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Ausstellung: In Appenzell tanzt der Bär

Eine Sonderausstellung im Volkskunde-Museum in Stein lässt in verschiedene Bärenwelten eintauchen. Sie will vor allem auch Kinder ansprechen.
Urs Bader
Farbige Bären im Volkskunde-Museum in Stein. (Bild: PD)

Farbige Bären im Volkskunde-Museum in Stein. (Bild: PD)

Kann, wer Urs heisst, den Bären nicht mögen? Nein. Zu oft wird man ja auch als Ursus angesprochen, mit seinem lateinischen Namen, was vielleicht mit dem eigenen Auftreten zu tun hat. Wie auch immer – jedenfalls lockt die Sonderausstellung «Der Appenzeller Bär macht Karriere» im Volkskunde-Museum im ausserrhodischen Stein. Auf einem Flyer dazu heisst es nonchalant und augenzwinkernd, der Bär sei «irgendwie immer auch ein Appenzeller». Nachdem er weltweit Karriere gemacht habe, sei er nun in die Heimat zurückgekehrt. Nun, immerhin sind in den ­Wildkirchli-Höhlen Knochen von Höhlenbären gefunden worden, die hier einst hausten. Das ist zwar schon ein paar Jährchen her, aber daraus lässt sich ein veritabler Stammbaum zimmern.

Stellvertretend für den Freiheitswillen

Der letzte frei lebende Appenzeller Bär wurde 1673 in Urnäsch erlegt. Bei wohlwollender Betrachtung kann man auch dies gelten lassen: «Als Wappentier beider Appenzell steht er stellvertretend für den Freiheitswillen und die Wehrhaftigkeit des kleinen Volkes am Säntis», wie es auf dem Flyer heisst. Dabei kommt der Ahne dieses Appenzeller Bärs doch aus der eher pazifistischen Ecke, nämlich aus der Legende um den heiligen Gallus, der in Skulpturen und auf Bildern oft mit dem aufrechten Bären dargestellt wird. Dass sich der Appenzeller Bär erst mit dem appen­zellischen Erfolg in der Schlacht bei Vögelinsegg symbolisch auf die Hinterbeine gestellt habe, ist aber wohl schon eine politische Indienstnahme des in Literatur, Kunst und Alltagskultur geduldigen Tiers.

Viele lustige Gesellen.

Viele lustige Gesellen.

Die Appenzeller kämpften, notabene, unter Schwyzer Hauptleuten; zu den Gegnern gehörte der Abt von St. Gallen. Derart Historisches kommt in der Ausstellung aber nur am Rand zur Sprache. Sie gilt eher dem Kuschelbär, und Besucher können in verschiedene Bärenwelten eintauchen – Kinder werden ihre helle Freude haben. Da gibt es beispielsweise die Bärenbäckerei, man begegnet dem Marroni- und dem Floristenbär – und «schrägen Vögeln». Aber auch den beliebten Buch- und Filmhelden Balu, Pu und Paddington.

US-Präsident war Namensgeber

Dutzende Bären sind versammelt, in allen Grössen und Farben und individuell eingekleidet. Und auf grossformatigen Fotos inszeniert von der bayrischen Fotografin Ulrike Scheiders. Ja, der Bär lässt vieles mit sich machen, wenn man ihm nicht in freier Wildbahn begegnet. Wissbegierige erfahren aber auch, woher der Name Teddybär kommt. Nämlich von Theodore «Teddy» Roosevelt, von 1901–1909 Prä­sident der USA. Er weigert sich, auf einer Jagd einen für ihn an ­einen Baum gebundenen kleinen Schwarzbären zu erlegen. Die Szene wird 1902 von Karikaturisten dargestellt, bald ist liebevoll von «Teddy’s Bear» die Rede: Der Teddybär ist geboren. Im gleichen Jahr kommt auch der erste Bär der baden-württembergischen Firma Steiff auf die Welt. Ab 1906 heisst er Teddybär und macht eine Weltkarriere.

So sehr Kinder diese Teddybären lieben, mindestens so gerne haben sie die Gummibärchen; ein Video zeigt, wie sie hergestellt werden. Jene der Firma Haribo sind schon bald hundert Jahre alt. Der Werbeslogan von Mitte der 1930er-Jahre brachte ihre Wirkung auf den Punkt: «Haribo macht Kinder froh.» Später wurden auch jene Erwachsenen einbezogen, die immer die Kinder vorschicken, wenn ihnen der Sinn nach Gummibärchen steht: «...und Erwachsene ebenso.» Die witzig-frechen Werbespots für die Goldbären mit TV-Entertainer Thomas Gottschalk erlangten über die Jahre Kultstatus. Appenzellische Ahnen dieser Gummibärchen sind bis jetzt noch nicht ausgemacht worden.

Hinweis

Volkskunde-Museum, Stein AR, bis 28.4. Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr. Bärenwerkstatt mit Erika Ressl am Mittwoch und Samstag, 13.30–16.30 Uhr.

www.appenzeller-museum.ch

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