In Zürich arbeitet Matthias Pintscher weiterhin

Die Ersatzdirigenten für den zurückgetretenen Dirigenten der Academy sind gefunden. Aber dass Pintscher andernorts seine Engagements wahrnimmt, rückt die Frage eines unangemessenen Verhaltens in Luzern ins Zentrum.

Urs Mattenberger
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Matthias Pintscher als Dirigent des Lucerne Festival Academy (Bild: Priska Ketterer / Lucerne Festival (Luzern, 25. August 2018))

Matthias Pintscher als Dirigent des Lucerne Festival Academy (Bild: Priska Ketterer / Lucerne Festival (Luzern, 25. August 2018))

Lucerne Festival äussert sich weiterhin nicht zu den Gründen für das abrupte Ausscheiden von Matthias Pintscher aus der Festival-Akademie. Am Mittwoch war überraschend bekannt geworden, dass der Dirigent und Komponist seine Rolle als Principal Conductor wie auch alle Auftritte ab sofort nicht mehr wahrnehmen könne. Allerdings verdichten sich die Hinweise, dass ein persönliches unangemessenes Verhalten von Seiten des Dirigenten zu diesem Schritt geführt hat.

«Künstlerische Differenzen» hatte das Festival auf Anfrage unserer Zeitung klar ausgeschlossen und statt dessen auf nicht weiter präzisierte «persönliche Gründe» verwiesen. Inzwischen ist aber klar, dass diese persönlichen Gründe nicht mit gesundheitlichen Problemen zusammenhängen können, die Pintscher verunmöglichen würden, seinen Verpflichtungen nachzugehen. So bleibt nämlich Pintschers Rolle als Creative Chair beim Tonhalle-Orchester Zürich vom Rücktritt in Luzern unberührt.

Ersatzdirigenten aus Pintschers Academy

«Wir haben von Lucerne Festival keine Informationen über die Gründe, die zu diesem Schritt führten», sagt Christian Schwarz, Pressesprecher der Tonhalle-Gesellschaft Zürich, auf Anfrage: «Deshalb betrachten wir das als eine Luzerner Angelegenheit zwischen Matthias Pintscher, dem Festival und seiner Academy.» Wenn etwas geschehen wäre, was das Tonhalle-Orchester tangieren könnte, müsste dieses reagieren: «Aber momentan gibt es keinen Grund und keine Anzeichen für eine solche Annahme.»

Damit grenzt sich der Kreis für die Spekulationen um die persönlichen Gründe ein auf eine zentrale Frage: Hat ein unangemessenes Verhalten von Pintscher als Orchesterleiter der Academy diesen Schritt ausgelöst – und wenn ja, welches? Zu solchen Fragen nimmt das Festival keine Stellung. Auch das Management von Pintscher war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Gelöst hat das Festival dagegen die Frage, welche Dirigenten in den anstehenden Konzerten des Sommerfestivals Pintschers Aufgaben übernehmen. Jaehyuck Choi, Peter Eötvös und Ruth Reinhardt übernehmen die Dirigate der noch ausstehenden Konzerte des Orchesters der Lucerne Festival Academy. Jae­hyuck Choi dirigiert in beiden Konzerten am 9. September um 18.30 Uhr und 21 Uhr gemeinsam mit Sir Simon Rattle und Duncan Ward Stockhausens «Gruppen». Ruth Reinhardt leitet «No hay caminos, hay que caminar ... Andrej Tarkowskij» von Luigi Nono am 9. September im Sinfoniekonzert um 19.30 Uhr. Peter Eötvös leitet das Orchester am 12. September in der Elbphilharmonie Hamburg.

Es stellt Pintschers Arbeit an der Academy ein gutes Zeugnis aus, dass damit quasi Academy-eigene Kräfte zum Einsatz kommen. Die Dirigentin Ruth Reinhardt (*1988) ist diesen Sommer als Assistenzdirigentin bei der Academy tätig, der südkoranische Komponist und Dirigent Jaehyuck Choi (*1994) nimmt als Conducting Fellow an der Lucerne Festival Academy teil.

Lucerne Festival Academy hat keinen Chefdirigenten mehr

Matthias Pintscher ist nicht mehr länger als Chefdirigent der Lucerne Festival Academy tätig. Er ist aus persönlichen Gründen ausserstande, seinen weiteren Verpflichtungen im Rahmen der Lucerne Festival Academy nachzukommen.