Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Ist das nun grotesk oder erhaben?»

Dieser Autor entzweit die Literaturkritiker wie kaum ein anderer. Handke wird entweder als Beschreibungsvirtuose bewundert oder als salbungsvoller Innerlichkeitsprophet verspottet. Das spiegelt sich auch in den Reaktionen auf sein neues Buch.

Der «Tages-Anzeiger» stellt fest: «Mit dem landläufigen Roman und seinen Handlungsmustern hat Handke seit je nichts zu schaffen» und ortet stilistisch eine Polemik gegen den Kurzsatzstil: «Entscheidend ist der Satzbau, der den Rhythmus des Aufbruchs und Voranschreitens in sich aufnimmt, als eine einzige lange Polemik gegen den Kurzsatzstil und den Aufstieg des Präsens als Erzähltempus in der Gegenwartsliteratur.» Die Berliner TAZ nervt sich: «Übel muss aufstossen, dass viel Verachtung für die Masse der Menschen, die angeblich schon von Geburt an stumpf und zu bedeutender Empfindung nicht fähig sei, zum Ausdruck gelangt.» Und stilistisch tauge der Roman wenig: «Abgesehen von einer Handvoll gelungener Sätze tut er sich seitenlang wichtig.»

Die «Zeit» fragt sich: «Ist das nun grotesk oder erhaben?», ist erst irritiert: «Ungläubig will man ausrufen: Wann kommt die Geschichte denn endlich in Gang? Bitte nicht noch eine Abschweifung zum Eulenruf und zum Grillenzirpen!», und erklärt dann: «Das Ziel dieses Erzählens ist nicht die Imagination, bei der im Kopf des Lesers Figuren lebendig werden, mit denen er dann mitfiebert; die Lektüre gleicht eher einer Meditationsübung, bei der der Leser das Gewicht der eigenen Körperglieder spürt.» Auch die FAZ ist mehr aufs Verstehen als auf die Kritik aus: «Das immer tiefere Vordringen der Obstdiebin in die Provinz gibt dem Buch eine Art Roadmovie-Stringenz, und es schält sich dann langsam auch ein Hauptthema heraus: das der entfremdeten Familie, seinerseits vielleicht vorsichtig inspiriert von Wolframs ‹Parzival›.» Da knüpft die NZZ an: «Heiligmässig geht es im Roman weiter zu, wenn an seinem Ende ein Familienfest unter freiem Himmel stattfindet», und fasst zusammen: «Wenn Peter Handkes Verneigung vor der Schöpfung schon immer auch Versenkung war, dann ist dieser ausufernd lange Roman ein weiterer Anwendungsfall von theologischer Poetologie.» (hak)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.