JAZZ: 40 Jahre Jazz Club Luzern

Er wollte den Jazz Club stilistisch öffnen. Und das ist Roman Schmidli in seiner Amtszeit gelungen. Ausserdem kommen immer mehr Frauen an die Konzerte.

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Roman Schmidli ist seit 40 Jahren beim Jazzclub Luzern. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Roman Schmidli ist seit 40 Jahren beim Jazzclub Luzern. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Zu Beginn eine einfache Frage für den Präsidenten des Jazz Club Luzern: Was ist eigentlich Jazz?

Roman Schmidli: (wie aus der Pistole geschossen) Jazz ist ein Lebensgefühl. Wie ein Virus.

Und musikalisch?

Schmidli: Ich habe ja nicht Musik studiert. Ich mache das alles aus einem Bauchgefühl heraus. Jazz ist spannend, rhythmisch. Unser Publikum mochte früher vor allen traditionellen Jazz, doch ich habe stets versucht, Konzerte zu organisieren, die stilistisch breiter gefächert sind. Und Jazz ist sehr breit. Da gehört der Blues dazu, alter Jazz, Free Jazz, Swing, Bebop. Aber auch etwa Michael Bublé oder Roger Cicero.

Wie wurden Sie denn vom Virus befallen?

Schmidli: Erst gefiel mir Marschmusik. Doch so mit 14, 15 wars dann passiert. Ella Fitzgerald und Louis Armstrong waren die Auslöser.

Jazz – das war ja die Musik der 40er Jahre. Wer hört das denn heute noch?

Schmidli: Es ist wohl ähnlich wie bei der Klassik. Die durchschnittlichen Konzertbesucher bei uns sind so zwischen 40 und 60 Jahre alt. Früher waren die Männer in der Überzahl. Dafür verzeichnen wir jetzt bei den Frauen den grössten Zuwachs. Aber klar, in den 40ern war der Jazz so populär wie die Popmusik heute.

Auch der Jazz Club wurde in dieser Zeit gegründet.

Schmidli: Eine sehr aktive Zeit, ja. Der Club wurde 1949 gegründet, bereits 1953 haben sie Ella Fitzgerald nach Luzern geholt! In den 60er Jahren geriet der Jazz, mit den Beatles als Konkurrenz, ins Hintertreffen.

Dann, im April 1974, übernahmen Sie das Ruder.

Schmidli: Ich war schon davor Mitglied im Verein. Sie holten mich als Kassier in den Vorstand. Ich sagte zu, unter der Bedingung, dass ich auch bei der Programmgestaltung mitarbeiten könne. Bereits 1977 wurde ich dann zum Präsidenten gewählt. Mein Hauptanliegen, die stilistische Öffnung, konnte ich sukzessive umsetzen.

War die Öffnung ein Erfolg?

Schmidli: Ja, und darauf bin ich stolz. Wenn heute Leute, die sich früher ausschliesslich für alten Jazz interessierten, sich auch Modernes anhören, dann freut mich das sehr. Auch das KKL ist für uns da natürlich wichtig. Früher waren wir von 300 Zuschauern überwältigt, heute freuen wir uns manchmal über 1000 Besucher. Wir machen pro Jahr rund 20 Konzerte.

Sie können es beurteilen: Sind Jazzer auch Diven?

Schmidli: Es gibt sie. Sehr wenige, aber es gibt sie. Meistens habe ich mit den Musikern aber ein sehr gutes Einvernehmen. Sie geniessen die Wertschätzung hier in Luzern. Und auch die Stadt.

Erzählen Sie von den wenigen.

Schmidli: Wir bringen die Musiker oft im Hotel Palace unter. Da gab es einen Musiker, der verlangte nach einer Suite statt nach einem Zimmer, weil er beim Bassspielen umherlaufen können müsse. Und es gab jemanden, dem ich ein Taxi rufen musste, um vom Casino ins Hotel Palace zu fahren. Der Taxifahrer zeigte mir damals den Vogel und verlangte für die Mini-Fahrt nichts.

Keine Skandale?

Schmidli: Nein, in der Regel sind sie sehr pflegeleicht, laufen sogar ab und zu lieber ins KKL, als abgeholt zu werden. Und die Musiker geniessen die Stadt. Manchmal bleiben sie sogar etwas länger oder planen ihren Ruhetag hier ein. Einmal traf ich am Tag nach dem Konzert den Saxer Benny Golson spazierend am See. Er sagte: Lucerne-Days are Rolls-Royce-Days.

Entstehen so Freundschaften?

Schmidli: Nein, das nicht gerade, aber freundschaftliche Beziehungen. Sie sind ja nicht oft und lange hier. Doch Monty Alexander blieb mal eine ganze Woche und hat mich noch einige Male beansprucht (lacht).

So viel Musik in Ihrem Leben. Da spielen Sie doch bestimmt auch ein Instrument?

Schmidli: Ich habe es mal mit Schlagzeug versucht. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich nicht wirklich begabt bin (schmunzelt).

40. Saison, Sie sind 70. Wie lange bleiben Sie der Präsident?

Schmidli: Eine Nachfolge gibts noch nicht. Und es ist viel Arbeit, ungefähr ein 60-Prozent-Job. Doch er macht mir immer noch grossen Spass. Es ist mein Lebenselixier. Und solange mach ich ihn noch. Wie die Nachfolge zu lösen ist, wird sich noch zeigen.

Natalie Ehrenzweig

Infos zur Jazz-Szene Luzern gibts ausserdem im Buch «Jazz in Luzern» von Beat Müller (Pro Libro Spezial, Fr. 29.–)

Roman Schmidlis rundes Jahr

2013 ist ein rundes Jahr für Roman Schmidli. Im Januar feierte er seinen 70. Geburtstag, und seit April bestreitet er sein 40. Jahr im Vorstand des Jazz Club Luzern. Vor seiner Pensionierung hat der Luzerner als Bankfachmann gearbeitet. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. «Neben meinem Engagement für den Jazz Club bleibt wenig Zeit, doch ich wandere und schwimme gern.»

Spielwitz

Sie passt also beinahe in eine Tasche, die «Ray Anderson’s Pocket Brass Band». Denn anders als sonst, wenn der Posaunist mit seinem Sextett unterwegs ist, spielen in dieser Band neben ihm nur noch Matt Perrine (Bass, Tuba), Eric McPherson (Schlagzeug) und Lew Soloff (Trompete). Ray Anderson ist für seinen Schalk in der Musik bekannt. Ob an Ragtime, Balladen oder karibischen Sound, die Band geht immer mit Spielwitz an ein Stück heran. Über 100 witzige Stücke hat er bereits selber geschrieben. Doch er sagt von sich: «Ich spiele sicher keine Witzmusik. Ich bin mir der gigantischen Schultern, auf denen ich stehe, der tollen Musiker, die der Musik so viel gegeben haben, und der spirituellen Verantwortung eines Musikers viel zu sehr bewusst.» nez Sonntag, 13. Oktober, 19.00 Casineum, Luzern, Infos: www.jazzluzern.ch