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Performance im Südpol: Inspiriert von den Fake-Meistern

Die Performance «Oh! You Pretty Things» handelt von Fake – zwischen Bowie und Trump, Ironie und Ernst.
Regina Grüter
Youtuberin Nikki Glitter (Nicole Lechmann) weiss, wie man berühmt wird. (Bild: PD/Christian Felber)

Youtuberin Nikki Glitter (Nicole Lechmann) weiss, wie man berühmt wird. (Bild: PD/Christian Felber)

«Um den Durchbruch zu schaffen, musste ich am Anfang ein bisschen für Drumherum sorgen.» Mit «Drumherum» meinte David Bowie (1947–2016) die Erschaffung seiner Kunstfigur Ziggy Stardust. In der grossen Halle vom Südpol steht am Dienstagabend auch ein Schminktisch, darauf ein Perückenkopf. Man würde sich die orange Perücke gerne überziehen und sich ein bisschen Glitzer ins Gesicht schmeissen. Und mit Ziggy-Stardust-Vokuhila-Frisur die Alternativwelt erforschen, die das Kollektiv «hirshin& gaul» für die Performance «Oh! You Pretty Things», nach Bowies Song benannt, erschaffen hat. Mit einer Welt des Fake-­Fame, in der sie sich als Pretty Things neu erfinden, knüpfen sie an frühere Produktionen an.

Wer nun aber glaubt, einer Glam-Show beizuwohnen, sieht sich getäuscht. Hier steht nicht das Kollektiv, die Glam-Rock-Band, im Vordergrund. Die Rockstars haben ihre Rolle abgelegt und suchen – wohl im Glitzerkostüm – nach alternativem Starpotenzial in sich selbst. Sie haben sich für «Faketopia» von den Meistern des Fake inspirieren lassen. Von Bowie genauso wie von Donald Trump.

Jeder hat seine ­ eigene Bühne

Sechs eigenständige Bühnenplaneten sind rund ums Zentralgestirn – die Konzertbühne – angelegt. Doch eigentlich ist es, mit Leinwand und Mischpult ein­ander gegenüberliegend, ein Achteck. Nicht zu vergessen die Bar unter der Leinwand, wo man sich Getränke (tatsächlich echte) kaufen kann. Per Videoübertragung laufen sie als Normalos ein und – Vorhänge auf – stehen als Pretty Things auf ihrer jeweiligen Bühne. In diesem «begehbaren Reality-Format» kann sich das Publikum frei bewegen. Bisweilen ist man etwas unentschlossen, wem man sein Gehör schenken soll, vielleicht auch ein bisschen überfordert. Doch das gehört zum Spiel.

Larry Glitter (Larissa Lang) und Conny Glitter (Kornelia Cichon) beginnen gemeinsam mit ihrer Performance. Sex zieht mehr als das Sozialleben von Bäumen, also zieht es einen erst mal in die Nähe von Conny ­Glitter, die sich als pansexuel- les ­Science-Fiction-Wesen, als Homo superior, inszeniert. Doch den wahren Larry Glitter lernt man noch kennen, als schizophrenen Umweltaktivisten.

Der letzte Mensch auf Erden zu sein, das wäre schon geil. Christelle Glitter (Christoph Fellmann) träumt sich seine Endzeit herbei, mit ihm als «ultimativem Star» mit ultimativer Botschaft ans Universum. Er konkurriert mit dem abgespacten Klangtüftler Jean Glitter (Hans-Peter Pfammatter), der ins All hinaushorcht, um neue Räume zu erschliessen. Und wollten Sie schon immer berühmt werden? Dann folgen Sie dem 3-Stufen-Tutorial von Youtuberin Nikki Glitter (Nicole Lechmann). Besondere Talente brauchen sie nicht.

Im Fake zu ­ sich selber finden

Sex, geil. Macht, geil. Geld, Ruhm, geil. Manchmal passen einem alternative Fakten ganz schön in den Kram. Dann fühlt man sich in seinen Verschwörungstheorien bestätigt, in seinem Narzissmus, in seinen Allmachts- und Übermachtsfantasien, in seiner Einzigartigkeit. Das ist entlarvend. Und doch fragt man sich: Was ist authentisch, was Fake an «Oh! You Pretty Things»? Was ironisch, was ernst? Die Linie ist schwer zu ziehen. Am eindringlichsten wird es, wenn I-Fen Lin alias Izzy Glitter ihre Friedensbotschaft einfach tanzt.

Bowie hat Ziggy Stardust 1973 sterben lassen. Er hat im Fake zu sich selber gefunden, sozusagen. Er hat sich für David Bowie entschieden. Verlässt man den Südpol, entscheidet man sich auch gerne wieder für sich selbst – und gegen das Drumherum mit Ziggy-Perücke. Wie die Künstler wohl auch.

Bis 19. Oktober, jeweils 20 Uhr, Südpol, Kriens; www.sudpol.ch.

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