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Hörbar Jazz: Verabschiedung vom Mainstream

Auf seinem neuen Album wagt Christian McBride vieles, verliert aber trotz Experimentierlust nie den Draht zu Swing-Power und Improvisation.
Tom Gsteiger

Abschied vom Mainstream: Atemberaubend

Endlich! Nach einer Reihe eher mittelmässiger Mainstream-Alben wagt sich der bravouröse Bassist Christian McBride mit seinem neuen Quartett New Jawn weit auf die Äste hinaus. Als Sideman hat er bei mehr als 200 Alben mitgewirkt – unter anderem bei Freddie Hubbard. Seit 1995 veröffentlicht er als Bandleader eigene Alben. Auf dem neuen Album verliert er bei aller Experimentierlust nie den Draht zu Swing-Power und improvisatorischer Fabulierlust. Mit anderen Worten: Diese Musiker meinen es ernst und haben Spass.

Zum Beispiel in der Eröffnungsnummer «Walkin’ Funny»: Trotz etlichen Stolperfallen fällt niemand auf die Nase. Mit dem ­Entfesselungskünstler Nasheet Waits am Schlagzeug bildet McBride ein Groove-Tandem der Extraklasse – dazu kommen mit Marcus Strickland (Tenorsax, Bassklarinette) und Josh Evans (Trompete) zwei sehr eloquente, aber nie geschwätzige Ausnahmemusiker, die in ihren ideenreichen Improvisationen stets Rücksicht nehmen auf die Grundstimmung der Stücke, die mit Ausnahme von Wayne Shorters «Sightseeing» von den Bandmitgliedern selbst stammen.

Christian McBride: New Jawn. Mack Avenue

Im Stadium der Weisheit

Es gibt nur einen Musiker, der von sich behaupten kann, sowohl mit dem Swing-Titanen Coleman Hawkins als auch mit dem Free-Visionär Cecil Taylor gespielt zu haben, nämlich Andrew Cyrille. Der in der New Yorker Bronx ­geborene afroamerikanische Schlagzeuger wird nächstes Jahr 80 und befindet sich seit längerer Zeit im Stadium der Weisheit. Statt sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, beweist Cyrille mit seinem neuen Album, dass er nach wie vor zu den wachen Geistern des zeitgenössischen Jazz zählt.

Mit dem Trompeter Wadada Leo Smith und dem Gitarristen Bill Frisell bildet Cyrille ein nonkonformes Trio, dessen auf Kompositionen aller Beteiligten basierende Improvisationsmusik zwischen Blues-Schwermut und poetischer Abstraktion oszilliert. Gewisse Passagen erinnern in ihrer Mischung aus befreitem Pulsieren und melancholisch-melodischer Anmut an das bahnbrechende Paul Motian Trio, in welchem dem Klangmagier Bill Frisell ja ebenfalls eine Schlüsselrolle zukam. Das längste Stück auf dieser Aufnahme stammt von Wadada Leo Smith, der ein eigenes Notationssystem verwendet, und ist der 2007 verstorbenen Jazzpianistin Alice Coltrane gewidmet.

Andrew Cyrille: Lebroba, ECM

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