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Stimmenfestival Ettiswil: Intimität und Spontaneität machen es aus

Das Stimmenfestival hat vier Tage lang einen vielfältigen Klangteppich ausgelegt. Seine traute Intimität zieht Künstler und Besucher gleichermassen in Bann. Ein Fenster öffnet sich immer auch für Schweizer Talente. Dieses Jahr für einen Nidwaldner.
Hannes Bucher
Der Londoner Jake Isaac gehörte zu den vielen Highlights im Ettiswiler «Jlge»-Saal. (Bild: Roger Grütter, 11. Mai 2019)

Der Londoner Jake Isaac gehörte zu den vielen Highlights im Ettiswiler «Jlge»-Saal. (Bild: Roger Grütter, 11. Mai 2019)

Da strahlt die Festivalleiterin Heidi Meyer am Samstagabend im Saal des Gasthauses Jlge in Ettiswil: «Ein Highlight nach dem andern dürfen wir erleben.» In der Tat: Vielfältig ist das Festival ausgestaltet. So gibt es etwa zum Auftakt am Donnerstag eine wilde Irish Night mit Grainne Hunt & Brendan Walsh sowie Led Farmers. Das Publikum im randvollen «Jlge»-Saal ist begeistert.

Der Spannungsbogen zieht sich weiter zum Freitag – zuerst mit der Walliserin Meimuna und ihren Songs zwischen Folk und experimentellen Pop-Songs. Dann mit dem Schötzer Trompeter Peter Schärli und seinem jüngsten Projekt «Don’t Change Your Hair For Me». Es ist angereichert mit eingängigen, gefühlsvollen Balladen.

Trio auch mit speziellen Gesangstechniken

Am Samstagabend haben eben die drei kalifornischen Rainbow Girls – alle drei mit Stimme, Gitarre, Percussion – ein weiteres grossartiges Highlight auf die «Jlge»-Bühne gebracht. Das Folk­trio integriert auch Gitarre, Keyboard, Kontrabass und Mundharmonika – immer wieder anders gemischt. Und es wartet mit ebenso überraschenden Gesangstechniken wie Beatboxing und Mundtrompete auf. Dazu strahlt es Lebensfreude aus und besticht durch Liebenswürdigkeit. Die rund 120 Anwesenden im ehrwürdigen, alten «Jlge»-Saal spenden begeisterten Applaus.

Frisch und ungezwungen gehen die drei jungen Frauen nach dem Konzert auf die Anwesenden zu. Spassen, plaudern, lachen mit. Dabei gibt es gar ein Ständchen für ein anwesendes Geburtstagskind, um im Gegenzug die Gitarre demselben weiterzureichen, sich seinerseits ein schweizerdeutsches Lied anzuhören und bald schon mitzusingen.

«Wir lieben und leben Musik», lacht Sängerin Vanessa May in recht gutem Deutsch. Wo hat sie das gelernt? Nun, ihre Mutter stamme aus dem Thurgau, erzählt sie. Und sie liebe die Schweiz, auch wenn sie erst wenige Male hier gewesen sei. Diese direkten Kontakte zwischen Künstlern und Publikum sind eines der sympathischen Markenzeichen des Stimmenfestivals.

Die gleiche Nähe zum Publikum lebt auch der im Londoner Stadtteil Brixton aufgewachsene Singer-Songwriter Jake Isaac. Mal voller Power, sprühend rockig, dann mit warmer Stimme Intimität schaffend, nimmt er sein Publikum ein. Da sind einige Stuhlreihen rasch beiseite geschafft. Diese Musik muss mitgelebt werden. Schade, nimmt es Jake Isaac mit der Zeitvorgabe so exakt. Man hätte gerne mehr gehört.

Erdigen Blues gibt es gestern Sonntagvormittag im Schloss Wyher. Die Storys des Autors Michael Fehr werden dabei in Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Manuel Troller zum neuen Erlebnis auf anderer, eindrücklicher Ebene.

Ein Programmierer begeistert als Sänger

Die von den Kapverden stammende Sängerin Lucibella rundet nachmittags die Schlosskonzerte ab. Sie tritt weltweit an Festivals auf und wird von zwei Musikern mit Gitarre und Cavaquinho, einer kleinen Gitarrenform, meisterhaft begleitet. Das Collegium Vocale zu Franziskanern Luzern gibt mit französischer und russischer Chormusik und mit volksliedhaft komponierten Stücken gestern Abend dem 15. Stimmenfestival in der Pfarrkirche Ettiswil einen würdigen Schlusspunkt.

Zu einem Auftritt kommt der 27-jährige Multiinstrumentalist Dominik Gander alias Doma. Im Rahmen des «Stimmfensters» können am Festival jeweils junge Talente aus der Schweiz ihre Projekte präsentieren. «Ich hoffe, es gefällt euch», sagt der Nidwaldner im Untergeschoss des Egghuus am Samstagnachmittag.

Es sind eingängige melancholische Songs – mit Texten, die viele Fragen aufwerfen und selten Antworten finden. Ja, dem Publikum gefällt es. Es möchte noch mehr hören. Der Sänger – im Hauptberuf Programmierer – kann nachdoppeln: «Ich kann schon noch eines.» Es gefällt ebenfalls sehr. Zuhauf gibt es Komplimente. Und eine Rose für den geglückten Auftritt.

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