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In den wildesten Fantasien

Katja Fischer De Santi

Phantom Das Leidige an Nachbarn ist, dass die immer da sind. Man bringt sie einfach nicht weg. Wand an Wand einander ausgeliefert, hört mehr voneinander, als man sieht, das kann zu seltsamen Fantasien führen.

Wir waren drei junge Frauen, mit studieren, leben und lieben beschäftigt. Die Wohnung für unsere WG war nicht besonders schön, aber gut gelegen. Von unseren Nachbarn bekamen wir nichts mit, die ersten Wochen zumindest. Bis ein Zettel durch den Schlitz unter der Haustüre geschoben wurde. Mit kleinen Buchstaben stand dort geschrieben, dass es so nicht weitergehen könne. «Ihr seid zu laut!» Wir würden absichtlich die Ruhe unseres Nachbars eine Etage tiefer stören. Dann folgte eine Liste unseres perfiden Tuns: Mit Absatzschuhen stundenlang den Gang auf und ab stolzieren. Mit metallenen Gegenständen gegen die Heizungsrohre schlagen. Morgens um zwei ausgiebig duschen. Wir hatten den Absender des Schreibens noch nie gesehen. Die Fensterläden der untersten Wohnung blieben auch am Tag fest geschlossen. Unser Nachbar schien seine vier Wände kaum je zu verlassen. Wir trafen ihn weder im Treppenhaus, noch sahen wir ihn je in der Waschküche. Auf dem Balkon stapelte er Bierkartons. Das einzige Lebenszeichen: Der Rauch seiner Zigaretten, der durch den Holzboden in unsere Zimmer zog.

Beste Voraussetzungen, um von diesem Phantom-Nachbarn das Bild eines arbeitslosen, depressiven Mannes zu entwerfen. Einer, der nur darauf wartete, dass wir abends nach Hause kamen. Er tat es uns wohl gleich und hielt uns für verluderte, verzogene Partygören. Je mehr wir lebten, desto mehr bebte er. Was er uns in immer wütenderen Zetteln mitteilte. Zu einer Begegnung kam es nie. Dass der gute Mann auch noch der Sohn unseres Vermieters war, machte die Sache unnötig kompliziert. Wir kapitulierten frühzeitig, weil es sich nicht mehr gut schlafen lässt, wenn man Teil der bösen Fantasien seines Nachbars ist.

In der neuen Wohnung wohnte wieder ein alleinstehender Mann unter uns. Wir klingelten schon am ersten Tag an seiner Türe. Stellten uns vor, er lud uns auch sogleich auf ein Bier ein. Wir atmeten auf. Als ich zwei Nächte später von durchs ganze Haus wummernden Basstönen geweckt wurde, zog ich die Decke über den Kopf und sah mich schon perfide Zettelchen schreiben. Dummerweise mochte ich unseren neuen Nachbarn dafür schon zu sehr.

Katja Fischer De Santi

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