ITALIEN / LUZERN: Star-Dirigent Claudio Abbado ist tot

Der italienische Star-Dirigent Claudio Abbado ist am Montag im Alter von 80 Jahren in Bologna gestorben. Das Lucerne Festival reagierte mit Bestürzung.

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Einer der wohl bekanntesten Fina (Archivbild Neue LZ)

Einer der wohl bekanntesten Fina (Archivbild Neue LZ)

Der Tod Abbados sei das traurige Ende einer langjährigen, unglaublich inspirierten und von grössten künstlerischen Erfolgen gekrönten Zusammenarbeit, schreibt das Lucerne Festival auf seiner Homepage.

Zum ersten Mal bei Lucerne Festival am Dirigentenpult gestanden war Abbado 1966. 2003 - drei Jahre nach seiner Krebsdiagnose - gründete er nach vielen anderen Orchestern das Lucerne Festival Orchestra, das er die «Erfüllung eines Traums» nannte. Für seine Verdienste um das Festival verlieh die Stadt Luzern Abbado 2005 das Ehrenbürgerrecht.

Sein Vertrag als Leiter des Orchestras wäre dieses Jahr ausgelaufen. Sein nächster Auftritt war zusammen mit dem Orchestra Mozart für den 7. April geplant gewesen, anlässlich von Lucerne Festival zu Ostern; fünf weitere Konzerte hätten noch folgen sollen.

Dass stattdessen das Konzert vom 26. August 2013 sein letztes sein würde in Luzern, habe man damals schon geahnt, schreibt Festivalleiter Michael Häfliger in einer Mitteilung: «so weit entfernt, tief verklärt schien uns allen Claudio Abbado an diesem unvergesslichen Abend».

Claudio Abbado 1982 an den Internationalen Musikfestwochen - heute Lucerne Festival - in Luzern. (Bild: Archiv / Neue LZ)
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2005 erhält Claudio Abbado die Ehrenbürgerschaft der Stadt Luzern. Stadtpräsident Urs W. Studer, rechts, gratuliert dem Dirigenten. (Bild: Archiv Neue LZ)
Claudio Abbado dirigiert das Lucerne Festival Orchestra mit der Pianistin Hélène Grimaud. (Bild: pd)
Ein Star auch für die Massen. Zuschauer beim Inseli an der Openair-Übertragung des Sinfoniekonzerts mit Claudio Abbado und dem Lucerne Festival Orchestra. (Bild: Archiv / Neue LZ)
Zwei Stars im KKL bei der Generalprobe des Eröffnungskonzert des Lucerne Festival 2006. Dirigent Claudio Abbado und die Solistin Cecilia Bartoli. (Bild: Archiv / Neue LZ)
Claudio Abbado 2006 mit dem Deutschen Bariton Thomas Quasthoff. (Bild: Archiv Neue LZ)
Claudio Abbado dirigiert das Eröffnungskonzert des Lucerne Festivals 2009 im KKL. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)
Der Maestro und der Gastgeber: Italiens Stardirigent Claudio Abbado, links, mit dem Intendanten des Lucerne Festivals Michael Häfliger. (Bild: Archiv / Neue LZ)
Claudio Abbado und Schweizer Schauspieler Bruno Ganz (Bild: pd)
Der französische Komponist Pierre Boulez und Claudio Abbado backstage nach einem Sinfoniekonzert im August 2012 im KKL Luzern. (Bild: pd)
Das Lucerne Festival Orchestra, das Claudio Abbado gegründet hat, spielt im vergangenen August unter Abbado im KKL Gustav Mahlers 3.Sinfonie. Im Bild der Schlussapplaus. (Bild: pd)

Claudio Abbado 1982 an den Internationalen Musikfestwochen - heute Lucerne Festival - in Luzern. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Streit mit der Scala

Der gebürtige Mailänder, Sohn eines Violinisten und einer Klavierlehrerin, studierte zunächst am Konservatorium Giuseppe Verdi in Mailand Orchesterleitung, Klavier und Komposition und wechselte dann zu Hans Swarowsky an die Wiener Musikakademie, wo er neben Zubin Mehta als wichtigster Schüler des grossen Wiener «Dirigentenmachers» galt.

1958 gewann Abbado den Kussewitzky-Preis in Tanglewood/USA. Zwei Jahre später debütierte er als Dirigent an der Mailänder Scala, an der er 1968 leitender Dirigent, 1971 Musikdirektor und 1977 schliesslich künstlerischer Leiter wurde.

In den 80er Jahren zog sich Abbado, der weitere künstlerische Aufgaben als ständiger Gastdirigent der Wiener Philharmoniker (ab 1971) und des London Symphony Orchestra (ab 1988 auch Musikdirektor) übernommen hatte, allmählich im Streit von Mailand zurück und wandte sich Wien zu.

1986 übernahm er mit der eigens für ihn geschaffenen Position eines Musikdirektors der Wiener Staatsoper und der Wiener Philharmoniker eine neue Aufgabe. Im Oktober 1989 wurde Abbado von den Berliner Philharmonikern überraschend zum Nachfolger Herbert von Karajans gewählt. Der Übergang von Karajans autoritärem Stil zum dezidiert freundschaftlichen Abbados verlief nicht reibungslos.

Senator auf Lebenszeit

Abbado setzte sich zeitlebens für moderne Musik ein und arbeitete dabei mit dem Pianisten Maurizio Pollini und dem Komponisten Luigi Nono zusammen. Nach seinem Rückzug aus Berlin ging Abbado nach Italien zurück und gründete das Mozart Orchestra mit jungen Musikern.

Abbado gewann nahezu alle namhaften Preise, darunter 2003 den Praemium Imperiale und 2004 den Kythera-Preis. Am 30. August 2013 wurde er vom Staatspräsidenten Giorgio Napolitano zum Senator auf Lebenszeit ernannt. Dass seine «Amtsdauer» nur so kurz währte, hätte man wohl trotz seines langen Leidens nicht gedacht.

sda/rem/chg