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JAZZ: Als Ella Fitzgerald sang, verging dem Publikum das Lachen

Vor 100 Jahren kam Ella Fitzgerald zur Welt. Bis heute gilt sie als Massstab für Sängerinnen aus Pop und Jazz. Dabei erlebte sie als Mensch und als Künstlerin auch sehr harte Zeiten.
Eine unvergleichliche Stimme: Ella Fitzgerald bei einem Auftritt im Kongresshaus Zürich. (Bild: Keystone (17. Februar 1967))

Eine unvergleichliche Stimme: Ella Fitzgerald bei einem Auftritt im Kongresshaus Zürich. (Bild: Keystone (17. Februar 1967))

Eine Stimme über drei Oktaven, die spielend leicht über Jazz-Akkorde wanderte und im improvisierten Singen zum Instrument wurde: Der unbeschwerte Gesang von Ella Fitzgerald, die gestern 100-jährig geworden wäre, strahlt bis heute ewige Jugend aus. Wie hart ihr Weg auf die Bühnen der Welt zunächst war, blieb zu Lebzeiten ihr Geheimnis.

Als Sängerin verstand sich Ella Fitzgerald zumindest am Anfang nicht. Die junge Afroamerikanerin aus ärmlichen Verhältnissen in Yonkers bei New York wollte tanzen. Ausgerechnet ihre weichen Knie im Lampenfieber sollen dazu geführt haben, dass sie im Apollo Theatre in Harlem stattdessen ihre Stimme tanzen liess, die sie berühmt machte.

Gnadenlose Zuschauer – doch sie siegte

Zum Auftritt in der als «Amateur Night» bekannten Talentschau, bei der unter anderem die Jackson 5 und James Brown ihre Karrieren begannen, war die 17-Jährige über ein Losverfahren gekommen. Das heisse Tanz-Duo vor ihr hatte sie offenbar eingeschüchtert, und als ihre Beine versagten, soll das als erbarmungslos berüchtigte Publikum in Gelächter ausgebrochen sein. Doch mit dem Song «The Object of My Affection» von Connee Boswell zog sie die Zuschauer auf ihre Seite – und gewann.

13 Grammys und 40 Millionen verkaufte Alben später gilt Fitzgerald als eine der grössten Sängerinnen des Genres. Ihre Stimme mit einer unverwechselbaren Klangfarbe setzte sie in ihrem sehr breiten Repertoire wie ein Instrument ein. Bis heute wirken ihre Interpretationen von «They Can’t Take That Away From Me», «It Don’t Mean A Thing» oder «How High The Moon» lebendig und frisch.

Leicht hatte es Ella nicht: Ihren Vater lernte sie nie kennen, ihre Mutter starb, als sie 15 Jahre alt war, ihr Stiefvater misshandelte sie. Sie stand in einem Bordell Schmiere und arbeitete als Assistentin für Glücksspieler, ehe sie nach Aufenthalten bei ihrer Tante in Harlem, im Waisenhaus und einer Erziehungsanstalt auf der Strasse landete.

«Sie lebte mit den Menschen, mit denen sie sprach, ass mit ­ihnen und schlief, wo immer sie konnte», erinnerte sich Sänger Charles Linton an das ungewaschene Mädchen, das auch für Trinkgeld auf der 125th Street tanzte. Sicher hätte die spätere Star-Sängerin diese harten Anfänge in der Presse ausschlachten können, doch sie behielt diese Details für sich. «Anders als Popikonen von Sinatra bis Madonna verwandelte Fitzgerald ihr Privatleben nicht in eine melodramatische Nebenaufführung», schrieb die «New York Times».

Marilyn Monroe als Türöffnerin

Erst Chick Webb, mit dessen ­Orchester sie ab 1935 auftrat, entwickelte sich zum Mentor und Freund. Sie sang erste Schallplatten ein und landete mit ihrer Swing-Fassung des Kinderlieds «A-Tisket, A-Tasket» einen Hit. Das Orchester wurde ihr neues Zuhause. Als Webb 1939 an Tuberkulose starb, übernahm Fitzgerald die Band mit mässigem Erfolg, entwickelte sich dabei aber musikalisch weiter.

Im schwarzen Harlem mag Fitzgerald begeistert haben, doch die Welt des weissen Showbusiness blieb ihr zunächst versperrt. Selbst beliebte schwarze Musiker wurden in den 50er- und 60er-Jahren systematisch aus Clubs, Hotels und Restaurants ausgeschlossen oder aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert.

Keine Geringere als Marilyn Monroe, die Fitzgeralds Gesang studiert hatte, verschaffte ihr ­einen Auftritt im Mocambo – jenem Club in Hollywood, in dem Frank Sinatra 1943 sein Debüt feierte und den Grössen wie Charlie Chaplin, Humphrey Bogart und Lauren Bacall besuchten. «Danach musste ich nie wieder in kleinen Jazzclubs spielen», schrieb Fitzgerald später.

Trotz sich verschlechternder Gesundheit trat sie auf, bis ihr 1993 als Folge einer Diabetes-Erkrankung beide Unterschenkel amputiert werden mussten. Sie starb 1996 mit 78 Jahren in ihrer Villa in Beverly Hills.

Johannes Schmitt-Tegge (DPA)

kultur@luzernerzeitung.ch

Ella Fitzgerald am 22. Februar 1968 im Carlton Theatre in London, (Bild: BOB DEAR (AP))

Ella Fitzgerald am 22. Februar 1968 im Carlton Theatre in London, (Bild: BOB DEAR (AP))

1987 überreicht der US-Präsident Ronald Reagan Ella Fitzgerald die nationale Ehrenmedaille der Künste. (Bild: AP)

1987 überreicht der US-Präsident Ronald Reagan Ella Fitzgerald die nationale Ehrenmedaille der Künste. (Bild: AP)

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