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Jazz als Lebensschule – Dokumentarfilm über Blue Note Records

Die Schweizer Regisseurin Sophie Huber vermag nach ihrem wunderschönen Harry-Dean-Stanton-Porträt wieder zu berühren. «Blue Note: Beyond The Notes» ist viel mehr als die Geschichte eines Jazzlabels.
Regina Grüter
Marcus Strickland, Wayne Shorter und Ambrose Akinmusire (von links) bei den Aufnahmen zum All-Stars-Album. (Bild: Vinca Film)

Marcus Strickland, Wayne Shorter und Ambrose Akinmusire (von links) bei den Aufnahmen zum All-Stars-Album. (Bild: Vinca Film)

Am Anfang von Blue Note Records standen zwei deutsche Juden. Alfred Lion und Frank Wolff kannten sich von Kindesbeinen an und liebten den Jazz, verstanden aber nichts von Musik. Hier liessen sie ihren ab 1939 unter Vertrag genommenen Künstlern freien Lauf. Ihre Gründer-Philosophie jedoch prägt das renommierte Jazz-Label bis heute: den Musikern komplette Freiheit zu geben und sie darin zu unterstützen, neue Wege zu erforschen und die Musik voranzutreiben.

In der Gegenwart setzt auch die Schweizer Dokumentarfilmerin Sophie Huber an in «Blue Note Records: Beyond The ­Notes». Die gebürtige Bernerin hatte sich mit «Harry Dean Stanton: Partly Fiction» auch in der US-amerikanischen Musikszene einen Namen gemacht, ist das filmische Porträt doch durchzogen von tief bewegenden Songinterpretationen des im letzten Jahr verstorbenen Schauspielers, der eben auch Musiker war. In ihrem zweiten Dokumentarfilm gelingt es Huber wieder, dem Zuschauer weit mehr zu vermitteln als die Geschichte eines Labels. Man wird getragen wie auf einer Wolke durch diesen Film, der Augen und Ohren gleichermassen anspricht – und Herz und Seele gleich mit.

«Künstler, die die Musikwelt umkrempelten»

Die Filmemacherin muss den Musikern auf dieselbe Art gegenübergetreten sein wie einst Lion und Wolff, mit Respekt, Offenheit und Liebe zur Musik. Robert Glasper oder Ambrose Akinmusire geben Blue Note Records heute sein Gesicht, und eine All-Stars-Session zusammen mit Herbie Hancock und Wayne Shorter zieht sich wie ein roter Faden durch den Film. Diese Aufnahme von Shorters «Masqualero» (1967) zum 75-Jahr-Jubiläum ist das Herzstück. In diesen Sequenzen lebt diese unkonventionelle Blue-Note-Studioatmosphäre wieder auf, wo die Künstler vor den Takes Probezeit bekamen, Alfred Lion andächtig lauschte und Frank Wolff Fotos schoss. Wenn Letzterer dann zu tanzen begann, war der Take gut.

Die Gründer glaubten nicht nur an die Musiker, sie waren mit ihnen befreundet. Bud Powell, Miles Davis, John Coltrane oder Thelonious Monk prägten den Blue-Note-Sound der 50er- und 60er-Jahre. Bebop, Hardbop, Hip-Hop. «Schaut man sich die Geschichte von Blue Note Records genau an, so stellt man fest, in jedem Jahrzehnt wurden Künstler unter Vertrag genommen, die die Musikwelt umkrempelten», sagt Don Was, Produzent und Label-Präsident.

Mit diesen Aufnahmesequenzen sowie alten und neuen Interviews interagieren die legendären Plattencover von Reid Miles, Wolffs ästhetische Schwarz-Weiss-Bilder, Archivmitschnitte von früheren Aufnahmesessions und Konzerten. So entsteht ein Rhythmus und ein Gefühl, vergleichbar mit einem Jazzstück; und es resultiert ein Verständnis für afroamerikanische Künstler, ist doch ihre Musik immer ein Ausdruck der Lebensumstände.

Eine unerschöpfliche ­Schatztruhe für den Hip-Hop

Das Label hat bewegte und schwierige Zeiten hinter sich. Seit den 80ern sorgt der Hip-Hop für Tantiemen. Ali Shaheed Muhammad von A Tribe Called Quest: «Blue Note Records wurde DAS Ding. Wir entdeckten, dass Jazz-Platten viele Breaks- und Solo-Passagen hatten. Und nicht nur für Drummer, für alle Musiker. Jeder hatte seinen Auftritt.» «Cantaloop (Flip Fantasia)» von Us3 mit einem Sample von Herbie Hancocks «Cantaloupe Island» ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Es gelte, die Musik lebendig zu erhalten und sie gleichzeitig neu zu erfinden, sagt Robert Glasper. Die Fusion von Jazz und Hip-Hop hat Blue Note Records neue Möglichkeiten eröffnet. Dafür stehen heute Jazzmusiker wie Glasper.

Aber auch ein Kendrick Lamar, der auf den Titeln «Alright» oder «Mortal Man» ab dem Album «To Pimp a Butterfly» Blue-Note-Stücke sampelt. Zweieinhalb Stunden nach der Film­premiere wird der erste Hip-Hop-Pulitzer-Preisträger der Geschichte am Zürich Open Air auftreten – und mit Sicherheit alten Vorbildern seine Reverenz erweisen. Wie fasst es Musiker und Hip-Hop-Produzent Terrace Martin schön zusammen: «Blue Note steht für Gestern, Heute und Morgen.»

Hinweis

«Blue Note Records: Beyond The Notes»: am Donnerstag um 19 Uhr Filmpremiere und Gespräch im Stattkino, Luzern, mit Niklaus Troxler sowie Pirmin Bossart; musikalisches Intro: Urs Leimgruber.

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