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Bregenzer Festspiele: In Figaros Sevilla geht die Post ab

Briefchen hier, Getuschel da: Brigitte Fassbaender inszeniert Rossinis Opernkomödie «Der Barbier von Sevilla» als spritzige, bis aufs i-Tüpfelchen präzise Liebeserklärung an die analoge Kommunikation – mit starken jungen Stimmen.
Bettina Kugler
Per Velo zu Diensten: Figaro (Martin Mkhize) mit Almaviva (Linard Vrielink) und Rosina (Svetlina Stoyanova). (Bild: Karl Forster/Bregenzer Festspiele)

Per Velo zu Diensten: Figaro (Martin Mkhize) mit Almaviva (Linard Vrielink) und Rosina (Svetlina Stoyanova). (Bild: Karl Forster/Bregenzer Festspiele)

Vor und hinter den Kulissen der Festspiele haben sich viele gefreut auf diese Premiere im Kornmarkttheater: Endlich eine Komödie! Düster genug geht es ansonsten rundherum zu dieses Jahr, sei es in «Carmen» auf dem See, in «Beatrice Cenci» im Festspielhaus oder Thomas Larchers «Das Jagdgewehr» auf der Werkstattbühne. Da wird es höchste Zeit, auch an die Lachmuskulatur des Publikums zu denken. Dazu ist Rossinis «Barbier von Sevilla» in der Inszenierung von Brigitte Fassbaender allererste Wahl. Seit Jahren coacht die gefeierte Mezzosopranistin die jungen Sänger des Bregenzer Opernstudios; nun bringt sie zudem ihre grosse Regieerfahrung ein.

Auf die Bühne kommt selbstredend die italienische Originalfassung, mit Übertiteln, die man getrost ignorieren kann – so lebhaft wird in den kurzweiligen zweieinhalb Stunden gesungen und gespielt, so glasklar bis ins Detail führt Brigitte Fassbaender die Figuren. Beileibe nicht nur Figaro, als Barbier nimmermüdes Faktotum von Sevilla: zu Diensten hier, zu Diensten da, am liebsten, wenn der heftig verknallte Almaviva seine Brieftasche öffnet. Es gilt, Rosina ihrem Vormund Bartolo abspenstig zu machen. Der will sein Mündel nicht nur einsperren und kontrollieren, sondern baldmöglichst ehelichen. Motiv ist altersgeile Liebe, sicher. Aber auch Rosinas Mitgift.

Ein Schreibtisch voller Heimlichkeiten

Mit Witz und keineswegs bruchloser Sympathie stellt Brigitte Fassbaender die Figuren auf die Bühne. Wobei von «stellen» keine Rede sein kann: Ruhepausen gibt es in Rossinis Kosmos keine; selten steht jemand untätig herum. Das macht auch kleine Rollen reizvoll. Haushälterin Berta etwa darf lange vor dem ersten Ton ausgiebig zeigen, wie in Sevilla und im Hause Bartolo die Post abgeht. Dafür hat Dietrich von Grebmer eine nostalgische, aber multitaskingfähige Bühne gebaut: ein überdimensionales Schreibpult mit vielen Schubladen und Fächern für all die Briefe und Papiere, die hier versteckt und in rasantem Tempo ans Tageslicht gebracht werden. Schneller wären wohl Chats, und Martin Mkhize als Figaro sieht wirklich aus wie einer, der im nächsten Augenblick das Smartphone aus der Gesässtasche zieht. Doch der lässige Look trügt. Die Kommunikation in Sevilla ist alte Schule: Getuschel und Zettelchen. Im Spiel mit Bleistift, Poststempel und Briefkasten in XXL-Format schrumpfen die Sender und Empfänger auf Lilliputanergrösse.

Die jungen Alten ernten am meisten Applaus

Dafür kommt Fassbaenders junge Besetzung sängerisch gross heraus in diesem spritzigen «Barbier». Bezeichnend, dass die notorischen Ekel, Basilio (Stanislav Vorobyov) und Bartolo (Misha Kiria) am kräftigsten gefeiert werden. Beide überzeugen mit sonorem, farbenreichem Bass, flinker Zungenfertigkeit und gewaltiger Präsenz. Was man im Falle Bar­tolos, dem Mann mit der Fernbedienung, wörtlich nehmen muss: Er ist ein Grobian und Lüstling; er grapscht, wo er kann.

Umso zarter und lyrischer Tenor Linard Vrielink als Almaviva: ein knabenhafter Luftikus. Er braucht einen von Selbstbewusstsein strotzenden Gehilfen – mit Wendigkeit und brillanten Spitzentönen empfiehlt sich hierfür Martin Mkhize als Figaro. Er hätte Rosina eigentlich verdient, die Svetlina Stoyanova so keck und koloraturenstark gestaltet, unverzagt und dreist. Gut, dass das Sinfonieorchester Vorarlberg unter Daniele Squeo auch sanftere Pastelltöne nicht vernachlässigt.

Weitere Vorstellungen: 16./18.8., 19.30 Uhr, Kornmarkttheater Bregenz.

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