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INTERVIEW: Violinist Renaud Capuçon sorgt mit dem Luzerner Sinfonieorchester für Musik mit französischem Akzent

Renaud Capuçon bespielt mit dem Luzerner Sinfonieorchester einen französischen Abend. Warum er dafür der Richtige ist und lieber in eine Violine investiert als in ein Haus.
Roman Kühne
Tritt im KKL Luzern auf: der Violinist Renaud Capuçon (41). (Bild: Simon Fowler)

Tritt im KKL Luzern auf: der Violinist Renaud Capuçon (41). (Bild: Simon Fowler)

Interview: Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Renaud Capuçon, Sie treten in Luzern mit einem relativ unbekannten Komponisten, Édouard Lalo, auf.

Das Luzerner Sinfonieorchester ist an mich herangetreten, mit der Idee eines französischen Programmes. Édouard Lalo wird heute unterschätzt. Ich werde im Konzert seine «Symphonie espagnole für Violine und Orchester» aufführen. Diese ist eine wunderbare Hommage an Pablo de Sarasate, an Spanien, an seine Rhythmen.

Was reizt Sie an Pablo de Sarasate?

Er war ein spanischer Meistergeiger und Komponist. Das Stück ist dementsprechend sehr virtuos geschrieben. Dies meine ich nicht abschätzig. Es geht nicht einfach darum, die Geige an ihre Grenze zu bringen. Es ist virtuos in einem positiven, altertümlichen Sinne. Ich habe das Stück vor ein paar Jahren mit dem Orchestre de Paris aufgenommen, und es war ein Erlebnis. Sonst spiele ich ja eher «klassische» Dinge wie Brahms und Beethoven. Ich habe das Stück natürlich als Jugendlicher schon gelernt. Aber in jungen Jahren geht man viel unbekümmerter an ein Werk heran. Jetzt sehe ich viel mehr die Kanten und Ecken, spiele mehr die Details. Vor allem ist mein Musizieren aber französischer geworden.

Damit meinen Sie aber wohl kaum nationalistischer?

Als ich jung war, war ich noch nicht so französisch, es hat mich weniger interessiert. Wenn man heranwächst, ist man vor allem ein Junge, ein Mann und nicht Franzose. Nun reise ich viel, und Frankreich ist für mich viel wichtiger geworden. Dies hat nichts mit Nationalstolz zu tun, aber viel mit Identität. Ich führe heute vermehrt Debussy oder Gabriel Fauré auf. Mein Musizieren hat heute einen französischen Akzent. Dies ist, wie wenn ich spreche, wo man ja auch hört, dass ich Franzose bin. Genauso bringe ich auch mein Französischsein in die Musik ein. Ein Japaner oder ein Engländer spielt ja auch anders, auf seine ganz eigene, ja nationale Weise. Diese Aussage ist natürlich überhaupt nicht als Qualitätsmerkmal zu verstehen, sondern als blosse Feststellung.

Was macht sie denn aus, diese französische Musikseele?

Das ist schwierig zu definieren. Es hat viel zu tun mit Farben, der Entwicklung von Schattierungen, der Phrasierung beim Spielen. Wenn man Debussy hört, wird vielleicht klar, was ich meine. Bei ihm kann man immer viele Bilder und Farben sehen. Es ist, als ob die Zeit stoppt. Aber wie gesagt, dieses Französische ist schwierig zu beschreiben. Es zu hören, ist einfacher.

Ihre Verbundenheit mit Frankreich geht auch noch weiter. So haben Sie in Aix-en-Provence ein Musikfestival gegründet.

Mit dem Festival de Pâques konnte ich mir einen Traum erfüllen. Es ist allerdings nicht ein «französisches» Festival im engeren Sinne. Wir spielen dort alles, Bach, Beethoven, aber auch Musik von heute. Hier kann ich mich richtig ausleben, mich voll einbringen. Wenn ich unterwegs bin, habe ich immer ein Notizbuch dabei, in das ich ständig neue Ideen notiere. Ich selber könnte diese Ideen gar nie alle auf die Bühne bringen. Das Festival gibt mir die Möglichkeit, mich kreativ auszuleben. Wobei ich eher Stücke, spezielle Aufführungen suche und weniger ein das Festival überspannendes Thema. Diesen Frühling ist übrigens auch das Luzerner Sinfonieorchester zu Gast.

Dann leiten Sie auch noch das Sommets Musicaux de Gstaad.

In Gstaad ist es anders. Dort steht jedes Jahr ein Instrument im Zentrum. Dieses Jahr ist es das Cello, und das Programm dreht sich um dieses Instrument. Dadurch ist die Richtung etwas mehr vorgegeben, was aber auch sehr spannend ist.

Sie spielen eine Geige, die ja vorher Isaac Stern gehörte. Zufall?

Eher Schicksal (lacht). Ich spiele die «Vicomte de Panette» (1737) von Guarneri del Gesù. 1995 hatte ich in Verbier ein paar Lektionen mit Isaac Stern, und ich fragte ihn, ob er mir einen Brief schreibe, damit ich eine gute Violine erhalte. Natürlich nicht eine Guarneri, zu dieser Zeit. Er schrieb eine begeisterte Empfehlung. Und genau zehn Jahre später habe ich seine Violine erhalten. Er war natürlich schon tot und wusste nichts davon. Aber es zeigt, wie das Leben manchmal spezielle Wendungen nimmt. Vor einem Jahr habe ich das Instrument endgültig gekauft. Ich muss es zwar noch viele Jahre abzahlen, aber es erfüllt mich mit grosser Freude. Es ist, wie wenn man aus der Studentenbude in sein eigenes Haus zieht, nur dass der Preis hier eher zwei Häusern entspricht (lacht). Und das Instrument gibt einem definitiv mehr Genugtuung.

Hinweis
Luzerner Sinfonieorchester unter James Gaffigan mit Renaud Capuçon, Mittwoch/Donnerstag, 17./ 18. Januar, 19.30 Uhr, KKL Luzern.
Der französischen Musik ist zum 100. Todestag von Debussy auch das Szenenwechsel-Festival der Musikhochschule Luzern gewidmet (29. Januar bis 4. Februar).
www.hslu.ch/szenenwechsel

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