligkeit».

Briefe trugen zur Legendenbildung bei

Es war einer der vier originalen Mozart-Briefe unter den ausgewählten Briefen und Textausschnitten. Dazu kam noch ein Originalbrief von Vater Leopold an seinen Sohn. Die andern Briefe wurden nach Mozarts Tod verfasst und stammen von Personen aus dem mehr oder weniger engen Umkreis des Komponisten.

Sie sind es nicht zuletzt, die zur Legendenbildung beigetragen haben, die sich vor allem über dieses letzte Werk Mozarts ranken und mit Vorsicht zu geniessen sind. So auch die Briefstelle unter dem Titel «Mozarts Tod» von der Schwägerin Sophie an ihre Schwester Constanze im Jahre 1825 – 34 Jahre nach Mozarts Tod!

Gleichwohl: Moana N. Labbate wiederholt das abgebrochene «Lacrimosa» ganz von vorne, und es bleibt genug übrig vom authentischen Mozart, das sich mit dem Wort tröstend an die Musik anlehnt. Sigi Walter Arnold rezitiert mit klarer, gefasster Diktion den Brief wie alle andern und trägt damit entscheidend zum guten Gesamteindruck der ungewöhnlich konzipierten Aufführung bei.

Dass man dabei rundum von Todesgedanken umgeben ist und jener leichtlebige, Allotria treibende Mozart, wie er in etwa Milos Formans Kinohit «Amadeus» aufscheint, völlig ausgeklammert ist, versteht sich von selber. Ins richtige Gleichgewicht bringt die Chorleiterin und Dirigentin das Werk, indem sie gerade die Schüsselstellen, die originaler Mozart sind (Dies irae, Rex tremendae, Confutatis), mit Dramatik auflädt, im lyrischen Recordare Jesu pie die Ausführenden aber zu bewegender Innigkeit anhält.

Chorklang mit Erhabenheit und scharfer Artikulation

Von aussen betrachtet, überwiegen im Chor die Frauen um etwa einen Drittel, aber hörmässig ergab sich dadurch kein Ungleichgewicht. Im Gegenteil: Klangsatt und homogen an den dramatischen Stellen und mit scharfer Artikulation, erhaben, ohne breiige Larmoyanz an den breit ausholenden Abschnitten wie im Introitus werden die Chorsätze präzis in den Kirchenraum projiziert, dessen Akustik – anders als etwa in der Luzerner Jesuitenkirche – die Klarheit der Linien stützte.

Von den Solisten treten die Sopranistin Maria C. Schmid und die Altistin Susanne Andres hervor, auch weil sie exponiertere Aufgaben haben, derweil sich der Tenor Remy Burnens und der Bassist Peter Brechbühler adäquat ins Ensemble einfügen. Die Streicher des Orchesters Camerata Cantabile finden sich im ­eröffnenden Adagio und Fuge ­c-Moll KV 546 noch nicht ganz, führen ihre Begleitaufgaben im Requiem jedoch mustergültig aus. Und die wichtigen tiefen Bläser, da und dort vielleicht etwas zu exponiert, steuern jene dunklen oder gar düsteren Farben bei, die zur Grundstimmung dieses Werks gehören. Das Auditorium spendet reichen Applaus, verharrt nachdenklich noch einige Zeit auf den Sitzbänken.

Das Konzert wurde am Sonntag im Kirchensaal Maihof wiederholt.

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