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JAZZ: Franz Hellmüller: Im Flow mit der Gitarre

Die beruhigende Normalität von Franz Hellmüller lässt oft vergessen, was für ein formidabler Gitarrist er ist. Jetzt hat der Luzerner gleich zwei Alben veröffentlicht.
Gitarrist Franz Hellmüller. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 27. Mai 2014))

Gitarrist Franz Hellmüller. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 27. Mai 2014))

Unscheinbar ist Franz Hellmüller nur insofern, als er sich in keiner hippen Szene bewegt oder nicht mit ausgefallenen Projekten möglichst Aufmerksamkeit erregen will. Stattdessen ist er der Handwerker, Komponist und Musiker geblieben, der sich stetig verfeinert, weiterdringt und immer wieder jene Ebenen anzupeilen vermag, in denen die Musik plötzlich abhebt. «Kürzlich erlebte ich an einem Live-Gig wieder so einen Moment. Die Verbundenheit des Trios erzeugt dann eine unglaubliche Energie, die alle drei Musiker wie intuitiv verschmelzen lässt. Das lässt sich intellektuell nicht fassen. Es fliegt einfach.»

Der aus Horw stammende Gitarrist hat sich an der American School Of Modern Music in Paris und an der Jazzabteilung der Musikhochschule Luzern ausgebildet. Zu seinen Dozenten zählten Musiker wie Dave Liebman, Frank Möbus, John Abercrombie oder Kurt Rosenwinkel. Seit gut zehn Jahren ist er mit ganz verschiedenen Formationen auf der Piste. Immer wieder ist das Trio eine bevorzugte Grundeinheit, in der klassischen Besetzung Gitarre, Bass, Schlagzeug. Dazu zählt neben dem seit 2006 existierenden Trio Hellmüller-Sisera-Renold das Hellmüller-Trio.

Kammermusikalische Eleganz

Mit dieser eigenen Formation hat Hellmüller jetzt sein drittes Trio-Album veröffentlicht. Es ist das erste mit den beiden Musikern Patrick Sommer (Kontrabass) und Martin Perret (Schlagzeug). «Wir spielen seit zwei Jahren zusammen. Ich hatte zuvor mit ihnen gejammt und gemerkt, wie gut es funktionierte.» Das Album «Magnolia» unterstreicht die stille Klasse dieses Trios. Schon für die letzten Alben hatte Hellmüller von der Jazzkritik hervorragende Reviews bekommen.

Das ist nicht Musik, die modisch prickelt oder einem aufdringlich ins Gesicht donnert. Es ist eher ein kammermusikalischer Jazz, der von Nuancen und leisen ­Erschütterungen lebt, sich permanent wandelt und dabei seine ­Anmut behält. Die zehn Tracks stammen bis auf eine Ausnahme aus der Feder von Hellmüller. Doch ebenso wichtig wie die geschriebenen Motive sind die ­improvisatorischen Geschichten, die sich daraus ergeben. Sie lösen sich quasi unhörbar von den Strukturen und fliessen in den freien Raum. Die Melodien treiben wie Blüten in einer warmen Nacht, das Interplay ebbt und flutet in impulsiver Sanftheit, bevor es sich wieder in energischen Schüben verzweigt.

Es ist eine eigene Jazz­sprache, irgendwo zwischen lyrischem Post-Bop, geschmack­voller Fusion und einer per­sönlichen Handschrift, in der Hellmüller sein Akkord- und ­Single-Note-Spiel souverän verschränkt, ideenreich harmonische Formen öffnet und sich mit Bass und Schlagzeug in Flow bringt. Dabei täuscht die Leichtigkeit der Performance darüber hinweg, wie anspruchsvoll solche kompositorisch-improvisatorischen Intimitäten auf den Punkt zu spielen sind.

«December» mit russischer Sängerin

Parallel zu «Magnolia» hat Hellmüller mit der russischen Sängerin Tatiana Balakirskaya und dem Zürcher Saxofonisten Jochen Baldes, einem seiner engen musikalischen Partner, das Album «December» eingespielt. Hellmüller lernte die Singer-Songwriterin bei einer Tour in Moskau kennen. Diese wollte mit ihm ein Projekt angehen, in dem sie ihre eigenen Texte sowie Lyrik von Robert Frost und Walt Whitman in einen neuen musikalischen Kontext stellen konnte.

«Wir haben wenig geprobt und das Material erst im Studio zusammengebracht. Dabei übernahm ich auch eine Art Produzentenrolle», sagt Hellmüller. Die sechs Tracks sind songhafte Soundscapes, in der sich atmosphärische, jazzig akzentuierte und auch rockige Formen durchdringen. Auf dem neunminütigen Titeltrack wird spürbar, wie inspiriert die Sängerin in den entrückt brodelnden Klangsphären von Hellmüller und Baldes ihre stimmliche Vielfalt auszudrücken vermag und einen berührt.

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Hellmüller-Trio:

Magnolia (Unit Records)

Balakirskaia Baldes Hellmüller: December (Unit Records)

Das Hellmüller-Trio spielt am Donnerstag, 16. November, 21 Uhr im Neubad. Infos: www.neubad.org

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