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INDIE: Vier Prototypen der kreativen Elite

Es ist Chaos, aber es funktioniert: Grizzly Bear waren jahrelang die Lieblingsband junger Städter. Dann flohen sie aufs Land. Auf ihrem Album «Painted Ruins» schauen sie gelassen zurück.
Erwachsen geworden: Chris Taylor, Christopher Bear, Ed Droste, Dan Rossen sind Grizzly Bear. (Bild: PD)

Erwachsen geworden: Chris Taylor, Christopher Bear, Ed Droste, Dan Rossen sind Grizzly Bear. (Bild: PD)

Eine amerikanische Band, die im Schneidersitz auf der Bühne sitzt, Harfen zupft und Klarinetten bläst. Daraus wummernde Klanglandschaften strickt, aus denen dann und wann aktive

Vulkane organisierte Lärmausbrüche spucken. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass aus dieser Band einst was ganz Grosses werden würde. Die letzten beiden Alben der Grizzly Bear brachten sie in die vorderen zehn Ränge der US-Charts, und ihre Tourneen waren fast restlos ausverkauft.

Nicht zur reinen Motto-Band verkommen

Kritiker sind sich einig, dass der Erfolg der vier New Yorker viel mit ihrer Offenheit und Authentizität zu tun hat. Während andere Folk-angehauchte Indiebands mehr und mehr zu Motto-Truppen verkommen, bleiben sich Grizzly Bear treu und entwickelten sich fortlaufend aus sich heraus weiter. Nun, nach fünf Jahren Stille überraschen sie mit ihrem Folgealbum «Painted Ruins». Und positionieren sich, trotz Mainstream-Status, sperriger denn je in der Pop-Landschaft. Die elf Stücke sind weniger Songs als Entführungsversuche; in wild verästelte Landschaften. Die Stimmungen ist meist melancholisch. Die Platte funktioniert wie eine Waschmaschine, mit der sie ihre frühen Dreissiger von Komplikationen und Tiefs reinwaschen. Der Titel «Painted Ruins» ist die perfekte Metapher dafür: Das Quartett ist künstlerisch und vor allem persönlich noch mal in sich gegangen. Sie haben die Ruinen ihrer Vergangenheit mit einer durchaus fröhlichen Farbpallette bearbeitet. Schon im ersten Song singt Ed Droste «it’s complicated but it works». Dies gilt auch für den stets komplexen Aufbau ihrer neuen Songs. Ständige Takt- und Stimmungswechsel dominieren die Platte. Ordnungsfanatiker werden sich beim Versuch, die Platte zu schubladisieren, Haare ausreissen. Rezepte, wie man ein Lied schreibt, werden von Grizzly Bear gekonnt ignoriert. Einflüsse aus ihren von der Elektronik, dem Jazz und der Filmmusik geprägten Nebenprojekten dominieren umso mehr.

Ode an die Langsamkeit und das Leben fern der Stadt

Langweilig wird es beim Hören nicht. «Es wäre schön, wenn ihr mit dem Album etwas Zeit verbringen könnt, bis es sich richtig entfaltet», bittet Sänger Ed Droste auf Instagram. Das Album ist ein stilles Statement an das langsame Leben, das auch bei der Band eine grosse Rolle spielt. Vor einiger Zeit zogen sie weg aus dem wilden Brooklyn in die sonnigen Vororte von Los Angeles. Sänger Ed Droste bereiste die ruhigsten Orte der Welt (nicht zuletzt wegen der Liebe öfters auch die Schweiz). Bassist Chris Taylor begann für Spitzenrestaurants zu kochen und schrieb ein Rezeptbuch. Und Gitarrist Dan Rossen kaufte sich eine Farm und gründete eine Bienenzucht.

«It’s complicated but it works.» Ed Droste und seine Mannen stehen dazu, dass es nicht leicht ist, dieses Älterwerden. Doch es steht ihnen gut.

Marco Kamber

Grizzly Bear: «Painted Ruins», RCA Records

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