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INTERVIEW: Schweizer Hollywood-Kameramann spricht über seine Erfahrung mit Harvey Weinstein

Der Schweizer Kameramann Ueli Steiger über seine Arbeit mit ­Hollywood-Star Jennifer Lopez, seine Erfahrung mit Harvey Weinstein und das neue deutsche Roadmovie «Simpel».
Reinhold Hönle
Ueli Steiger: «Beim Filmen gilt: Jede Minute zählt. Erst recht, wenn du draussen drehst.» (Bild: PD)

Ueli Steiger: «Beim Filmen gilt: Jede Minute zählt. Erst recht, wenn du draussen drehst.» (Bild: PD)

Reinhold Hönle

Der Zürcher Ueli Steiger absolvierte die London Film School und etablierte sich in Hollywood zu Beginn der 90er als Kameramann von Dennis Hopper. Mit Roland Emmerich drehte er «Godzilla» und «The Day After Tomorrow». Der 63-Jährige lebt mit seinem Ehemann, Maskenbildner Thomas Nellen, seit über 30 Jahren in Los Angeles.

Was bewegt einen Hollywood-Kameramann dazu, an einem deutschen Roadmovie mitzuwirken?

Vor acht Jahren hat mich ein alter Freund gefragt, ob ich bereit wäre, einen jungen Regisseur zu treffen, der damals in Los Angeles lebte. Ich habe mich mit Markus Goller sofort verstanden. Seither habe ich bei all seinen Filmen die Kamera gemacht.

Welches waren für Sie bei «Simpel» die besonderen Herausforderungen?

Nach der Besprechung und den Proben mit dem Regisseur gibt es am ersten Drehtag immer diesen Moment, in dem du all deinen Mut zusammennehmen und die Hemmungen, die man «Fear of shooting» nennt, überwinden musst. Bei «Simpel» haben wir in Norddeutschland zu drehen begonnen. Dort mussten sich die Protagonisten fast «füdliblutt» bei minus 5 Grad im Matsch des Wattenmeers wälzen.

Wie unterschieden sich die Produktionsbedingungen beim Film «Second Act», den Sie kürzlich in New York zu Ende gedreht haben?

Interessanterweise gar nicht so sehr! Bei einem Hollywood-Film hat man mehr Geld und eine etwas längere Vorbereitungszeit, aber es gilt genauso, eine Geschichte zu erzählen. Natürlich muss man sich bei einer Jennifer-Lopez-Komödie mehr auf den Star ausrichten, da es darum geht, sie schön zu machen. Das gehört nun mal zu meinem Beruf. Ein Star darf sogar zu spät kommen. Da muss man halt gewisse Kompromisse machen.

Wie war das bei «Simpel»?

Da mussten wir uns auch sehr gut vorbereiten – weil wir weniger Mittel und Zeit zur Verfügung hatten. Beim Filmen gilt jedoch immer: Jede Minute zählt! Erst recht, wenn du viel draussen drehst und die Tage im Winter kurz sind. Es war wahnsinnig stressig, weil sich die Sonne nicht einfrieren lässt und die Wolken kommen und gehen, wir aber trotzdem eine Kontinuität von Einstellung zu Einstellung brauchen.

Was würden Sie als Schlüsselerlebnis in Ihrer 40-jährigen Karriere bezeichnen?

Ein herausragendes Erlebnis war der Anruf von Dennis Hopper. An diesem Freitagabend in Zürich wurde ich erst einmal ohnmächtig. Dann habe ich mich zusammengerissen und bin gleich am nächsten Tag nach Los Angeles geflogen. Irgendwie hatte er mich tatsächlich auserwählt, mit ihm «The Hot Spot» und seine beiden letzten Filme als Regisseur zu machen. Zuerst dachte ich: «Jesses, das chan ich doch nöd!», aber dann sagte ich mir: «Ueli, jetzt gosch ane und machsch, was d chasch!» Ich habe dann klaren Kopf bewahrt und nicht so getan, als ob ich alles schon wüsste, sondern gute Leute um mich herum geschart. Mit meinem Ober­beleuchter und dem Kamera­assistenten habe ich danach über zehn Jahre zusammengearbeitet.

Wie sind Sie Mitglied der Oscar Academy geworden?

Nach «Godzilla» haben mich Mitglieder der Kameraabteilung empfohlen. So wurde ich 1998 berufen. Das war eine ganz tolle Sache – und ist es noch heute.

Wie stehen Sie zu Harvey Weinstein?

Er hat den Film «Nomad – The Warrior», den ich gemacht habe, verliehen und auf unschöne Art verheizt. Daher war ich, milde ausgedrückt, nie sehr gut auf ihn zu sprechen. Aber er war ein ganz wichtiger Mensch in der Filmindustrie. Er gründete einst mit seinem Bruder die erfolgreiche unabhängige Filmgesellschaft Miramax, was ihm keiner mehr wegnehmen kann.

Wie haben Sie den Skandal in den USA erlebt?

Da ist schon eine wahnsinnige Bombe geplatzt, als seine sexuellen Übergriffe bekannt wurden. Aber auch das #MeToo-Ding ist gefährlich. Wenn du dich dazu äusserst, kann es deine Karriere ruinieren. Vorwürfe können aber auch andere kaputtmachen, da immer etwas hängen bleibt – selbst wenn die Person unschuldig ist. Trotzdem finde ich es gut, dass das Thema diskutiert wird.

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