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JAZZ FESTIVAL: Willisau bringt Arrivierte und Newcomers

Zeitgenössische Improvisation mit vielen Facetten: Willisau wartet mit einem Jazz-Programm auf, das Lust auf klingende Namen und schöne Kontraste macht.
Pirmin Bossart
John Zorn (62) wird das Publikum auf einen Marathon mitnehmen. (Bild: PD)

John Zorn (62) wird das Publikum auf einen Marathon mitnehmen. (Bild: PD)

Pirmin Bossart

Der John-Zorn-Marathon am diesjährigen Jazz Festival Willisau ist ein Hammer! «John Zorn reist nicht mehr wegen eines Konzertes herum. Er macht nur noch Programme im Verbund», sagt Festivalleiter Arno Troxler auf die Frage, wie dieser samstägliche Marathon zu Stande kam. Zorn habe er schon ziemlich früh buchen können. Teuer? Keine Frage. «Aber ich machte deswegen kein Sparprogramm rundherum.»

Besucher aus halb Europa

Der New Yorker Avantgardist bringt sechs verschiedene Bands nach Willisau, die alle seine Kompositionen spielen. Allein schon die Urformation Masada zu hören, ist definitiv eine Reise ins Hinterland wert. Das haben sich auch schon viele andere gesagt: «Besucher aus Amsterdam, München, Malaga, Berlin und aus halb Europa werden zum Zorn-Marathon anreisen», sagt Troxler. Gut möglich, dass an diesem Samstag die Festhalle für einmal wieder in ihre Originalgrösse zurückverwandelt werden muss, um allen Platz zu bieten.

Der Zorn-Marathon (je drei Konzerte am Samstagnachmittag und am Samstagabend) wird nicht nur die von jüdischer Klezmermusik und Jazz geprägten Kompositionen von John Zorn in Herz und Hirn beamen, sondern vor allem mit einer ganzen Reihe von grandiosen Musikern bekannt machen: Marc Ribot, John Medeski, Joey Baron, Tyshawn Sorey, Dave Douglas, Trevor Dunn, ebenso das ehemalige Gitarren-Wunderkind Julian Lage.

Wilde Jazzgeschichte

Ob diesem zornigen Schwerpunkt könnte fast vergessen gehen, dass das Festivalprogramm noch weitere Leckerbissen bietet. Eine interessante Paarung hält schon der morgige Eröffnungsabend bereit, mit dem Peter Schärli Trio featuring Glenn Ferris und dem Roscoe Mitchell Trio. Hier die traumwandlerische Leichtigkeit von Schärli und seinem swingenden Trio, dort die Power eines Saxofonisten, der während Jahrzehnten mit dem Art Ensemble of Chicago wilde Jazz-Geschichte geschrieben hat.

Ein Saxofonist der Extraklasse ist auch David Murray, der wiederholt in Willisau gefeiert worden ist. Der Instrumentalist mit dem profunden Tenor-Sound hat sich stets wieder für neue Projekte und Einflüsse begeistern können. Diesmal steht er mit seinem Infinity Quartet und dem Hip-Hop-Poeten und Spoken- Word-Künstler Saul Williams auf der Bühne. Williams, der auch als Schauspieler arbeitet und Gedichtbände veröffentlicht hat, gehört zu den Pionieren der Spoken-Word-Szene. Er hat mit Leuten wie Trent Reznor (Nine Inch Nails), The Fugees, Erykah Badu oder Allen Ginsberg zusammengearbeitet.

Klangzauber und Powerschübe

Neben international bekannten Jazz-Persönlichkeiten wie John Zorn, Roscoe Mitchell, David Murray oder Joachim Kühn hat Festival-Leiter Arno Troxler auch dieses Jahr die Kontrapunkte von weniger bekannten Musikern im Programm. Ein gutes Beispiel ist die französische Pianistin Eve Risser, die mit ihrem Trio «En-Corps» am Donnerstag auftritt. Da spielt eine ungemein experimentierfreudige Pianistin, die sich als Solistin mit Stille, Reduktion und Klang beschäftigt. Zarter Klangzauber und Powerschübe schliessen sich nicht aus.

Feinsinnig und abenteuerlich im Umgang mit Klängen und Dynamik spielt auch das Duo mit Mat Maneri (Violine) und Randy Peterson (Drums), das den letzten Konzertblock am Sonntag eröffnet. Mat Maneri war lange Mitglied in den Bands seines Vaters, des Saxofonisten Joe Maneri, ebenso wie der Schlagzeuger Randy Peterson.

Auf den avantgardistischen Kammerjazz dieses Duos folgt mit Joachim Kühn einer der wenigen deutschen Jazzmusiker, den man weltweit kennt – und das seit den 1960er-Jahren. Kühn war mehrere Jahre der Pianist von Ornette Coleman. Er hat die ganze Palette des zeitgenössischen Jazz gespielt, von free bis funky, und immer wieder mit maghrebinischen Musikern gearbeitet. Sein neues Trio hat neben eigenen Stücken auch solche von The Doors, Gil Evans, George Gershwin oder Krzysztof Komeda im Repertoire.

Junge Schweizer Band

Mut beweist Arno Troxler, indem er mit dem Trio Heinz Herbert eine junge Schweizer Band auf die Hauptbühne bringt. Dominic Landolt (Gitarre), Ramon Landolt (Orgel) und Mario Haenni (Drums) erzeugen einen Sound, der mit Jazz im herkömmlichen Sinne so gut wie nichts zu tun hat, aber sehr wohl mit einer eigenständig-experimentierfreudigen Musik, wie man sie hierzulande nicht alle Tage hört.

Eine Klasse für sich ist das Rahmenprogramm, das gut und gerne als ein eigenes kleines Festival durchgehen könnte. Im Late-Night-Programm, das Troxler wieder konzertanter gestalten möchte, spielen die erfrischenden Impro-Pop-Avantgardisten von Phall Fatale des Luzerner Schlagzeuger Fredy Studer (Freitag) sowie das heftig versponnene Elektro-Duo Qoniak mit Vincent Membrez und Lionel Friedli.

Für Besucher, die das akustische Musikerlebnis im kleinen Rahmen schätzen, bietet die Reihe «Intimities» mit dem Duo Urs Leimgruber/Alex Huber, dem Solo-Bassisten John Edwards (Phall Fatale) und dem Zürcher Quintett Im Wald ein hervorragendes Programm. Und das im klassischen Ambiente der Rathausbühne Willisau, die für solche Konzerte einladender ist, als die eher sterilen Räumlichkeiten in der Stadtmühle.

Festivalleiter Arno Troxler hat bei der Programmierung erneut auf eine gute Bandbreite und ausgewogene stilistische und besetzungsmässige Zusammensetzung geachtet. «Es sind immer viele Komponenten beteiligt, damit ein Konzert zum Erlebnis wird. Am meisten gespannt bin ich, wie alles zusammenkommt, ob die Kombinationen, die im Kopf gemacht wurden, live aufgehen.» Kein persönliches Highlight? Das fragt man einen Festivalleiter nicht. Denn er wird sagen: «Ich freue mich auf alles!»

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