«Irgendwie wird es dann schon gehen»

Hendrix Ackle lebt nur von Konzerteinnahmen. Wie geht der Musiker mit der Situation nach dem Lockdown um?

Stefan Künzli
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Hendrix Ackles «Tribute To New Orleans» ist um ein Jahr verschoben worden.

Hendrix Ackles «Tribute To New Orleans» ist um ein Jahr verschoben worden.

Bild: Tim Dornbusch

Mit rund 100 Konzerten pro Jahr gehört Hendrix Ackle zu den privilegierten Musikern der Schweiz. Die meisten Schweizer Profis haben verschiedene Standbeine: Sie sind Teilzeit als Musiklehrer angestellt und können zusammen mit den Konzertgagen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Der Tastenmann und Sänger Hendrix Ackle gehört dagegen zu jenen wenigen, gefragten Musikern, die allein mit Konzerten und Auftritten durchkommen. Oder besser: Er konnte es bis Anfang März dieses Jahres. Der Lockdown, und damit die Absage aller Konzerte, hat das kettenrauchende Bühnentier aus dem Aargau deshalb besonders hart getroffen. Von einem Tag auf den anderen stand er vor dem Nichts.

Hendrix «Hene» Ackle ist Pianist und Hammond Organist in der Band des Bluessängers Philipp Fankhauser, mit der er pro Jahr 80 bis 90 Konzerte bestreitet. Dazu kommen rund fünfmal jährlich der beliebte «Song Circle» mit Adrian Stern in der Stanzerei Baden, verschiedene Studiojobs, etwas Geld der Verwertungsgesellschaften sowie Engagements und Aufträge wie jetzt der verschobene Eröffnungsabend zum Blues Festival Baden zum Thema «New Orleans» (siehe nebenstehender Artikel).

Es bleiben viele Fragen und Verunsicherung

«Mit diesen Einkünften komme ich grad knapp durch», sagt er, «aber Reserven oder einen reichen Götti habe ich nicht.» Erschwerend kommt hinzu, dass der 48-Jährige seit drei Jahren stolzer Vater von Tochter Etta ist, natürlich Alimente zahlt und sie hälftig betreut. Heute lebt er getrennt von Ettas Mutter in Winterthur in einer Wohngemeinschaft mit dem Musikerkollegen und Schlagzeuger Simon Kistler. Hier hat er mit Kistler sowie dem Musikerpaar Gigi Moto und Jean-Pierre von Dach ein Atelier für Proben und Aufnahmen aufgebaut, das in diesen Tagen hätte eröffnet werden sollen. Das alles kostet.

«Der Lockdown hat mich schon etwas schockiert. So verständlich er natürlich ist», sagte er, «jetzt bin ich daran, mich von dieser Schockstarre zu lösen». Die Zusicherung des Bundesrats, freischaffende Künstler über den Erwerbsersatz zu entschädigen, hat die Situation etwas beruhigt, doch für Hendrix Ackle bleiben viele Fragen, Verunsicherung und Unsicherheit. Für die abgesagten Konzerte wird er sicher Ausfallentschädigung beantragen. Doch ist schon heute klar, dass diese Zuschüsse nie reichen werden. «Es wird zwar versucht, die abgesagten Konzerte zu verschieben und nachzuholen. Doch die Verschiebedaten blockieren die Termine für neue Auftritte», sagt er. Das Loch bleibt und je länger der Lockdown dauert, desto grösser wird es.

Hendrix Ackle wird also wie so mancher freischaffende Schweizer Künstler die vom Bund in Aussicht gestellten Soforthilfen in Anspruch nehmen müssen. Es sind nicht rückzahlbare Nothilfen zur Deckung der unmittelbaren Lebenshaltungskosten. Entscheidend wird für Ackle sein, auf welcher Grundlage diese Beiträge berechnet werden.

Zweifler und Überlebenskünstler

Ob es dann reichen wird? «Im schlimmsten Fall suche ich halt einen Geldjob zur Überbrückung», sagte er.

Hendrix Ackle ist ein ewiger Zweifler und Hader, ein liebenswerter Chaot, aber auch ein Überlebenskünstler. Mittlerweile ist er daran, sich zu Hause zu arrangieren und beginnt, die spezielle Erfahrung in der Isolation sogar etwas zu geniessen. Hendrix Ackle weiss: «Irgendwie wird es dann schon gehen. Ich habe es immer irgendwie geschafft».