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JAZZ: Internationale Stars aus Luzern zelebrieren Magie des Moments

Zwei etablierte Luzerner Musiker haben neue CDs veröffentlicht: Christy Doran spielt im Trio bluesigen Rockjazz, Urs Leimgruber beschäftigt sich solistisch mit Klang und Stille.
Christy Doran, Mitte, hier mit seinem Projekt 144 Strings für 20 Gitarren im September 2016. (Bild: Dominik Wunderli, 13.09.2016)

Christy Doran, Mitte, hier mit seinem Projekt 144 Strings für 20 Gitarren im September 2016. (Bild: Dominik Wunderli, 13.09.2016)

Alle vier Musiker der Luzerner Band OM, die von 1972 bis 1982 das Kapitel «europäischer Electric Jazz» mitgeschrieben haben, leben noch immer in Luzern. Jeder ist auf seine Weise musikalisch aktiv geblieben. Auch als OM kehren sie regelmässig auf die Bühne zurück.

Jetzt liegen von Gitarrist Christy Doran und von Saxofonist Urs Leimgruber neue CDs vor. Schlagzeuger Fredy Studer wird Mitte Jahr mit seinem Solowerk herauskommen. Nur Kontrabassist Bobby Burri hat sich etwas zurückgezogen, auch wenn er musikalisch quicklebendig ist. Kommt Zeit, kommt Burri. Gleich das erste Stück von Christy Dorans neuer CD überrascht. Das ist Blues, der hier auf dunklen Pfoten anschleicht, mit einer sanften Hendrix-Tönung!

Christy Doran als «European Jazz Legend»

Der Puls ist ruhig, die Atmosphäre ist geladen. Bass und Schlagzeug setzen mit jazziger Elastizität die Planken, in denen sich Doran mit dem klaren Sound seiner Gitarreneinwürfe bewegt. Die Platte wurde live im Theater Gütersloh aufgezeichnet und erschien in der Reihe «European Jazz Legends» des deutschen Jazzmagazins «Jazzthing».

«You’d Never Know You Know» ist ein cooler Auftakt für ein Album, das sich auch danach zwischen vertraut-eingängigen Blues- und Rockpatterns und jazzig-improvisatorischen Attacken bewegt. Doran schüttelt hier in rauer Frische sein gitarristisches Können aus dem Ärmel, setzt Akkorde, variiert fingerflinke Patterns und glänzt mit klanglichen Raffinessen und quirligen Soli.

Mit dem argentinischen Elektrobassisten Franco Fontanarrosa und dem Luzerner Schlagzeuger Lukas Mantel hat Doran zwei sensibilisierte Mitstreiter gefunden. Sie scheinen sich in den bluesig-rockig angehauchten Passagen wie in den experimentierfreudigen Sound-Feldern zu Hause zu fühlen. Fontanarrosa spielt den Bass wie eine Gitarre, mit schnellen Melodielinien und rhythmisch kickenden Grooves. Er strotzt vor Vitalität und bereichert den Sound mit einer guten Funkyness.

Urs Leimgruber als Gestalter des Augenblicks

Urs Leimgruber hat den Titel seines neuen Soloalbums «Broken Silence» bewusst gewählt: Er versteht sein Spiel als Einbruch in die Stille. Er sagt: «Wenn ich nicht spiele, klingt es auch. Die Zeit vor, nach und zwischen den Klängen empfinde ich als genauso wichtig wie den Klang selber.» Leimgruber hat in den letzten Jahrzehnten das Klangspektrum des Saxofons mit neuen Spieltechniken erweitert. Auch versteht er das freie Improvisieren als «instant composing». Nichts, was klingt, ist zufällig. Es ist die Gestaltung des Moments, die gleichzeitig ihr klar konzipiertes Vorher und Nachher hat.

«Broken Silence» offenbart ein oszillierendes Wechselspiel aus Ruhe und Klang. Je mehr man hineinlauscht, desto furchter­regender werden die Schönheiten dieser stillen Explosionen. Hauptinstrument ist das Sopransaxofon. Zwei Stücke bestehen aus mehrfach überlagerten Improvisationen (Overdubs) auf dem Tenor. Aber Leimgruber beherrscht die Technik von Mehrklängen und der Obertonerzeugung auch im Livespiel so ausgefeilt, dass die Overdubs kaum als solche zu erkennen sind.

Das Album wurde mit René Zingg im Soundville-Studio in Luzern aufgenommen und auf dem Label des Luzerners Mike Wider veröffentlicht. Ein herausforderndes Hörvergnügen.

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Christy Doran, Undercurrent. Live at the Theater Gütersloh, Intuition.

Urs Leimgruber: Broken Silence, Creative Works Records.

13. März, 20 Uhr, Neubad: Albumtaufe von Urs Leimgruber.

Der Saxophonist Urs Leimgruber, hier in einer Aufnahme vom November 2013. (Bild: Corinne Glanzmann, 07.11.2013)

Der Saxophonist Urs Leimgruber, hier in einer Aufnahme vom November 2013. (Bild: Corinne Glanzmann, 07.11.2013)

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