Jackson erkundet Gesellschaft und Kultur

«In Search of...» heisst die Ausstellung von Matthew Day Jackson im Kunstmuseum Luzern. Sie entstand in Zusammenarbeit mit Museen in Bologna und Den Haag und ist die erste Einzelausstellung des 37-jährigen Amerikaners in Europa – zu sehen bis zum 15. Januar 2012.

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Matthew Day Jackson vor seiner Ausstellung im Kunstmuseum Luzern. (Bild: Roger Grütter)

Matthew Day Jackson vor seiner Ausstellung im Kunstmuseum Luzern. (Bild: Roger Grütter)

«Die Gesellschaft und die Kultur zu verstehen, in der ich lebe», ist die erklärte Absicht des Künstlers. Dazu sind ihm alle Medien recht: Malerei, Fotografie, Collage, Video, Skulptur, Installation. Eingesetzt werden sie mit Verstand und Intuition, mit Witz und durchaus auch subversiv.

Über sieben Räume erstreckt sich die Ausstellung Matthew Day Jacksons im Kunstmuseum Luzern. Jeder Raum ist, dem Spektrum des Regenbogens folgend, in einer anderen Farbe gehalten. Und zugleich bildet sich auch ein Kreis des Lebens.

Am Anfang steht ein Bild von einem Säugling, Jacksons Sohn, in einem Baby-Astronautenanzug. Den Schluss der Ausstellung bildet eine monumentale Skulptur mit acht Astronauten, die einen gläsernen Sarg tragen. Diese Skulptur imitiert mittelalterliche Grabskulpturen.

Der Körper - durchleuchtet, zerlegt

Zwischen diesen beiden Werke setzt sich der Künstler mit unserer Zivilisation auseinander, sei es mit der Eroberung/Kolonisierung des Mondes, sei es mit der Atombombe. Dass er dasselbe Thema mit verschiedenen Materialien beleuchtet, zwingt den Besucher immer wieder zu einem «Blickwechsel» und verhindert so das oberflächliche Gleiten über die Werke.

Wie ein roter Faden zieht sich indessen die Arbeit mit dem Körper durch das Werk. Er wird durchleuchtet, in Einzelteile zerlegt, er verrottet. Am Beispiel des Schädels geht Jackson der Evolution nach. Und schliesslich bezieht er auch den Tod (der Künstler im Sarg, auf dem Scheiterhaufen, im Leichsack) in seine Recherche ein.

Carte blanche für Ikea

Ein besonders doppelbödiges Spiel liess sich der Amerikaner für den gelben Raum einfallen: Er gab dem Möbelhaus Ikea für die Einrichtung als «Wohnzimmer» carte blanche. Und dort lässt sich nun auf bequemen Sofas seine Videoarbeit «In Search of...» sehen.

Dieser Film gehört zu den wichtigsten Arbeiten: Eine Paraphrase der in den siebziger Jahren von «Dr. Spock» moderierten gleichnamigen TV-Documentary-Serie mit den zentralen Themen des Künstlers, vermischt mit echten zeitgenössischen Werbespots. Treffender lässt sich der subversive Charakters von Matthew Day Jacksons Recherche kaum inszenieren.

sda