Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

In Halle von Andermatt müssen grosse Orchester flexibel sein

Das Quartett mit Lucerne-Festival-Solisten feierte einen grossen Abend. Das Chamber Orchestra of Europe tat sich schwer mit der Akustik.
Roman Kühne
Kraftvolle Solisten aus den Reihen des Lucerne Festival Orchestras: Raphael Christ (links), Jens Peter Maintz und Raphael Sachs. Im Hintergrund Benjamin Grosvenor. (Bild: Valentin Luthiger, PD)

Kraftvolle Solisten aus den Reihen des Lucerne Festival Orchestras: Raphael Christ (links), Jens Peter Maintz und Raphael Sachs. Im Hintergrund Benjamin Grosvenor. (Bild: Valentin Luthiger, PD)

Eigentlich hatte man das Gefühl, es könne nicht mehr besser werden. Dann kam dieser Brahms. Wie ein Vulkan bricht er in die «Ohs und Ahs» über das Feuerwerk vor der Pause. Die drei Solisten des Lucerne Festival Orchestra – der Konzertmeister Raphael Christ an der Violine, die Stimmführer Raphael Sachs und Jens Peter Maintz an Viola und Cello – spielen sich in Johannes Brahms’ «Klavierquartett Nr. 1» die Seele aus dem Leibe.

Der Engländer Benjamin Grosvenor ergänzt das Trio hervorragend am Piano, kreiert zusammen mit den drei Musikern vierzig Minuten pure Leidenschaft. Das Werk hat Dichte, Spannung und Intensität. Aber auch Spielwitz, Federung und Geist. Der feurige Schlusssatz ist ein Wechselbad der Gefühle, ein Krimi, wo die vier Solisten die verschiedenen Melodien immer hektischer in die Runde werfen. Das Publikum ist begeistert.

Einzigartiges Werk von Mahler

Schon der erste Teil brachte brillante Musik. Das Klavierquartett in Es-Dur von Mozart ist ohne leichtfertige Routine, reich an Tiefe und Facetten. Und das selten gespielte «Klavierquartett» von Mahler – dieser erste Satz ist das einzige erhaltene Kammermusikwerk des grossen Sinfonikers – erklingt als grenzenloses, wogendes Ungetüm. Getrieben und nahe am Abgrund.

Das Konzert dieses Quartetts ist musikalisch der Höhepunkt dieses ersten dreitägigen Herbstfestivals in Andermatt. Unter der Ägide des jungen englischen Teams aus Maximilian Fane, Roger Granville und Frankie Parham («Apero» vom Montag 14. Oktober) sollen hier drei Konzertserien im Herbst, Winter und Sommer die Andermatter Konzerthalle füllen. Es zeigt sich erneut, dass die 650 Zuschauern Platz bietende Halle für kleinere Ensembles bestens geeignet ist. Akustisch und atmosphärisch braucht die Qualität keinen Vergleich zu scheuen. Die Zusammenarbeit mit dem Lucerne Festival für die Herbstserie hat sich voll ausgezahlt.

Nicht ganz so klar ist der Fall beim mit etwas über 60 Musikern aufspielenden Chamber Orchestra of Europe unter Daniel Harding. Ihr Konzert ist akustisch schwierig einzuordnen. Positiv: Man sitzt als Zuschauer «mittendrin», umhüllt von Musik und Verdichtung. Ein ganz spezielles Konzerterlebnis.

Schwieriger: der Klang. Dies mag einerseits an der Stückwahl liegen. Beim Eröffnungskonzert der Berliner Philharmoniker im Juni erklangen Mozart und eine Kammersinfonie von Schostakowitsch. Diesen Samstag werden die «Slawischen Tänze» von Antonín Dvořák und die zweite Sinfonie von Johannes Brahms gespielt. Beide Stücke sind wuchtig besetzt, mit vielen Einsätzen im Blech.

In den lauten Stellen verschwindet manches

Der Saal hat seine Tücken. Die Blechbläser sitzen unter dem tiefen Dach, während die Streicher und das Holz sich in der viel höheren Konzerthalle befinden. Zusammen mit den engen Arkaden auf der Seite gibt dies einen teils harten Klang. In den lauten Stellen verschwindet manches. Die Intonation ist für die Musiker schwierig. Ein Bläser zeigte sich in der Pause überrascht, dass sie «sehr laut» seien. Auf der Bühne nehmen die Musiker dies offenbar ganz anders wahr. Die «Verstärkung» hat damit wenig bis nichts zu tun. Sie macht den Saal akustisch nur weiter, nicht lauter.

Das Chamber Orchestra of Europe und Daniel Harding ­gehen zu wenig auf die lokalen Gegebenheiten ein. Damit hier romantische Werke klingen, braucht es luftiges Spiel und ein präzises Feintuning im Klang. Die Berliner haben bereits ­gezeigt, was möglich ist. Kein Wunder, sind es vor allem die ruhigeren Teile, wie der zweite und dritte Satz bei Brahms, die am Konzert ihre volle Wirkung entfalten. Das «Adagio» hat Leichtigkeit, Fluss und Seele. Das kammermusikalische «Allegretto grazioso» ist klar und stimmig. In den feurigen Ecksätzen sind die vielen Details und die Ausgewogenheit des Klangs jedoch schwierig zu greifen.

Fazit: Die Orchester müssen sich auf die spezielle Akustik des Saals vertieft einlassen. Für Kammermusik ist die Konzerthalle jedoch ohne Abstriche optimal geeignet. Die folgenden Festivals setzten auch vermehrt auf kleinere Formationen. Damit ist Andermatt sicher auf einem vielversprechenden Weg.

Winterfestival: Mittwoch, 15., bis Samstag, 18. Januar 2020. Konzerthalle Andermatt. www.andermattmusic.com

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.