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«Ocean's 8»: Frauen jagen das grosse Bling-Bling

Frauen schaffen den perfekten Raub mit drei Ganoven weniger als ihre männlichen Vorgänger. Die super Idee von «Ocean’s 8» scheitert an ihrer braven Umsetzung. Regisseur Gary Ross fehlt es an Kühnheit und Coolness.
Regina Grüter
Lou (Cate Blanchett, links) und Debbie Ocean (Sandra Bullock, rechts) erklären der leicht verrückten Modedesignerin Rose (Helena Bonham Carter), was zu tun ist. (Bild: Warner Bros.)

Lou (Cate Blanchett, links) und Debbie Ocean (Sandra Bullock, rechts) erklären der leicht verrückten Modedesignerin Rose (Helena Bonham Carter), was zu tun ist. (Bild: Warner Bros.)

Steven Soderbergh hat 2001 mit «Ocean’s Eleven» die perfekte Vorlage geliefert: Danny Ocean (gespielt von George Clooney) und zehn seiner Kumpels rauben in Las Vegas gleich drei Casinos aus. Für den perfekten Raub braucht es in «Ocean’s 8» keine elf Männer, sondern nur acht Frauen. Strippenzieherin ist Debbie Ocean (Sandra Bullock), Dannys Schwester; Objekt der Begierde: ein 150 Millionen Dollar schweres Diamantencollier, das im Cartier-Tresor unter und hinter dickem Beton schlummert.

So viel versprechend die Ausgangslage gewesen wäre, ist «Ocean’s 8» von Gary Ross («Pleasantville», «Seabiscuit», «The Hunger Games») bestenfalls ein Abzug seines Vorbilds. Das fängt schon damit an, dass Debbie wie damals Bruder Danny beim Haft-Entlassungsgespräch der kriminellen Vergangenheit reumütig abschwört. Danach wird sie aber von der Gefängniswärterin auf ihre Performance angesprochen und der Zuschauer auf die Ironie – als ob das nötig gewesen wäre.

Als Nächstes dann kreuzt Debbie bei Gangsterfreundin und Clubbesitzerin Lou (Cate Blanchett, das Pendant zu Brad Pitts Rusty in «Ocean’s Eleven») auf, die genug hat vom Wodka-Panschen. Hinzu gesellen sich Mindy Kaling als Juwelierin Amita (sie will nicht mehr länger bei Mami wohnen), Sarah Paulson als Hehlerin (ein Blick in ihre Garage zeigt, das Familienleben im Vorort füllt sie nicht richtig aus), Awkwafina als Constance (als Trickbetrügerin in Elmhurst verdient man einfach nicht so gut) und last, but not least Rihanna als Hackerin Nine Balls (Lou findet heraus, dass sie mehr draufhat, als Wodka zu panschen). Über keinerlei kriminelle Energie verfügt Helena Bonham Carter als Modedesignerin Rose. Aber das kommt schon noch, steht sie doch bei der Steuerbehörde arg in der Kreide.

Schauplatz ist New York, wo die glamouröse Met-Gala stattfindet. Jetzt muss nur noch Hollywoodstar und Gastgeberin Daphne Kluger (Anne Hathaway) dazu gebracht werden, sich von Rose einkleiden zu lassen – inklusive Cartier-Diamanten um den Hals. Doch «Ocean’s 8» ist nicht High Fashion, sondern eher mit Heidi Klums Lidl-Kollektionen vergleichbar (Kurzauftritt von Klum oder auch Katie Holmes inklusive). Man hat alles schon mal gesehen. Lous Loft etwa, wo der Plan durchexerziert und der völlig überflüssige Epilog vor dem Zuschauer ausgebreitet wird.

Der Film traut dem Zuschauer wenig zu

Es wird früh offenbar, was sich den ganzen Film hindurchzieht: Das Drehbuch traut dem Zuschauer zu wenig zu; was allein mit filmischen Mitteln hätte kommuniziert werden können, findet alles im Dialog

Niederschlag. So gesehen ist «Ocean’s 8» ein sehr unfilmischer Film. Man amüsiert sich zwar ganz ordentlich die 110 Minuten hindurch, doch bleibenden Eindruck hinterlässt er nicht. Debbie Oceans Acht sind nicht so cool, locker und natürlich wie Danny Oceans Team; die Charaktere zu kalkulierbar.

Der Vorwurf aber, Frauen Diamanten klauen zu lassen, sei sexistisch, ist nicht haltbar. Interessieren sie sich doch nicht im Geringsten für die Klunker, sondern für deren Geldwert geteilt durch sieben (na, wer ist die Achte?). Der Heist (also der Raub) selber? Ziemlich cool. Für wen tun sie’s? Für das achtjährige Mädchen, das davon träumt, Verbrecherin zu werden.

Blanchett enttäuscht, ­Hathaway überrascht

Gelacht haben an der Pressevorführung, wenn überhaupt, vor allem die Frauen. Irgendwie muss es also doch ein Frauenfilm sein. Doch so richtig kann man sich mit der bald 54-jährigen Sandra Bullock, die aussieht wie 40 und deren Debbie Ocean als Erstes teures Schminkzeugs ergaunert, dann doch nicht identifizieren. Da hat uns Riley Keough als PS-liebende Logan-Schwester in «Logan Lucky» um einiges besser gefallen. Soderbergh hat’s halt einfach drauf, das Heist-Genre, und wenn schon keine Frau (zumindest hat eine an Ross’ Drehbuch mitgewirkt), hätte man sich ihn als Regisseur gewünscht.

«Ocean’s 8» ist zu brav. Schade um die verschleuderte Womenpower.

Überraschend ist, dass gerade Cate Blanchett nahezu untergeht; man kann sich an keine Rolle erinnern, in der sie so wenig Eindruck gemacht hätte. Am besten ist tatsächlich Anne Hathaway, die ihre Rolle der überzogenen Diva genüsslich auskostet. Gegen Ende wird es dann mit dem Auftritt von James Corden als Versicherungsermittler doch noch richtig witzig. Da diente Ross wohl Hilary Swank als FBI-Agentin in «Logan Lucky» als Vorbild.

Brad Pitt (links) und George Clooney in einer Szene des Films« Ocean's Eleven». (Bild: KEYSTONE/AP Photo/Warner Bros)

Brad Pitt (links) und George Clooney in einer Szene des Films« Ocean's Eleven». (Bild: KEYSTONE/AP Photo/Warner Bros)

Aus etwas Altem etwas Neues machen: Soderbergh hat gezeigt, wie's geht

Auch Steven Soderbergh bediente sich 2001 einer Vorlage: ­«Ocean’s Eleven» ist das Remake der Gaunerkomödie aus dem Jahr 1960, in der Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis Jr. und Angie Dickinson in Las Vegas Spielcasinos ausrauben. Zwei Dinge unterscheiden Soderbergh von «Ocean’s 8»-Regisseur Gary Ross: Er hat den Film gemacht, weil ihm das Original überhaupt nicht gefallen hat, und er hat nicht nur ein Faible, sondern auch ein Händchen für Heist-Filme.

Sein «Ocean’s Eleven» mit George Clooney als Danny Ocean schlug 2001 ein wie eine Bombe. Die Figuren sind divers, haben Ecken und Kanten und die eine oder andere Schwäche. Da sind etwa Daueresser Rusty (Brad Pitt), der britische Pyrotechniker Ba­sher Tarr (Don Cheadle), ein alter Hase mit Magengeschwür (Carl Reiner als Saul) oder Greenhorn Linus (Matt Damon), der nicht gerade die stärksten Nerven besitzt. Die Durchführung des Raubs gerät durch innere und äussere Faktoren immer wieder auf den Prüfstand und bleibt für den Zuschauer überraschend.

Mit Andy García als Casinobesitzer Terry Benedict hat Danny einen interessanten Gegenspieler, und die Liebe zu seiner Ex-Frau (Julia Roberts) sorgt für das nötige Herz. Nicht zu sprechen von der Coolness der Inszenierung. Zwei Fortsetzungen mit Stars wie Catherine Zeta-Jones, Vincent Cassel, Albert Finney, Al Pacino oder Ellen Barkin rundeten das Ganze zur Trilogie ab. Doch bleibt der Erste, wie fast immer, der Beste und macht auch heute noch Spass. In «Ocean’s 8» besucht Debbie das Grab ihres Bruders. Auch wenn niemand daran glaubt, dass er wirklich tot ist, Clooney kommt nicht plötzlich um die Ecke. Noch eine verpasste Chance. (reg)

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