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Ein Titel inspiriert von Bill Clinton

Elvira Dones lebt im Tessiner Dorf Meride. Die beschauliche Ruhe des Ortes kontrastiert mit ihrem soeben auf Deutsch erschienenen Roman «Kleiner sauberer Krieg».
Beat Mazenauer/SDA
Elvira Dones (Bild: Getty)

Elvira Dones (Bild: Getty)

In ihrem neuen Roman beschreibt Elvira Dones mit aller Härte den 78-tägigen Kosovo-Krieg im Frühling 1999. Die Begegnung mit Elvira Dones in der kleinen Bar «Incontro» am Dorfplatz von Meride führt denn auch gleich mitten ins Thema. «Ich bin geradezu titelbesessen», erwidert sie, angesprochen auf den Sarkasmus im Titel ihres Romans. Bill Clinton habe ihr dabei geholfen, weil er seinen Truppen einen «kurzen perfekten» Krieg ohne eigene Opfer versprochen habe. «Dieser Titel sprang mich förmlich an, er enthielt diesen schrecklichen Zynismus.»

Der überfliegenden Optik aus dem Bomber stellt Elvira Dones in ihrem Roman die Perspektive von unten gegenüber. Schonungslos und ungeschönt schildert sie die Grausamkeit, mit der serbische Soldaten und Freischärler damals die kosovarische Bevölkerung quälten. Im Zimmer, heisst es einmal, «waren noch Reste von Knochen und Fleisch und Haut eines winzigen Rumpfes zu erkennen», daneben der Kopf, «dieser schwarze Ballen undefinierbarer Materie». Die beiden Hauptfiguren Nita und Rea werden Zeuginnen dieser «nature morte».

Aus weiblicher Perspektive erzählt

Es sind vorab die Frauen, die unter der «Sauberkeit» des Krieges litten, hat Elvira Dones im Kosovo erfahren. Als sie im Herbst 1999 zu einer Lesung nach Pristina eingeladen wurde, sah sie eine Stadt in Trümmern, in denen der Geruch des Krieges allgegenwärtig war. Sie lernte hier Frauen kennen, die «mit solch einer Würde» von all den widerfahrenen Torturen erzählten – «und am Ende sagten sie: Sorry, dass wir dich damit behelligt haben.» Für sie habe sie ihr Buch schreiben müssen.

«Kleiner sauberer Krieg» ist eine exakt recherchierte Dokumentation und zugleich eine Fiktion, die eine literarische Wahrheit des serbisch-kosovarischen Konflikts festhält. Die Recherche liegt der 1960 geborenen Autorin und Dokumentarfilmerin im Blut. Nach einem Literaturstudium in Albaniens Hauptstadt Tirana arbeitete sie 1988 beim staatlichen Fernsehen, als sie der Liebe wegen von einer Dienstreise in die Schweiz nicht mehr heimkehrte. Im Tessin begann sie zu schreiben und für das Tessiner Fernsehen Dokumentarfilme zu drehen. Von 2004 bis 2015 lebte sie mit ihrer Familie in den USA. Hier bewies sie ihre Vorliebe für «harte, schwierige Stoffe». Sie drehte zwei Porträts über Gefangene, die auf ihre Hinrichtung warten. Mehrfach hat sich Elvira Dones auch filmisch mit ihrer Heimat Albanien auseinandergesetzt, etwa mit der Blutrache.

Elvira Dones: Kleiner sauberer Krieg. Ink Press, 200 S., Fr. 29.-

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