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INTERVIEW: Eluveitie – Auf den Spuren der Kelten

Die Folk-Metal-Band Eluveitie spielt am Rüchä Rock in Unterschächen. 150 bis 200 Konzerte geben die neun Musiker jedes Jahr. Sänger Chrigel Glanzmann sagt, weshalb sie mit Wissenschaftlern zusammenarbeiten.
Die Folk-Metal-Band Eluveitie mit Sänger Chrigel Glanzmann (Bildmitte). (Bild: PD)

Die Folk-Metal-Band Eluveitie mit Sänger Chrigel Glanzmann (Bildmitte). (Bild: PD)

Interview: Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Chrigel Glanzmann, Sie spielen mit der Band Eluveitie an grossen Festivals vor Tausenden von Menschen. Wie ist es für Sie, am doch eher beschaulichen Open Air Rüchä Rock in Unterschächen aufzutreten?

Wir freuen uns drauf. Es ist immer schön, in der Schweiz zu spielen. Uri ist eine Gegend, in der wir nicht so oft auftreten. Für uns macht es aber keinen Unterschied, ob wir vor 20 oder vor 80 000 Menschen spielen. Ich persönlich habe lieber grosse Konzerte, denn da ist auch die Bühne entsprechend grosszügig gebaut. Darauf kann ich mich frei bewegen, ohne Gefahr zu laufen, mit einem Bandkollegen zusammenzustossen.

Da kommen Ihnen die Organisatoren des Rüchä Rock entgegen. Die Open-Air-Bühne wird für Ihre neunköpfige Band extra grösser gebaut als in früheren Jahren.

Das freut mich. Wir versprechen, unseren Fans eine tolle Show zu bieten.

Ihre bekannten Songs wie «Call Of The Mountain» haben bei Youtube mehr als 16 Millionen Aufrufe. Das ist eine stolze Zahl. Trotzdem: Können Sie von Ihrer Musik leben?

Die CD-Verkäufe sind nicht mehr so gut, wie sie es in den 1980er-Jahren waren. Von der Musik zu leben, ist tatsächlich schwierig. Wir sind neun Personen auf der Bühne. Und da kommt noch die ganze Crew dazu. Wir leben aber seit einigen Jahren von der Musik, wenn auch bescheiden. Aber es ist okay für uns. Wir sind viel unterwegs und spielen auf jedem Kontinent der Erde. Durchschnittlich geben wir 150 bis 200 Konzerte im Jahr. Wenn wir ein neues Album herausbringen, gehen wir jeweils auf Welttournee, die zwei oder zweieinhalb Jahre dauert. Dabei spielen wir rund 400 Konzerte.

Das ist eine fast unglaubliche Zahl. Gibt es Unterschiede, wie das Publikum reagiert?

Ja, es gibt tatsächlich Orte, an denen das Publikum ganz anders ist. So unterscheiden sich Indien und Südafrika kulturell stark von uns. Sonst reagieren die Menschen aber eigentlich überall auf der Welt ganz ähnlich. Ein Metal-Fan bleibt eben ein Metal-Fan. Das zeigt doch, wie sehr Musik fähig ist, die Menschen zu vereinen – unabhängig von Ort und Gesellschaftsschicht.

Hilft es, dass Sie Englisch singen und somit überall verstanden werden?

Eluveitie singen nicht nur Englisch. Wir haben relativ viele Songs, die in Gallisch, also in altkeltischer Sprache, gesungen sind. Die Sprache wurde vor 2000 Jahren auch in der Schweiz gesprochen. Ich erinnere mich an einen Auftritt in Indien. Wir spielten vor 20 000 oder 25 000 Menschen. Alle sangen unsere gallischen Lieder auswendig und aus vollem Herzen mit. Sie haben nicht verstanden, was sie singen, aber sie haben mitgesungen. Das hat mich sehr beeindruckt.

Ist der Bandname Eluveitie eine alte Bezeichnung für die Schweiz?

Jein. Wissenschaftlich gesehen ist es ein gallischer oder altkeltischer Familienname. Wörtlich heisst der Name: der Helvetier. Die Kelten waren eine der einflussreichsten Kulturen in Europa. Es war eine sehr langlebige Kultur. Sie haben Spuren bis in die heutige Zeit hinterlassen. Nicht zuletzt auch der Name ist geblieben, auch wenn das erst vor 200 Jahren wieder aufgenommen worden ist. Die Bezeichnung Helvetische Republik zeugt davon.

Welche Botschaft wollen Sie den Fans übermitteln?

Gar keine. Ich bin kein Fan davon, Musik als Plattform für Botschaften zu missbrauchen. Wenn jemand an ein Metal-Konzert geht, will er in erster Linie eine gute Zeit haben und gute Musik geniessen. Wer sich belehren lassen will, der geht in die Kirche, an eine politische Veranstaltung oder an die Uni. Mir wiederstrebt es, den anderen etwas zu erzählen und ihnen zu sagen, was gut oder nicht gut ist.

Aber trotzdem: Wenn man genau hinhört, sind Ihre Texte doch alles andere als oberflächlich?

Jeder Text hat eine Bedeutung, ist vielschichtig und tiefgründig. Meistens versteht man nicht sofort alles. Wir arbeiten mit diversen Wissenschaftlern und Universitäten aus ganz Europa zusammen. Mir ist es wichtig, dass meine Texte fundiert sind und auch akademisch standhalten.

Welche Songs liegen Ihnen besonders am Herzen?

Vor ein paar Jahren haben wir das Konzeptalbum «Helvetios» herausgegeben. Dabei wird die Geschichte der gallischen Krieger und ihres zehnjährigen Kriegs erzählt – mit all dem Grauen, das dazugehört hat. Wenn man sich damit näher auseinandersetzt, bringt es einen schon ins Grübeln. Ich bin erschrocken, wie viele Parallelen es zu aktuellen politischen Vorgängen gibt. Politpropaganda, Beeinflussung der Medien und all die schrecklichen Mechanismen: Das gab es damals schon – vor 2000 Jahren. Da fragt man sich, ob wir über all die Zeit nichts dazugelernt haben. Das darf doch nicht wahr sein. Das, was ich in meinen Texten erzähle, ist aber meine persönliche Meinung – und die will ich niemandem aufzwingen.

Tickets zu gewinnen

Unterschächen — Das Open Air Rüchä Rock findet am Freitag und Samstag, 21. und 22. Juli, statt. Die Band Eluveitie wird am Freitag als Headliner auftreten. Die Band aus dem Raum Winterthur kombiniert in ihrer Musik keltische Folklore mit Metal-Klängen. Eluveitie sind international unterwegs. Beim Rüchä Rock sind insgesamt zwölf Bands zu hören. Mit dabei sind am Freitag Flying Backwheels, Blow Job, Shadow’s Far, Comaniac und Sickret. Am Samstag rocken Dryhouse, The Marilyns, Tune Circus, Smools, Deathrope und die Single Malt Band. Die «Urner Zeitung» verlost 2-mal 2 Tickets für Freitag. Wer gerne gratis ans Open Air Rüchä Rock möchte, schickt bis Donnerstag, 13. Juli, ein E-Mail an: redaktion@urnerzeitung.ch. Notieren Sie bitte Ihre Adresse und Ihre Telefonnummer. Die Gewinner werden ausgelost und telefonisch benachrichtigt. (MZ)

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