Intendant Christian Weidmann verlässt das argovia philharmonic

Fast acht Jahre war er der künstlerische Kopf des argovia philharmonic. Nun bricht Christian Weidmann auf ins Tessin zu neuen Ufern. Er hat stark zur Modernisierung und Professionalisierung des Orchesters beigetragen.  

Stefan Künzli
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Christian Weidmann bei den Proben am Schloss Hallwil im Jahr 2018: Der Rücktritt ist ihm schwer gefallen.

Christian Weidmann bei den Proben am Schloss Hallwil im Jahr 2018: Der Rücktritt ist ihm schwer gefallen.    

(Bild: Fritz Thut) 

Seit 2002 hat Christian Weidmann das Aargauer Orchester begleitet und die Entwicklung massgeblich geprägt. Per Ende der Saison 2020/21 hat er bei argovia philharmonic gekündigt, um sich als künstlerischer und administrativer Direktor des Orchestra della Svizzera Italiana einer neuen beruflichen Herausforderung zu stellen.

Weidmann verlässt den Aargau gemäss eigener Aussage «mit einem weinenden Auge». «Mit dem argovia philharmonic habe ich in den vergangenen bald acht Jahren eine tiefe, unbeschreiblich beglückende Beziehung aufgebaut», sagt er. «Ich durfte im Aargau unzählige schöne Erfahrungen machen und ebenso viele spannende Menschen kennen lernen. Für diese persönlich wie beruflich bereichernden Erlebnisse werde ich immer dankbar sein.»

Sein Abgang fällt in einen «wichtigen Moment». Die Wahl des Norwegers Rune Bergmann zum neuen Chefdirigenten und der in gut einem Jahr bevorstehende Einzug in die Alte Reithalle haben ihm diesen Entscheid «doppelt schwer» gemacht. «Der Gedanke, das argovia philharmonic und Rune Bergmann nicht in die neue Ära und in die Alte Reithalle begleiten zu können, schmerzt sehr», sagt er weiter. Dem Angebot aus Lugano konnte er aber nicht widerstehen. «Das Angebot war so überraschend wie innerlich verpflichtend: Auch wenn der Plan eigentlich ein anderer war, so scheint nach bald zehn Jahren der nächste Schritt, die neue Herausforderung, die so natürlich auf mich zugekommen ist, nichts als die logische Folge, der ich mich nicht entziehen kann.»

Das Orchester professionalisiert und modernisiert

Die Verdienste von Christian Weidmann für das Aargauer Orchester Nr. 1 sind gross. 2012 wurde der Bündner Geschäftsführer beim damaligen Aargauer Symphonie-Orchester. In dieser Funktion hat der ausgebildete Geiger mit Lehr- und Konzertreifediplom gewirbelt und geweibelt wie kein anderer Geschäftsführer vor ihm. So wurde er 2015 folgerichtig zum ersten Intendanten in der Geschichte des Aargauer Orchesters. In dieser Position hat er die Gesamtverantwortung für die künstlerischen Inhalte übernommen, die er zusammen mit dem damaligen Chefdirigenten Douglas Bostock erarbeitete. Die Umbenennung in argovia philharmonic geht ebenso auf Weidmann zurück wie die zunehmende Professionalisierung und Modernisierung des Orchesters. Dazu konnten in dieser Zeit die Besucher- und Abozahlen markant gesteigert werden. «Ich schätze mich glücklich, dabei mitgeholfen zu haben, das argovia philharmonic an einen Punkt zu bringen, wo das enorme Potential dieses Orchesters sichtbar wird und bereit ist, freigelegt zu werden», sagt er dazu.

Argovia philharmonic hat in der Ära Weidmann einen grossen Schritt vorwärts gemacht. Der Prozess ist aber noch nicht abgeschlossen. Denn für Weidmann steht das Orchester«kurz vor einem grossen Qualitätsschritt».

Bis Juni 2021 ist Weidmann in einer Doppelfunktion

Schon am 1. August 2020 tritt Christian Weidmann seine neue Stelle im Tessin an. Er tritt dort die Nachfolge von Denise Fedeli an, die Orchestra della Svizzera Italiana dreizehn Jahre lang erfolgreich geführt hat. Gleichzeitig bleibt Weidmann aber, bis längstens Ende Juni 2021, als Intendant für das argovia philharmonic verantwortlich. Diese Doppelbelastung möchte Christian Weidmann in seiner Verantwortung gegenüber dem argovia philharmonic übernehmen, damit man sich für die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger, die bereits eingeleitet ist, genügend Zeit nehmen kann. Froh und dankbar ist argovia philharmonic auch, dass Weidmann bereit ist, im Vorstand des Trägervereins Einsitz zu nehmen, um die in den letzten Monaten zusammen mit dem designierten Chefdirigenten Rune Bergmann und dem Vorstand des Trägervereins ausgearbeiteten Pläne und Visionen weiter umzusetzen.