Im Luzerner Neubad versammelt sich ein ungewöhnliches «Stimmen»-Repertoire

Drei Uraufführungen, samt performativen Aspekten: Das Duo Klexs will dem Publikum die zeitgenössische Musik näherbringen.

Pirmin Bossart
Drucken
Teilen

Silke Strahl aus Deutschland und Léa Legros Pontal aus Frankreich haben sich an der Musikhochschule Luzern kennen gelernt. Die beiden jungen Musikerinnen sind als Persönlichkeiten und als Instrumentalistinnen ganz verschieden. Strahl spielt Saxofon, Legros Pontal Bratsche. Eine gewisse Mischung aus Chaos und Perfektion beflügelt ihre musikalische Zusammenarbeit. Beide haben auch Erfahrungen in der freien Improvisation. Im Jahr 2016 haben sie das Duo Klexs gegründet.

Machen neue Musik ausserhalb der Klischees: Silke Strahl (links) und Léa Legros Pontal vom Duo Klexs.

Machen neue Musik ausserhalb der Klischees: Silke Strahl (links) und Léa Legros Pontal vom Duo Klexs.

Bild: Jakob Ineichen, 4. März 2020

Gegensätze spielen auch bei ihren Instrumenten eine Rolle. Wann passen ein Blas- und ein Streichinstrument gut zusammen? Die Herangehensweise in der Erarbeitung von Stücken ist grundverschieden. «Dem sind wir in den letzten Jahren auf den Grund gegangen und haben versucht, die Gegensätze und Eigenheiten der beiden Instrumente auszuloten», sagt Silke Strahl. Ihr Lächeln lässt vermuten, dass sie dabei einiges herausgefunden haben.

Das Stimmliche im Instrumentalen

Im Verlauf ihrer Forschungsarbeit haben die beiden Musikerinnen das Stimmliche entdeckt: Nicht nur in den Möglichkeiten, wie sich die menschliche Stimme mit oder ohne Instrument artikulieren kann, sondern auch in den akustischen Prozessen, wie zwei unterschiedliche Instrumenten-Stimmen sich verbinden können. Begonnen hatte diese Auseinandersetzung unter anderem mit zwei Kompositionen von Matthew Shlomowitz und Simon Steen-Andersen, in denen das Sprachliche eine Rolle spielte.

«Wir bekamen Spass daran und entschlossen uns dann, der Verbindung von Stimme und Instrument ein ganzes Programm zu widmen.»

Entstanden ist «Voix», ein Projekt rund um das Stimmliche im Instrumentalen und das Instrumentale im Stimmlichen. Dafür wurden sie von der selektiven Förderung Luzern unterstützt. Im Zentrum stehen drei Uraufführungen von Luzerner Komponisten: Asia Ahmetjanova, Zita Bucher und Urban Mäder. «Wir kennen alle drei persönlich von unserer Zeit an der Musikhochschule», sagt Strahl. Sie hätten den drei Komponierenden bewusst nur das Thema «Voix» gegeben, ohne zusätzliche Erläuterungen. «Da sie uns kennen, waren wir gespannt, wie sie dieses Thema für uns interpretieren würden.»

Sprechperformance und Experimente

Asia Ahmetjanova nahm als Basis für ihre Komposition den Elysée-Vertrag von 1963, mit dem Deutschland und Frankreich – die Herkunftsnationen der zwei Musikerinnen – ihre Freundschaft nach dem Zweiten Weltkrieg bekräftigten. Entstanden ist praktisch eine reine Sprechperformance. Die Komposition von Zita Bucher konzentriert sich im minimalistischen Gestus mit Glissandi und repetitiven Phrasen auf die klangliche Annäherung der beiden Instrumente. Und Urban Mäders Komposition experimentiert in sechs Modulen an verschiedenen Bühnenstandorten damit, wie es sich gleichzeitig mit Instrument und Stimme spielen lässt.

Zu den drei Uraufführungen gesellen sich die zwei Kompositionen von Shlomowitz und Steen-Andersen. Zu allen fünf Stücke gehört eine performative Komponente. «Sie müssen auf der Bühne gespielt und auch gesehen werden. Als reine Klangwerke gehört, würde ihnen ein wichtiger Aspekt fehlen», sagt Strahl. Für die beiden Musikerinnen ist die performative Herangehensweise ein wichtiges Mittel, um die zeitgenössische Musik einem Publikum näherzubringen. Dank der selektiven Förderung konnten sie auch ein Video realisieren, was in der zeitgenössischen Musik noch eher ein ungewohntes Mittel ist, um auf sich aufmerksam zu machen.

Humorvolles soll seinen Platz haben

Zur Vermittlung für ein breiteres Publikum gehört nicht zuletzt, dass sie Stücke auswählen, die auch mal ein Augenzwinkern oder etwas Humorvolles zulassen. «Natürlich gibt es Neue Musik, die steif und starr ist. Diese suchen wir nicht unbedingt», sagt Silke Strahl. Für sie persönlich sei dieses Genre nicht einfach «schwierig», wie das oft empfunden werde. «Ich finde das Komplexe in der Neuen Musik spannend und staune oft, wie die Kinder, die ich unterrichte, sehr wohl einen Zugang dazu haben.» Persönlich kam Strahl zur Neuen Musik, weil sie die Herausforderung faszinierte, die zeitgenössischen Kompositionen zu knacken und sie Takt um Takt einzuüben, bis das Klangresultat stimmte.

Parallel dazu entwickelte sie ein Interesse für die freie Improvisation, die oft in ähnliche Klangzonen gelangt, wie sie zeitgenössische Werke offenbaren. Silke Strahl findet beide Formen des Musizierens spannend und relevant. «Sie befruchten sich gegenseitig.» Die Auseinandersetzung mit neuen Spieltechniken in zeitgenössischen Kompositionen bereichere den Fundus an Material, den sie wiederum in der Improvisation einsetze. «Und die Energie im freien Improvisieren hilft mir, Stücke der Neuen Musik besser rüberzubringen.»

Hinweis: Duo Klexs: «Voix», 11. März, 20.30 Uhr, Neubad.