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Künstler-Paar malt 2500 Miniaturbilder in zweieinhalb Jahren

Der bunt durcheinandergewürfelte Miniatur-Bilderkosmos der Illustratoren Mark Sasvary und Jasmin Hofmann kann ab Samstag in der Luzerner Galerie Vitrine besichtigt werden.
Julia Stephan
Jasmin Hofmann und Mark Sasvary vor ihren Bilderwürfeln in der Galerie Vitrine. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 29. November 2018))

Jasmin Hofmann und Mark Sasvary vor ihren Bilderwürfeln in der Galerie Vitrine. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 29. November 2018))

Kleinformatig meint nicht kleinkariert. Die Motive auf den 2500 Holzwürfeln, die in der Luzerner Galerie Vitrine derzeit auf schmalen Tablaren gereiht sind wie bunte Modeketten, zeugen von Welt. Denn die Luzerner Illustratoren Mark Sasvary und dessen Partnerin Jasmin Hofmann ­haben auf der bescheidenen 25 x 25-Millimeter-Fläche eines jeden Würfelquadrats die Reminiszenzen eines weltläufigen Künstlerlebens verewigt: Reisen durch Syrien noch vor dem Krieg, eine Serie mit exotischen Schmetterlingen, Marktszenen aus Pakistan und Indien. Da posieren seltsame Tiere neben Porträts von Damen und Herren von Welt wie dem Psychoanaly­tiker Sigmund Freud oder der Queen.

Die wiederum hat man bunt durcheinandergewürfelt mit Porträts von Mark Sasvarys vor 100 Jahren verstorbenen Verwandten, die niemand kennt. Nicht mal Sasvary selbst. Wenige Werke sprengen durch ihre Hängung die serielle Reihung – etwa der nahe an der Galeriedecke schwebende Astronaut.

Täglich fünf Werke gemalt

Verbirgt sich hinter diesen nach Komplementärfarben geordneten Würfelreihen eine Biografie in Bildern? Oder wird hier das Leben als Zufallswurf gefeiert, mit all seinen Unregelmässigkeiten? Zweieinhalb Jahre hat das Paar an den 2500 Miniaturbildern gearbeitet, die es auf selbst zugeschnittenen und schwarz eingefärbten Holzwürfeln aufgezogen nun an die Frau und an den Mann bringt. Für Sasvary bedeutete das: täglich fünf Bilder.

«Wir haben nichts vereinfacht», erklärt der Künstler. Die Würfel bieten keine reduzierte Weltsicht, sparen nicht mit Details. Auch grossformatig würden sie ihr Format behalten.

In dieser Verdichtung erinnert die Arbeit der beiden an die Mikrogramme des Schriftstellers Robert Walser (1878–1956). Der schaffte es einst, mit seinen ein bis zwei Millimeter hohen Bleistiftbuchstaben einen Roman auf nur 24 Seiten zu Papier zu bringen.

Manche Motive benötigten Stunden

Auch Mark Sasvary hat Markt­szenen in Indien und Pakistan in grosser Detailversessenheit mit dem Bleistift dokumentiert. Die Würfel, von denen ein paar auf die Grösse von Bouillon-Würfeln zusammengeschrumpft sind (15 x 15 mm), haben den Illustratoren hohe Konzentration abverlangt. Gewisse Motive benötigten Stunden. Ein Kollege habe Sasvary ermutigt, ausschliesslich Nasen zu malen. «Da wäre ich wohl in der Psychiatrie gelandet», so der Künstler.

Hofmann und Sasvary, die in Luzern die Fachklasse Grafik absolviert haben, leben seit über zwanzig Jahren in Zürich und sind Teil des Künstlerkollektivs Sirup. Ihm gehören auch die Illustratorinnen Vera Eggermann und Elisabeth Herrmann sowie Felice Bruno an. Letzterer gestaltete im vergangenen Jahr für die «Zentralschweiz am Sonntag» das Weihnachtsfrontbild.

Bilder im Kreditkartenformat

1995 trat das Kollektiv erstmals mit einer Ausstellung in Erscheinung. Fünfmal 365 Bilder, alle auf Kreditkartengrösse genormt und in Plastik gehüllt, waren in der alten Kunsthalle Luzern in direkter Nachbarschaft zum riesigen Bourbaki-Panorama ausgestellt. Mancher Käufer trägt die Kärtchen noch heute in seinem Portemonnaie mit sich herum. 2015 waren sie abermals in der Galerie Vitrine zu sehen.

«Will man mit einem Bild auffallen, macht man es entweder sehr klein oder sehr gross», erklärt Sasvary das Konzept, das auch dieses Mal beibehalten wurde – was man den beiden Künstlern vorwerfen kann.

Doch die Alltagstauglichkeit ihrer Objekte hat auch ihren Reiz. Sie fördert die Verbreitung der Bilder ausserhalb des Galeriekontextes – nicht immer ohne Risiko. Denn im schlimmsten Fall landet dieses Jahr einer der Würfel in einem Adventskalendersäckchen.

«Miniaturbilderkosmos». Mark Sasvary und Jasmin Hofmann. Galerie Vitrine, Stiftstrasse 4, Luzern. Vernissage: heute Sa, 14 bis 22 Uhr. Bis 22. Dezember.

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